Samstag, 16. Dezember 2017

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Drei Argumente für den knallharten US-Sanierer   Cerberus - ein Segen für die Deutsche Bank

Deutsche-Bank-Frontmänner: CEO John Cryan (l) und Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

Wer es böse meint mit der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, der könnte behaupten, dass das zum Sanierungsfall heruntergewirtschaftete Ex-Vorzeigeinstitut exakt die (Groß-)Aktionäre hat, die es verdient: dubiose Chinesen (HNA), neureich-aggressive Araber (Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al Thani, "HBJ", und sein Vetter Hamad Bin Khalifa Al Thani) und nun auch noch die Brutalsanierer von Cerberus. Jene New Yorker Heuschrecke, die bereits mehr als fünf Prozent an der Commerzbank hält. Langeweile kann mit solchen Eigentümern nicht aufkommen.

Noch ist nicht bekannt, welche Absichten Cerberus verfolgt - genauso wenig, wie viele Anteile die Amerikaner überhaupt halten. Der Private-Equity-Investor agiert so klandestin wie Opus Dei und gewährt nur alle Jubeljahre einen Blick hinter die Kulissen - außer, manager magazin klopft freundlich an.

Dennoch ist der Einstieg der Amerikaner unter dem Strich eine positive Nachricht für die von positiven Nachrichten nicht allzu verwöhnte Deutsche Bank. Dreierlei Gründe lassen sich zur Beweisführung nennen.

Der erste hat eher banalen Charakter: Cerberus verspricht seinen Kunden 18 bis 22 Prozent Jahresrendite und erwirtschaftet diese auch regelmäßig. Geld zu verschenken haben die Höllenhunde aus Midtown Manhattan also nicht. Das spricht zwar nicht zwingend dafür, Geld in die Deutsche Bank zu stecken, deren Aktienkurs und Ertragslage seit Jahren ein Jammer sind. Andererseits: Viel schlechter geht es kaum, und Cerberus hat oft bewiesen, mit Investments in ausgebombte Assets gut zu verdienen.

Das führt zum zweiten, operationalen, Grund: Die Truppe von Frank Bruno, dem Cerberus-Experten in Sachen Banken und Versicherungen, hat eine präzise Vorstellung davon, wie sich im Geschäft mit Massenkunden Geld verdienen lässt. Die Wiener Gewerkschaftsbank Bawag haben die New Yorker von der Skandalnudel zum Retail-Powerhouse gepimpt, das gerade an der Wiener Börse debütiert hat.

Die Kursentwicklung der ersten Tage ist zwar mau, aber Cerberus hat es vollbracht, die Bawag mit dem 1,5fachen Wert ihres Eigenkapitals an den Aktienmarkt zu bringen. Das ist ein Wert, den kaum eine andere Bank in Europa schafft, und Folge jahrelanger Kärnerarbeit. Selbiges ist Bruno zuvor schon bei Japans Aozora-Bank und Ally Financial, der fallierten Banksparte des US-Autobauers General Motors, gelungen.

Es darf daher als gesichert gelten, dass der nicht als konfliktscheu geltende Bruno den Deutschbankern seine Vorstellungen zur Verbesserung des Geschäfts vortragen wird. Wie er es schon bei Martin Zielke gemacht hat. Wer denCommerzbank-CEO auf Cerberus anspricht, bekommt eine Ahnung davon, wie unbarmherzig die Klartext-Amerikaner agieren. Ihre Erfolgsbilanz gibt ihnen freilich recht, und die Deutsche-Bank-Aktionäre würde es freuen, wenn die Serie hält.

Der dritte Grund ist taktisch. Durch den Einstieg von Cerberus sind die zuweilen irrlichternden Aktionäre aus Fernost nicht mehr die einzigen mit überdurchschnittlich viel Einfluss auf Vorstand und Aufsichtsrat. Vielmehr bringt Cerberus, neben dem ebenfalls kräftig investierten US-Vermögensverwalter BlackRock, ein Maß an Rationalität und Know-how ein, das HNA und Kataris fehlt.

Das sollte dem Topmanagement im Prinzip die Arbeit erleichtern. Der vor allem bei den Kataris enorm unbeliebte CEO John Cryan dürfte nun schneller den Kontakt zu Cerberus suchen als zu den Spitzenleuten aus China und Katar, um die er lange einen Bogen gemacht hat. Schließlich kann er Cerberus' Einstieg als Zeugnis seiner Bemühungen werten, die Kosten in den Griff zu kriegen.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner wiederum muss nun zwar einen Großaktionär mehr bei Laune halten. Aber der schlitzohrige Überlebenskünstler liebt komplexe Situationen. Ihn dürfte es reizen, die großen Aktionäre künftig gegeneinander ausspielen zu können.

Achleitners größtes Problem indes bleibt: Wer soll ab 2020 als Vorstandschef die Deutsche Bank führen - Cryan, zu dem er eine Nicht-Beziehung pflegt und den die Kataris lieber gestern als heute loswären, dessen Arbeit nun aber immerhin Cerberus angelockt hat? Finanzvorstand Marcus Schenck, der am liebsten und zwar sofort CEO werden würde, aber bei Kataris und Chinesen

ebensowenig als papabile gilt wie Privatkundenchef Christian Sewing?Die Personalfrage wird sich früher stellen als die eines etwaigen Zusammenschlusses mit der Commerzbank, auf den nun viele wetten - nicht zuletzt wohl auch Private-Equity-Investor Cerberus, der an beiden Instituten beteiligt ist.

Denn liefert die Deutsche Bank weiterhin bescheidene Ergebnisse ab, und schmelzen die Umsätze ähnlich schnell wie zuletzt, könnte es im Frühjahr rund um die Hauptversammlung zu einer Aktionärsrevolte gegen Cryan kommen. Hinter den Kulissen wird bereits fleißig daran gearbeitet.

Langeweile, so viel ist sicher, wird mit den Eigentümern der Deutschen Bank so rasch nicht aufkommen - Fortsetzung folgt.

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