Mittwoch, 21. November 2018

Ripple räumt Schwächen der Technik ein Vergesst Blockchain - sagt die führende Blockchain-Firma

Ripple-Logo auf einer Finanzkonferenz

Wenn es eine Firma gibt, die den Nutzen der vielbeschworenen Blockchain-Technik in der realen Wirtschaft (also außerhalb der Kryptowährungs-Blase um Bitcoin) bezeugen könnte, ist es Ripple. Das Startup grenzt sich bewusst von den meist anarchokapitalistisch geprägten Rivalen ab und sucht - ähnlich dem Berliner Iota-Projekt - den Schulterschluss mit etablierten Konzernen. Ex-Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg adelte seit Jahren den Beirat von Ripple Labs.

Die Großbank Santander hat im April eine erste große Anwendung mit Ripples Hilfe in den Markt eingeführt: den internationalen Geldüberweisungsdienst One Pay FX, der auf die von Ripple entwickelte Technik XCurrent aufsetzt - ein Beweis für den Nutzen von "Blockchain-basierter Technologie", hieß die Jubelmeldung dazu.

Genau genommen hat Blockchain damit jedoch nicht viel zu tun. "Ich räume ein, dass wir dies noch nicht erreicht haben", sagte Ripples Chefkryptograph David Schwartz nun in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

XCurrent sei nur ein "bidirektionaler Nachrichtenaustausch" - keine Blockchain und auch keine andere Art von "distributed ledger", also einer dezentral organisierten Datenbank, in der alle Teilnehmer alle Transaktionen einsehen und verifizieren können. Damit jedoch entfällt auch die zentrale Verheißung, die Technologie könne Mittelsmänner ausschalten und die Datensicherheit im Schwarm organisieren.

"Wir haben mit der klassischen Blockchain begonnen, die wir lieben", sagt Ripple-Kundenmanager Marcus Treacher. "Die Rückmeldung von den Banken war, dass wir nicht die ganze Welt in eine Blockchain packen können."

Ist das der "Ratner-Moment" für Blockchain?

Mit anderen Worten: Das dezentrale Konzept taugt einfach nicht, um den riesigen Datenbedarf der global vernetzten Finanzindustrie zu tragen. Es lässt sich wegen des enormen Rechenaufwands nicht ausreichend skalieren (abgesehen von den Problemen des hohen Energieverbrauchs), und die Daten müssen entgegen des Blockchain-Konzepts auch von einer zentralen Instanz - beispielsweise einer Bank - kontrolliert werden.

Nach fünf Jahren disruptiver Innovation sind die Tüftler wieder beim althergebrachten bankzentrierten Modell, nur mit etwas anderer Verschlüsselung der Daten - und die Kritiker können sich bestätigt fühlen.

Izabella Kaminska vom "Alphaville"-Blog der "Financial Times" sieht den "Ratner-Effekt" am Werk - in Erinnerung an den britischen Unternehmer Gerald Ratner, der in den 80er Jahren mit seiner Juwelierkette ein Vermögen machte, bis er in einer einzigen Pressekonferenz mit entwaffnender Ehrlichkeit alles zerstörte: Seine Waren seien so billig, "weil sie einfach totaler Schrott sind", ein Paar Ohrringe für weniger als ein Pfund "ist billiger als ein Krabbensandwich bei Marks and Spencer, hält aber nicht so lange".

Ganz so drastisch haben sich die Ripple-Manager über ihr eigenes Werk allerdings nicht geäußert. Ein anderer Vergleich wäre Vitalik Buterin, der Vordenker der anderen großen Blockchain-Plattform Ethereum. Der warnte im Februar ausdrücklich davor, in Kryptowährungen wie auch seine eigene zu investieren, weil der Wert "jederzeit nahe null" sinken könne.

Auch Ripple hat seine eigene Kryptowährung, die Nummer drei hinter Bitcoin und Ethereum. Deren Kurs zeigte sich am Donnerstag kaum beeindruckt von dem Interview und legte sogar noch etwas zu. Auf Wochensicht hat Ripple rund ein Fünftel seines Werts verloren - völlig im Rahmen in der Krypto-Welt.

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