Montag, 29. August 2016

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EU ermittelt Großbanken sollen CDS-Markt blockiert haben

Finanzdistrikt in London: Verdacht auf Missbrauch im billionenschweren CDS-Handel
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Finanzdistrikt in London: Verdacht auf Missbrauch im billionenschweren CDS-Handel

Auf Großbanken rollt eine neue Prozesswelle zu: Die EU-Kommission knöpft sich 13 Geldhäuser und den Derivateverband ISDA vor. Sie sollen den billionenschweren Markt für Kreditausfallversicherungen manipuliert haben.

Brüssel/Frankfurt am Main - Die EU-Kommission verschärft ihre Ermittlungen gegen Banken wegen mutmaßlicher Tricksereien im Handel mit Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps - CDS). Wie die Wettbewerbsbehörde am Montag erklärte, knöpft sie sich jetzt 13 Banken sowie den internationalen Swap- und Derivateverband ISDA und den Finanzdatenanbieter Markit genauer vor.

Es gebe Hinweise darauf, dass es verbotene Absprachen und den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung im billionenschweren Handel mit CDS gegeben habe. Von den betroffenen Marktteilnehmern würden nun weitere Informationen angefordert. Der Entscheidung gingen rund zweijährige Ermittlungen voraus.

Zu den 13 Kreditinstituten, die jetzt im Fokus stehen, zählen Bank of America Merrill Lynch Börsen-Chart zeigen, Barclays Börsen-Chart zeigen , Bear Stearns Börsen-Chart zeigen, BNP Paribas Börsen-Chart zeigen, Citigroup Börsen-Chart zeigen, Credit Suisse Börsen-Chart zeigen, Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, HSBC Börsen-Chart zeigen, JP Morgan, Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen, Royal Bank of Scotland Börsen-Chart zeigen, UBS Börsen-Chart zeigen sowie die Vereinigung International Swaps and Derivatives Association (ISDA) und den Datenanbieter Markit.

Die Deutsche Bank wollte sich zur Sache zunächst nicht äußern. Bereits im April war bekanntgeworden, dass die EU-Kommission die Commerzbank in den Ermittlungen vorerst vom Haken gelassen hat.

Mit CDS sichern sich Investoren und Spekulanten gegen Pleiten von Staaten und Firmen ab. Mit CDS kann zudem auf die Bonität eines Schuldners gewettet und dieser damit in Bedrängnis gebracht werden, was die Papiere in der Euro-Schuldenkrise in Verruf gebracht hat. Banken haben als zwischengeschaltete Institutionen den Handel mit CDS ermöglicht. Ihnen kommt daher eine besondere Verantwortung zu - erst recht, wenn sie andere Marktteilnehmer ausgesperrt haben, wie die Eu-Kommission vermutet. Ähnliche Untersuchungen laufen auch in den USA.

Zinssatz-Manipulation: EU will Ermittlungen bis Jahresende abschließen

Die EU-Wettbewerbshüter wollen in den Ermittlungen wegen des Verdachts der jahrelangen Manipulation wichtiger Referenz-Zinssätze wie dem Euribor und Libor einen Vergleich mit einer Gruppe verdächtiger Banken erreichen. Dabei sollen unter anderem für das Eingeständnis von Fehlverhalten die Bußgelder geringer ausfallen, wie EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia am Montag sagte. "Wir hoffen, bis Jahresende eine Entscheidung herbeigeführt zu haben."

Laut Almunia sind einige der Banken, gegen die wegen Tricksereien im Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) vorgegangen wird, auch von den Ermittlungen wegen der Manipulation der Interbanken-Zinssätze betroffen. In den USA laufen dazu ebenfalls Ermittlungen. Drei Geldhäuser - die Royal Bank of Scotland, Barclays sowie die Schweizer UBS - haben sich bereits mit den Aufsehern auf eine Geldbuße geeinigt, um die Ermittlungen zu beenden. Auch die Deutsche Bank ist in den Skandal verwickelt.

mahi/rtr/dpa-afx

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