Dienstag, 23. Oktober 2018

Wie Achleitner die Spitze neu ordnet John Cryan und Marcus Schenck verlassen Deutsche Bank

Harmonisches Quartett noch Anfang Februar bei der Jahrespressekonferenz: John Cryan (2.v.l.), Christian Sewing (2.v.r.), Marcus Schenck (r.) samt Finanzvorstand James von Moltke.
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Harmonisches Quartett noch Anfang Februar bei der Jahrespressekonferenz: John Cryan (2.v.l.), Christian Sewing (2.v.r.), Marcus Schenck (r.) samt Finanzvorstand James von Moltke.

Mitten in der schwersten Krise ihrer Geschichte übergibt Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner drei langgedienten Konzernangestellten das Kommando im Vorstand: Der 47-jährige Christian Sewing, bislang Privatkundenchef und einer von zwei Stellvertretern des CEO, löst John Cryan mit sofortiger Wirkung als Vorstandschef ab. Cryan verlässt die Bank bereits Ende April.

Neue Stellvertreter werden Verwaltungsvorstand Karl von Rohr und Garth Ritchie, einer der beiden Vorstände für das Investmentbanking. Das gab die Bank am späten Sonntagabend bekannt. Sewing arbeitet seit 25 Jahren für die Bank, Ritchie und von Rohr seit rund 20 Jahren.

Achleitner hatte in der vergangenen Woche die Suche nach einem Nachfolger für Cryan begonnen. Dem Briten wird vorgeworfen, die Sanierung des größten deutschen Geldhauses verschleppt zu haben.

Die Personalien senden deutliche Signale vor allem nach innen und in Richtung der Regulatoren. Sewing und von Rohr verdanken ihre Karriere eher administrativen Leistungen. Sewing verbrachte sein Berufsleben fast ausschließlich bei der Deutschen Bank und war lange für die korrekte Aufstellung der internen Zahlen zuständig und den richtigen Umgang mit Risiken im Geschäft. Von Rohr ist intern erstmals als Leiter der Filiale in Belgien bekannt geworden, später als Personalchef für Deutschland. Große operative Expertise in einzelnen Sparten und bei bestimmten Kundengruppen haben sie jeweils nicht.

Auch Marcus Schenck wird die Bank verlassen

Ritchies Beförderung war notwendig, damit im Vorstand der Deutschen Bank weiterhin zumindest ein Mitglied die Geschäfte des Geldhauses im Investmentbanking versteht. Marcus Schenck, der zusammen mit Ritchie die Investmentbank leitet und neben Sewing Favorit für die CEO-Rolle war, verlässt die Bank mit Ablauf der Hauptversammlung am 24. Mai. Ritchie hatte erwogen, seinen Vertrag Ende 2018 auslaufen zu lassen. Der Spezialist für den Wertpapierhandel fand vor allem die unklare Strategie der Bank in den USA problematisch, dem wichtigsten Kapitalmarkt der Welt.

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Zu Sewing lässt sich Aufsichtsratschef Achleitner in einer Pressemitteilung zitieren: "Christian Sewing hat in seinem mehr als 25 Jahren bei der Deutschen Bank konstant bewiesen, dass er führungsstark ist und eine große Durchsetzungskraft hat. Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass es ihm und seinem Team gelingen wird, die Deutsche Bank erfolgreich in eine neue Ära zu führen. Wir setzen auf die innere Kraft unserer Bank, auf die vielen großen Talente, die wir haben."

Achleitner schreibt Sewing "große Durchsetzungskraft" zu

Sewing müsse nun "neue Akzente setzen, damit die Bank endlich zu profitablem Wachstum zurückfindet", sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. Er müsse nun dringend wieder Ruhe in die Bank bringen.

Zu Cryan schrieb Achleitner unter anderem: "Der Aufsichtsrat ist nach einer umfassenden Analyse aber zum Schluss gekommen, dass es nun eine neue Umsetzungskraft in der Führung unserer Bank braucht." Die Aufsichtsratssitzung am Sonntag hatte Achleitner sehr kurzfristig anberaumt.

Achleitner hatte den als Sanierer geschätzten ehemaligen UBS -Finanzchef Cryan zur Deutschen Bank geholt. Zuletzt galt das Verhältnis zwischen den beiden aber als zerrüttet. Vor Ostern hatte sich der Brite noch mit einer kämpferischen Botschaft an die Belegschaft gewandt und damit klargemacht, dass er bleiben will. Der Vertrag des Briten liefe regulär bis 2020.

soc/rei/dpa

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