Montag, 22. Januar 2018

Tschüss London, hallo Frankfurt Goldman-Chef Blankfein macht Banker und Briten nervös

Goldman Sachs Chef Lloyd Blankfein und seine Liebeserklärung: "Bald viel mehr Zeit in Frankfurt"
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Goldman Sachs Chef Lloyd Blankfein und seine Liebeserklärung: "Bald viel mehr Zeit in Frankfurt"

In London lässt es sich gut leben und feiern, das wissen Londoner Banker nur zu gut. Dass der ärgerliche Brexit dafür sorgen wird, dass zahlreiche Banker London verlassen und in für Londoner Banker weitgehend unbekannte Orte wie Frankfurt, Madrid oder Paris umziehen müssen, hat sich inzwischen herumgesprochen (nur Boris Johnson ahnt noch nichts.) Wie viele Banker am Ende den entbehrungsreichen Weg auf den Kontinent antreten werden, darüber wird seit Monaten nicht nur in London nach Herzenslust spekuliert.

Lloyd Blankfein, Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, hat mit einem Tweet nun die Umzugs-Diskussion wieder kräftig befeuert. "Ich verlasse gerade Frankfurt. Tolle Meetings, tolles Wetter, hat mir sehr gefallen hier. Das ist gut, denn ich werde künftig sehr viel mehr Zeit hier verbringen - #Brexit", schrieb Blankfein.

In Frankfurt hat Goldman Sachs in der Tat noch viel Luft nach oben: Während in der Londoner City derzeit noch rund 5500 Goldman-Banker beschäftigt sind, arbeiten in Frankfurt am Main gerade einmal 200 Kollegen. Zuletzt kündigte Goldman Sachs den Umzug aus dem aktuellen Quartier, dem Frankfurter Messeturm, an: Im neuen Marienturm, der 2019 bezugsfertig sein soll, können mehr als dreimal so viele Goldman-Banker Platz finden, direkt gegenüber vom Hauptquartier der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen.

Und Lloyd Blankfein ist offenbar fest entschlossen, den neuen Büroraum auch mit Personal zu füllen - schließlich haben die Konkurrenten JP Morgan, Citi und Morgan Stanley ebenfalls bereits Pläne vorgelegt, ihre Aktivitäten in Frankfurt zu verstärken.

In der Tat könnte Frankfurt zu den Gewinnern eines Brexit zählen. Die Bankenmetropole wirbt seit geraumer Zeit bei internationalen Großbanken mit ihren Vorzügen. Diese haben sich bei Goldman Sachs noch nicht vollständig herumgesprochen - unter den Angestellten soll der jüngste Tweet von Blankfein ebenso für Nervosität gesorgt haben wie bei der britischen Presse.

Ein Sprecher von Regierungschefin Theresa May lehnte es am Nachmittag jedenfalls ab, den Tweet des mächtigen Goldman-Chefs zu kommentieren. Nur eines sollte klar sein, schob der Sprecher etwas angefasst hinterher: London sei das führende Finanzzentrum der Welt und werde das auch bleiben. Basta.

Frankfurts Aufstieg: Der neue Mainstream

Nur einer bleibt inmitten der Brexit-Wirren vollkommen calm - Boris Johnson. Dass Großbritannien und insbesondere der Finanzmetropole London wegen des Brexit womöglich Arbeitsplätze verloren gehen, kann sich der britische Außenminister beim besten Willen nicht vorstellen.

la/mmo

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