Samstag, 23. September 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Das Ende der klassischen Banken Die Commerzbank war nur der Anfang

Commerzbank-Chef Martin Zielke: 9600 Stellen fallen weg - und doch soll die neue Bank mehr Kunden locken

3. Teil: Bankdienstleistungen sind notwendig, Banken nicht

Als Microsoft-Gründer Bill Gates sein berühmtes Zitat "Banking is neccessary, Banks are not" publizierte, schüttelte die Fachwelt den Kopf. Doch seit mindestens zehn Jahren ist abzusehen, dass seine Vorhersage eintrifft. Und was haben die Banken getan? Vergleichsweise wenig. Ein Zukunftslabor hier, eine Start-up-Beteiligung da. Schauen Sie sich einmal maininkubator an, das Start-up-Programm der Commerzbank.

Wie viele revolutionäre Ideen, mit denen die Commerzbank ihre Krise überwinden könnte, finden Sie dort? Einige hoch interessante Start-ups, die es der Bank erlauben würden, in neue Geschäftsfelder zu investieren. Aber nichts, was das Grundproblem der Banken wirklich löst. Warum?

Solange die Rahmenbedingungen gut sind, können selbst Dinosaurier-Geschäftsmodelle erstaunlich lange überleben. Warum also sollten die Verantwortlichen radikal umdenken? Es funktioniert doch. Es waren Trägheit, Selbstgefälligkeit, zu viel Erfolg, die die Banken in ihre missliche Lage gebracht haben, nicht etwa die Niedrigzinsen. Die bringen nur gerade in erschreckender Art und Weise die mangelnde Innovationsfähigkeit der Banken ans Licht.

Wenn Ihnen heute ein Gründer das aktuelle Geschäftsmodell der Banken vorstellen würde - würden Sie investieren? Vermutlich nicht.

Die Commerzbank hat jetzt - auch wenn es für die Beschäftigten schmerzhaft ist - die wahrscheinlich letzte Chance, ihr Geschäftsmodell radikal und digital neu zu denken. Dazu müsste der Vorstand eine schizophrene Strategie fahren: Einerseits das bestehende Geschäft radikal optimieren, andererseits es genauso radikal kannibalisieren. Ob der Vorstand dazu wirklich bereit ist?

Jens-Uwe Meyer ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH