Samstag, 16. Dezember 2017

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Das Ende der klassischen Banken Die Commerzbank war nur der Anfang

Commerzbank-Chef Martin Zielke: 9600 Stellen fallen weg - und doch soll die neue Bank mehr Kunden locken

Schuld an der Krise von Commerzbank und Deutscher Bank sind nicht die niedrigen Zinsen, sondern das Dinosaurier-Geschäftsmodell. Ist die Commerzbank wirklich für den Wandel bereit?

Jens-Uwe Meyer
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    Dr. Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Innolytics GmbH. Mit neun Büchern (u.a. "Radikale Innovation", "Digitale Disruption") und mehr als 100 Fachartikeln ist er einer der engagiertesten Innovationsvordenker im deutschsprachigen Raum. Er berät mittelständische Unternehmen und Konzerne.
  • www.jens-uwe-meyer.de

Wenn Bankvorstände ihre jüngste Sparrunde erklären, lautet die Hauptbotschaft meistens in etwa so: Wir haben alles richtig gemacht. Der harte Wettbewerb ist schuld an der Situation. Die scharfen Vorschriften der Aufsichtsbehörden geben uns keine Luft zum Atmen. Und die anhaltend niedrigen Zinsen zwingen uns zu Kostensenkungen.

Das stimmt, irgendwie. Und doch ist es nicht die Ursache für den Niedergang der Banken, dem wir zuletzt bei der Deutschen und aktuell bei der Commerzbank beiwohnen dürfen. Für mein Buch "Digitale Disruption" habe ich mich in den vergangenen Monaten intensiv mit den Gefahren für den Bankensektor auseinandergesetzt. Die Kurzzusammenfassung lautet: Es brennt. Und zwar bei allen.

Ob Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, Commerzbank Börsen-Chart zeigen oder andere: Die klassischen Kreditinstitute sitzen auf einem Dinosaurier-Geschäftsmodell. Aus technologischer Sicht sind Filialen und ein Großteil der klassischen Verwaltungstätigkeit heute bereits überflüssig. Und die Kernkompetenzen der Banken lösen sich gerade in Luft auf.

Placebo-Versprechen

Wann waren Sie das letzte Mal in einer Bankfiliale? Da kommen Sie ins Grübeln, oder? Und warum waren Sie da? Vielleicht, weil Sie ein Formular unterschreiben mussten. Dann war dies aber kein freiwilliger Besuch, sondern der mangelnden Digitalisierung der Bank geschuldet. Oder Sie haben Geld abgehoben und mussten die Filiale zwangsläufig betreten, weil der Automat nicht vor der Tür war. Auch dieser Grund wird in Kürze nicht mehr bestehen - der Abschied vom Bargeld ist längst eingeläutet.

Wenn die Verantwortlichen der Commerzbank Börsen-Chart zeigen heute verkünden, dass keine Filialen geschlossen werden, ist dies grob fahrlässig. Es sind Placebo-Versprechen, wo eigentlich starke medizinische Maßnahmen notwendig wären.

Blicken wir kurz zehn Jahre zurück. Egal ob Sie Angestellter sind oder Unternehmer, früher gab es so etwas wie den persönlichen Ansprechpartner. Wenn Sie sich selbständig machen wollten, gingen Sie naturgemäß zunächst einmal zu diesem Berater. Sie fragten nach einem Kredit, der freundliche Berater war zugleich Ihr Finanzratgeber. Und wenn Herr Müller aus der Filiale nebenan besonders heiße Aktienfonds empfahl, dann waren diese natürlich ein Investment wert. Alle Zahlungen liefen ganz selbstverständlich über Banken. Und heute?

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