Samstag, 18. November 2017

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Tech-Aktien auf Rekordhoch Sind Amazon, Apple und Facebook ihr Geld wert?

Auf Rekordniveau: Mancher Anleger wird angesichts der Kursgewinne bei Tech-Aktien nervös

Die Technologiebörse Nasdaq notiert auf Rekordhoch, die Kurse von Facebook, Amazon und Alphabet steigen immer weiter. Sind die US-Börsenstars inzwischen zu teuer?

Euphorie im Tech-Sektor: Der US-Technologieindex Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen notiert auf Rekordhoch. Die IT-Schwergewichte Amazon Börsen-Chart zeigen, Alphabet und Facebook Börsen-Chart zeigen haben in dieser Woche ebenfalls neue Allzeithochs erreicht. Amazon und die Google-Holding Alphabet überwanden in dieser Woche im Gleichschritt die Marke von 800 Dollar je Aktie und haben ihren Wert seit Sommer 2011 jeweils vervierfacht. Die Entscheidung der US-Notenbank, die Zinsen noch nicht zu erhöhen, gab den hoch bewerteten Technologiewerten einen weiteren Schub: Billiges Geld treibt die Kurse. Doch wie lange noch?

Anleger fragen sich, ob Börsen-Überflieger wie Amazon, Alphabet und Facebook trotz ihrer hohen Bewertungen noch "ein Kauf" sind. Damit schwebt aber auch der gefährlichste Satz der Börse im Raum: "Diesmal ist alles anders". Mit dieser Phrase wurden früher Bedenken über allzu hohe Bewertungen und drohende Kursabstürze weggewischt. Zu Recht?

Auch vor dem Platzen der Dot-com-Blase stiegen Tech-Aktien immer weiter im Wert und Investoren griffen stetig zu. Im Glauben, dass es stets so weitergehen müsse. Immerhin waren die Geschäftsmodelle der Startups so ganz anders als die der herkömmlichen Unternehmen, entsprechend müsse auch die Geldanlage neuen Gesetzen gehorchen. Damit irrten die Investoren, 2000 platzte die Blase.

Nun notieren Techaktien wieder auf Rekordniveau. Mit einem wichtigen Unterschied: Die Bewertungen von Tech-Riesen wie Apple, Amazon, Facebook oder Alphabet beruhen nicht auf hochfliegenden Hoffnungen, sondern auf einer sich immer weiter ausdehnenden Marktmacht, sprudelnden Gewinnen und hohen Cash-Reserven. Die etablierten Stars der Techszene sind keine Hoffnungswerte mehr, sondern haben ihre hohen Bewertungen inzwischen "verdient" und dehnen ihre Marktmacht immer weiter aus.

Stars der Techszene verdienen richtig Geld - und dehnen ihre Macht aus

Apple Börsen-Chart zeigen zahlt zum Beispiel inzwischen regelmäßig Dividenden, kauft kräftig Aktien zurück und kauft außerdem ein Tech-Unternehmen nach dem anderen. Zuletzt griff Tim Cook beim Startup Tuplejump zu, das sich auf maschinelles Lernen spezialisiert hat. Amazon Börsen-Chart zeigen wiederum könnte mit dem Einzelhandel gleich einen ganzen Wirtschaftssektor überflüssig machen. Ein Konkurrent zu Amazon ist weithin nicht in Sicht, jedes Start-up-Unternehmen will in seinen kühnen Traum das "Amazon des ..." werden. Ist diesmal also wirklich "alles anders"?

Die Zentralbanken der Welt fördern die extrem hohen Bewertungen an den Aktien- und Immobilienmärkten. Indem sie die Zinsen nahe Null belassen, zwingen sie Investoren weltweit auf die Suche nach rentableren Alternativen zu Anleihen. Und immer öfter landen Anleger bei "irgendetwas mit Technologie". Die Modeworte "Industrie 4.0" und "Disruption" tun ihr übriges. Das führt sogar so weit, dass Facebook Börsen-Chart zeigen in dieser Woche zwar einräumen musste, über zwei Jahre seine Kunden über den Erfolg ihrer Werbevideos getäuscht zu haben - doch der Kurs steigt trotz dieser Nachricht weiter.

Ein Warnsignal ist jedoch bereits offenkundig: Auch die Zahl der "unicorns" steigt in den USA. "Einhörner" sind Startups, die mit jeweils mehr als eine Milliarde Dollar bewertet werden. Anfang 2015 gab es weltweit 83 davon, heute sind es 156, zählt das "Wall Street Journal" auf.

Hohe Bewertungen sind ein hoher Anreiz für Gewinnmitnahmen

"Die Bewertungen sind schon recht hoch", sagt Steve Berexa, der für Allianz Global Investors in San Francisco arbeitet. "Die klassischen langfristigen Investoren tun sich jetzt schon schwerer, zuzugreifen." Hedgefonds-Manager Alexander Campbell zumindest sieht eine Blase heranwachsen. Und wettet bei einigen Tech-Unternehmen wie etwa Facebook bereits auf fallende Kurse, schreibt "Fortune". Facebook sei überbewertet. Campbell vergleicht die Industrie mit einem Land mit einem Leistungsbilanzdefizit, dessen Liquidität von ausländischem Kapital abhängt. "Winter is coming", heißt es daher auf der Web-Präsenz seines Unternehmens Snow Ventures.

Doch solange die Zentralbanken das billige Geld sprudeln lassen, solange die Tech-Unternehmen solide Quartalsergebnisse abliefern, dürfte die Party im Technologiesektor zunächst weitergehen. Eine Entwarnung ist das allerdings nicht. Geraten die Börsen erst einmal ins Rutschen, sind die Börsenstars der vergangenen Wochen meist die ersten Unternehmen, bei denen Anleger Geld vom Tisch nehmen.

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