Mittwoch, 14. November 2018

Frankfurt gegen Dublin gegen Paris gegen Luxemburg Welche Stadt löst London als Europas Geldmetropole ab?

Frankfurt? Paris? Oder doch Dublin? Nach dem Brexit-Votum der Briten kämpfen mehrere Städte darum, London als wichtigsten Finanzplatz der EU abzulösen.

Londoner Bankenviertel Canary Wharf
Bloomberg via Getty Images
Londoner Bankenviertel Canary Wharf

Noch ist London der wichtigste Finanzplatz der EU, doch quer durch Europa machen sich schon die potenziellen Nachfolger bereit. "Willkommen in der Region Paris" konnte die Finanzwelt bereits am Morgen nach dem Brexit-Votum in großformatigen Anzeigen in der digitalen "Financial Times" lesen. "Kommen Sie nach Paris und nutzen Sie dort ihre Chancen!"

Auch in Frankfurt sind die Hoffnungen riesig. Die Standortinitiative Frankfurt Main Finance hat pünktlich zum Brexit-Referendum eine Internetseite freigeschaltet, die hochqualifizierte Arbeitskräfte auf Englisch in Frankfurt willkommen heißt und ihnen unter anderem die Vorteile des Nachtlebens am Main schmackhaft macht. Und schließlich rechnen sich auch Städte wie Luxemburg und Dublin Chancen aus.

Die neuen Konkurrenten wittern großes Geschäft und viele Arbeitsplätze. Rund 350.000 Menschen arbeiten am Finanzplatz London - sie steuern fast ein Viertel zur britischen Wirtschaftsleistung bei. Wie viel es in Zukunft noch sein werden, ist nach dem Austrittsvotum der Briten unklarer denn je. In jedem Fall wird London außerhalb der EU als Standort für Banken, Fonds und Versicherungen unattraktiver werden. Die ersten Unternehmen haben bereits Stellenverlagerungen angekündigt.

Wie stark London leiden wird, hängt davon ab, wie der Abschied aus der EU gestaltet wird. In den Verhandlungen dürfte es vor allem um den sogenannten EU-Pass gehen, der es den in London ansässigen Finanzinstituten bisher erlaubt, ihre Produkte in ganz Europa zu verkaufen, ohne in jedem Land eine eigene Niederlassung aufzumachen.

Es könnte sehr schnell gehen

Bei einem Austritt aus der EU müssten auch die Regulierungsbehörden mitentscheiden, inwieweit dieses Privileg zumindest in abgespeckter Form erhalten bleiben könnte. Sollte London es ganz verlieren, dürften viele Banken sicher schnell nach Alternativen in den verbliebenen EU-Staaten Ausschau halten. "Die ersten, die dann gehen, sind die ausländischen Banken", sagt Arndt Ellinghorst, Europachef des Investmentberaters Evercore ISI in London. "Nicht weil sie gehen wollen, sondern weil sie gehen müssen."

Hinzu kommt die Frage der Arbeitnehmerfreizügigkeit, die ein Hauptthema im Wahlkampf der Brexit-Befürworter war. Sie wollten vor allem osteuropäische Billiglöhner aus dem Königreich fernhalten. An hochqualifizierte Besserverdiener hat dabei kaum einer so recht gedacht. Doch auch die müssten womöglich gehen, wenn Großbritannien aus der EU ausscheidet.

"20 Prozent unserer Mitarbeiter in London sind EU-Ausländer", berichtet ein Vertreter eines Finanzkonzerns. "Wenn die keine Arbeitserlaubnis in Großbritannien mehr bekämen, müssten wir uns nach anderen Standorten umsehen."

Experten gehen davon aus, dass die Planungen schon sehr schnell konkret werden könnten. "Die Finanzinstitute wollen sich nicht plötzlich damit konfrontiert sehen, umziehen zu müssen", sagt Jan Pieter Krahnen, Professor im House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt. "In den nächsten sechs Monaten wird deshalb schon viel passieren."

Doch welche Stadt hat die besten Karten, London als wichtigsten Finanzstandort der EU zu beerben? Alle Kandidaten im Schnellcheck.

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