Freitag, 15. Dezember 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Cerberus kauft Anteil für 700 Millionen Euro US-Finanzinvestor Cerberus steigt bei Commerzbank ein

Cerberus steigt bei Commerzbank ein: Das neue Interesse von Finanzinvestoren an deutschen Banken
Fotos
AP

Der US-Finanzinvestor Cerberus ist bei der Commerzbank Börsen-Chart zeigen eingestiegen. Der Mehrheitseigentümer der österreichischen Bank Bawag P.S.K. meldete am Mittwoch einen Anteil von 5,01 Prozent an Deutschlands zweitgrößter Privatbank. Das Paket ist knapp 700 Millionen Euro wert.

Cerberus ist damit zweitgrößter Aktionär der Commerzbank nach dem deutschen Staat, der das Institut in der Finanzkrise gerettet hatte und noch gut 15 Prozent der Anteile hält.

Staat hält noch 15,6 Prozent

Zum Jahresende 2016 hielt der deutsche Staat noch 15,6 Prozent der Anteile an der Commerzbank. "Unsere Position hat sich nicht geändert", erklärte eine Sprecherin des Bankenrettungsfonds Soffin gegenüber manager-magazin.de am Mittwoch. Man begrüße zugleich das Interesse von Investoren an der Commerzbank.

Cerberus wird auch ein Interesse an der HSH Nordbank nachgesagt. Diese muss auf Druck der EU von ihren Eigentümern Hamburg und Schleswig-Holstein verkauft werden. Weder die Commerzbank noch Cerberus wollten sich gegenüber Bloomberg zu den Informationen äußern.

Was der als aggressiv geltende Investor mit dem Aktienpaket im Schilde führt, blieb zunächst unklar. Eine Commerzbank-Sprecherin wollte nicht sagen, ob Cerberus im Vorfeld des Einstiegs wie üblich Kontakt mit der Bank aufgenommen hatte. In einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hatte es Anfang des Monats geheißen, Cerberus wolle mit dem Einstieg vom Aufschwung in der deutschen Finanzbranche profitieren.

Commerzbank setzt Kursrally fort

Der Kurs der Commerzbank-Aktie hat bereits in den vergangenen Monaten kräftig angezogen. Seit dem Tiefststand von 5,16 Euro im August 2016 hat er sich mehr als verdoppelt. Am Mittwoch legte die Aktie um 2,5 Prozent zu und überwand die Marke von 11 Euro.

Deutsche Banken stehen ohnehin im Interesse des Investors: Vor kurzem hatte Cerberus die Übernahme der Stuttgarter Regionalbank Südwestbank perfekt gemacht. Bereits damals hatte Bawag-Chef Anas Abuzaakouk klargemacht, dass er größere Ambitionen im Nachbarland hat: "Deutschland ist ein sehr, sehr attraktiver Markt für uns", sagte er Reuters. "Wir sehen uns einige Möglichkeiten an, die eine Ergänzung für die Südwestbank wären."

Bawag macht sich gerade schick für einen Börsengang, der laut Finanzkreisen ab Herbst über die Bühne gehen könnte. Bawag und ihr Großaktionär sind laut der "Süddeutschen Zeitung" auch an der Wüstenrot Bank interessiert, an der der Stuttgarter Finanzkonzern W&W das strategische Interesse verloren hatte.

Auch mit einer Übernahme der Postbank hatte sich Cerberus schon beschäftigt: Die Pläne hatten sich allerdings zerschlagen, weil die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen einen zu hohen Preis gefordert hatte. Eine Komplettübernahme der Commerzbank wäre für einen Finanzinvestor wie Cerberus allerdings zu teuer: Ihr Börsenwert liegt bei fast 14 Milliarden Euro.

Der Investor hat den Einstieg bei der Commerzbank - zumindest teilweise - über die gleiche Holding mit den Namen Promontoria bewerkstelligt, die auch die Bawag-Anteile hält. Firmen mit dem gleichen Namen waren in Europa auch schon als Investoren in Einzelhandelsimmobilien und als Käufer fauler Kredite aufgetreten.

rei/ak/Reuters

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH