Samstag, 25. März 2017

Unicredit-Chef Ghizzoni Der Aufräumer

Federico Ghizzoni: Der Vorstandschef der Unicredit strahlte kaum nach außen - aber wirkte umso erfolgreicher nach innen

Innerhalb von drei Jahren hat Federico Ghizzoni die größte italienische Bank aus ihrer Schieflage befreit - entscheidend unterstützt von deren deutscher Tochter. Dafür ist der Vorstandsvorsitzende der Unicredit Group jetzt als italienisch-deutscher Manager des Jahres ausgezeichnet worden.

Berlin - Welch gute Wahl sie getroffen hatten, das ahnten die Aufsichtsräte der Unicredit bestenfalls, als sie Federico Ghizzoni einstimmig zum neuen Vorstandschef der größten italienischen Bank wählten. Ein Eigengewächs, seit 1980 bei der Unicredit, und als Verantwortlicher für das Osteuropa-Geschäft durchaus krisengestählt. Aber reicht das, um in die Fußstapfen seines charismatischen Vorgängers Alessandro Profumo zu treten?

Die falsche Frage. Ghizzoni wollte nicht nach außen strahlen, sondern nach innen wirken. Das war überfällig bei seinem Amtsantritt im Herbst 2010. So mächtig und stark Unicredit Börsen-Chart zeigen nach den Fusionen und Übernahmen der Profumo-Ägide wirkte - vieles davon war Schein.

Zu viele faule Kredite standen in den Büchern, dazu 40 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen. Der Aktienkurs plumpste von 12 auf 2,50 Euro, Anleger trauten dem allzu umgänglich und bescheiden wirkenden neuen Mann an der Unicredit-Spitze wenig zu.

Was Ghizzoni egal war. "Wir sind Instrument und nicht das Ziel der Spekulation", sagte er und räumte weiter auf. Und das hieß bei der Unicredit vor allem, die Risiken in den Griff zu bekommen. So umgänglich Ghizzoni wirken mag, so kompromisslos setzte er seine Linie durch. Dabei half ihm die deutsche Tochter HypoVereinsbank, die mit ihren Überschüssen die Bilanzen der Mutter päppelte - und trotzdem Personal abbaute. Nicht zuletzt durch diese deutsch-italienische Kooperation gelang es, die Unicredit aus ihrer Schieflage zu befreien.

Unterstützung von der deutschen Tochter HvB

Der neue Chef merkte bereits nach wenigen Monaten: Wir sind auf dem richtigen Weg. Von diesem Weg ist Federico Ghizzoni seitdem nicht abgekommen. Das sorgt für zusätzliches Selbstbewusstsein. Zunehmend souveräner und selbstverständlicher meldet sich Ghizzoni zu Wort.

Als Ex-Premier Silvio Berlusconi im September das Parlament lahmlegen wollte, warnte der 58-Jährige die Politiker: "Ich bin überzeugt, dass Italien sich erholt und wir im vierten Quartal ein Wachstum sehen werden" - wenn die Regierungskrise vermieden werde.

Das ist passiert. Nun muss nur noch die Italiens Wirtschaft mitspielen, dann kann die Unicredit Börsen-Chart zeigen richtig durchstarten.

Davon profitiert auch Deutschland, mit einem Umsatzanteil von 22 Prozent der zweitgrößte Markt der in ganz Europa aktiven Gruppe. Langfristig plant Ghizzoni weitere Investitionen für die deutsche Tochter HypoVereinsbank, die als Marke erhalten bleiben und ihren Geschäftsbereich Mittelstandsfinanzierung ausbauen soll. Das freut auch die Anleger: In den vergangenen anderthalb Jahren hat sich der Aktienkurs der Unicredt mehr als verdoppelt.

Federico Ghizzoni braucht nicht in die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten: Seine eigenen sind groß genug. Mal sehen, wohin sie noch führen.

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