Montag, 11. Dezember 2017

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Umbau-Wunder bei Commerzbank Zwei Millionen mehr Kunden bei 9600 weniger Kollegen

"Wir verdienen einfach nicht genug Geld": Coba-Chef Martin Zielke

Wie baut man 9600 Jobs "sozialverträglich" ab? Die Antwort kennt wohl nur Commerzbank-Chef Martin Zielke. Gleichwohl verteidigt er den radikalen Schnitt und verspricht: Der Umbau werde der Bank zwei Millionen neue Kunden allein in Deutschland zuspülen.

Die Commerzbank will ihren gewaltigen Stellenabbau möglichst sozialverträglich stemmen. "Die Entscheidung für den Personalabbau ist mir sehr schwergefallen", sagte der seit Mai amtierende Konzernchef Martin Zielke am Freitag in Frankfurt. Der Bank bleibe aber keine andere Wahl. "Wir verdienen einfach nicht genug Geld", betonte Zielke. "Wir müssen dringend selbst etwas tun, um die Bank wieder deutlich profitabler und wettbewerbsfähiger zu machen."

Der Dax-Konzern hatte am Vortag angekündigt, 9600 seiner derzeit gut 45.000 Vollzeitstellen bis zum Jahr 2020 zu streichen. "Wir werden versuchen, den Personalabbau möglichst sozialverträglich zu gestalten und mit dem Gesamtbetriebsrat so kooperativ wie möglich zusammenzuarbeiten", sagte Zielke. Weil zugleich 2300 neue Arbeitsplätze in anderen Bereichen geschaffen werden sollen, fallen unter dem Strich 7300 Vollzeitstellen bei der Commerzbank weg.

Vorstand rechnet mit Durststrecke bis 2019

Der Umbau der Commerzbank wird sich nach den Erwartungen des Vorstands erst 2019 in den Geschäftszahlen niederschlagen. "2017 und 2018 sind zwei Übergangsjahre, die durch niedrige Rentabilität gekennzeichnet sind", sagte Finanzvorstand Stephan Engels ebenfalls am Freitag. Auf der Kostenseite seien laut Engels erst 2019 spürbare Entlastungen zu erwarten.

Auf die beiden Jahre würden die 1,1 Milliarden Euro Aufwand verteilt, den die zweitgrößte deutsche Bank unter anderem für den Abbau der bis 9600 Stellen eingeplant hat.

Vorstandschef Martin Zielke begründete den schon länger im Raum stehenden Teilrückzug aus dem Investmentbanking mit den Worten: "Unser Geschäftsmodell ist nur dann zukunftsfähig, wenn wir uns auf das besinnen, was wir besser können als der Markt. Bereiche, in denen wir nur 'mitspielen', sind nicht zukunftsfähig." Die Bank werde und müsse sich von Geschäften trennen, "bei denen wir keinen Bezug zu unseren Kernkunden haben", sagte Zielke weiter.

Commerzbank will zwei Millionen zusätzliche Kunden gewinnen

Die Commerzbank verspricht sich von der Konzentration auf Privat- und Firmenkunden einen kräftigen Schub für ihr Geschäft. Bis zum Jahr 2020 will das Institut im deutschen Markt zwei Millionen zusätzliche Kunden gewinnen. Dabei setze das Institut weiter auf ein dichtes Filialnetz, bekräftigte der teilverstaatlichte Konzern. Rund 700 Millionen Euro jährlich will die Bank in Digitalisierung und ihre IT investieren.

Die Bank hatte bereits am Donnerstag mitgeteilt, die Segmente Mittelstandsbank und Investmentbanking bündeln und das schwankungsanfällige Handelsgeschäft eindampfen zu wollen. Zudem sollen kleinere Unternehmenskunden künftig vom Privatkundenbereich betreut werden. Auch die Tochter M-Bank im Polen wird künftig dieser Sparte zugeschlagen.

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rei/Reuters/dpa

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