Mittwoch, 14. November 2018

Minus 50 Prozent Commerzbank zahlt trotz Gewinneinbruch wieder Dividende

Commerzbank-Logo in Frankfurt am Main: Im Vorjahresquartal blähte der Verkauf der Frankfurter Firmenzentrale die Bilanz der Bank auf

Die Commerzbank sieht sich nach einem soliden dritten Quartal auf Kurs zur zweiten Gewinnausschüttung an die Aktionäre seit der Finanzkrise. Dank wachsender Kundenzahlen im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden gelingt es dem Institut in einem umkämpften Markt seine Position zu halten. Die vor Kurzem vom Dax in den MDax Börsen-Chart zeigen abgestiegene Aktie Börsen-Chart zeigen legte mehr als 5 Prozent zu - auf Jahressicht ist das Papier aber immer noch 30 Prozent im Minus.

Im Drei-Monats-Zeitraum Juli bis einschließlich September verdiente die Bank nach Angaben vom Donnerstag unter dem Strich deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Anders als im dritten Quartal 2017 konnte das teilverstaatlichte Geldhaus dieses Mal allerdings auch keine hohen Einmalerträge verbuchen. Das operative Ergebnis brach im Vergleich der beiden Quartale um fast die Hälfte auf 331 Millionen Euro ein. Unter dem Strich blieben im dritten Quartal 2018 mit 218 Millionen Euro 53 Prozent weniger noch als im Vorjahreszeitraum.

Vor einem Jahr hatte sich der Verkauf der Frankfurter Firmenzentrale positiv in der Bilanz niedergeschlagen. Die Commerzbank ist nun Mieter in dem Turm. Dieser und weitere Sondererträge summierten sich seinerzeit auf rund eine halbe Milliarde Euro.

Nach wie vor machen sich Konzernumbau und Kundenwerbung bezahlt. Im dritten Quartal gewann die Bank nach eigenen Angaben im Segment Privat- und Unternehmerkunden in Deutschland etwa 117.000 zusätzliche Kunden. Seit Vorstellung der neuen Strategie im Herbst 2016 sei die Kundenbasis somit um gut 900.000 gewachsen.

Ziel: Zwei Millionen neue Kunden bis 2020

Bis zum Jahr 2020 will die Bank mit aktuell rund 13 Millionen Privat- und Unternehmerkunden in Deutschland insgesamt zwei Millionen zusätzliche Klienten anlocken. Davon verspricht sich der Konzern auf lange Sicht mehr Gewinn. Bereinigt um Sondereffekte verbuchte die Commerzbank, deren größter Aktionär seit der Finanzkrise 2008 der Bund ist, steigende Erträge: Die gesamten Einnahmen der Bank lagen nach neun Monaten bei 6,69 (Vorjahr: rund 6,34) Milliarden Euro.

"Wir haben unsere bereinigten Erträge gesteigert und gewinnen stetig neue Kunden. Das zeigt, dass unsere Strategie richtig ist: Wir wachsen in einem wettbewerbsintensiven Markt", bilanzierte Konzernchef Martin Zielke. Auf bereinigter Basis rechnet das Institut für das Gesamtjahr auf Konzernebene mit höheren Erträgen als 2017. Im Firmenkundengeschäft allerdings bekommt die Bank den harten Wettbewerb um den deutschen Mittelstand zu spüren. In diesem Segment werden daher geringere Erträge als ein Jahr zuvor erwartet.

Beim Verkauf der Sparte EMC an die französische Société Générale machte die Commerzbank den nächsten Schritt: Beide Institute unterzeichneten den Kaufvertrag für das in dem Bereich gebündelte Geschäft mit Aktienderivaten und börsengehandelten Fonds (ETFs).

Personal soll weiter abgebaut werden

Mit deutlich weniger Personal und mehr digitalen Angeboten will die Commerzbank weiter Boden gutmachen. Bis 2020 soll die Zahl der Vollzeitstellen um 7300 auf 36.000 schrumpfen. Zum Ende des dritten Quartals waren es etwa 41.400.

Nach zwei mageren Jahren will der Vorstand das Jahr 2018 mit einem Gewinnplus abschließen. Nach neun Monaten stand unter dem Strich ein Gewinn von 751 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es - gedrückt von Kosten für den Konzernumbau - nur 53 Millionen Euro.


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Die Aktionäre dürfen auf eine Dividende hoffen: Geplant ist eine Gewinnausschüttung von 20 Cent je Anteilsschein, wie für das Jahr 2015. Es wäre das zweite Mal seit der Rettung mit Steuermilliarden in der Finanzkrise 2007/2008, dass die Commerzbank eine Dividende zahlt.

mg/dpa-afx

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