Dienstag, 24. Mai 2016

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Anglo Irish Bank Irische Pleite-Banker verhöhnen Deutschland

Filiale der Anglo Irish Bank in Belfast: Ehemalige Spitzenbanker des Instituts im Zwielicht

Es ist ein Skandal europäischer Dimension: Der "Irish Independent" hat Mitschnitte veröffentlicht, in denen sich Ex-Spitzenbanker der Anglo Irish Bank über die Nothelfer für ihr Pleitehaus amüsieren. Dann beschimpfen sie die "Scheißdeutschen" - und grölen die deutsche Hymne.

Dublin - Hätte die Zeitung "Irish Independent" die Sache nicht publik gemacht, würde sie wahrscheinlich niemand glauben. Selbst Bankern, die seit der Finanzkrise ein noch schlechteres Image als Journalisten haben, hätte das wohl kaum jemand zugetraut: Ein nie für möglich gehaltenes Ausmaß an Hybris, Selbstgefälligkeit und mangelnden Respekts selbst für jene, die ihnen in ihrer selbsverschuldeten Not zu Hilfe eilten - weil in der Finanzkrise keine andere Lösung möglich schien.

Die irische Zeitung "Irish Independent" hat Tonbandausschnitte von Telefongesprächen des ehemaligen Bankchef David Drumm und einem seiner Topmanager, John Bowe, Ende 2008 veröffentlicht. Darin machen sich beide Topbanker lustig über all jene, von denen sie - um den Zusammenbruch ihrer Bank zu verhindern - Einlagen erhielten.

Das betrifft den irischen Staat, der zum Zeitpunkt der aufgenommenen Telefongespräche bereits eine erste Staatsgarantie für Drumms Bank ausgesprochen hatte. Aber auch deutsche Steuerzahler, die nach der irischen Staatsgarantie für die Anglo Irish Bank neue Einlagen bei dem schwindsüchtigen Geldhaus machten.

Genau diese deutschen Anleger beschimpfen die Banker in dem veröffentlichten Tonbandmitschnitt als "Scheißdeutsche". Dann beginnt Bankmanager Bowe das Deutschlandlied zu grölen - und Anglo-Irish-Bankchef Drumm kann sich vor Lachen kaum beruhigen. Bowe versucht sich mit schlechter Aussprache an der ersten Strophe der deutschen Hymne, die politisch belastet hierzulande nicht mehr gesungen wird. (Hören Sie die Mitschnitte hier.)

Das Gespräch der dusseligen Banker war aufgezeichnet worden, nachdem der irische Staat eine Soforthilfe für die Bank in Höhe von sieben Milliarden Euro bewilligt hatte. Eine Summe, die nach fester Überzeugung der Banker überhaupt nichts mit dem wahren Geldbedarf ihres Instituts zu tun hatte. Sie belogen die irischen Politiker und Bankaufseher offenbar einfach, und waren sich darüber in vollem Bewusstsein - das zeigen andere Mitschnitte (hören Sie diese Mitschnitte hier), wieder aufgeladen mit schlechten Scherzen und voller Kraftausdrücke.

Anglo-Banker Bowe: Summe der Staatshilfe "aus dem Arsch gezogen"

Kapitalmarktchef John Bowe wird darin von einem anderen Kollegen gefragt, warum die Bank nur nach sieben Milliarden Euro Hilfe gefragt habe. Bowe antwortete, den Spitznamen "Drummer" des Bankchefs verwendend: "Um es mit den Worten Drummers zu sagen: Ich zog mir die Zahl aus dem Arsch." Bei Angabe des tatsächlichen Finanzbedarfs würden die Bankretter eventuell davor zurückschrecken, für die Bank geradezustehen.

Die internen Telefonmitschnitte, die der "Irish Independent" nun am Montag und Dienstag dieser Woche veröffentlicht hat, zeigen damit eindrucksvoll, wie verantwortliche Manager der Bank die Zentralbank Irlands über das wahre Ausmaß der Misere in die Irre geführt hatten. Anglo Irish benötigte schließlich 30 Milliarden Euro Hilfe, von der bis heute nichts an den irischen Staat zurückgezahlt worden ist. Das hatten die Banker auch gar nicht vor. Die sieben Milliarden Euro, die Anglo Irish aus dem Staatshaushalt erhalten hatte, werde man "zurückzahlen, wenn wir das Geld haben... also nie", sagte Bowe in intern mitgeschnittenen Gesprächen.

Mittlerweile hat Irlands Parlament eine Untersuchung gestartet über den desaströsen "Bailout", das staatliche Zuhilfeeilen zugunsten der Bank. Irlands Premierminister Enda Kenny hat damit Aufklärung angekündigt. Darüber, wie weit sich die ehemaligen Bankmanager konspirativ zusammenschlossen, um das wahre Ausmaß ihres Desasters zu verschleiern. Und nicht nur das.

Kenny sagte, es bleibe allerdings auch eine offene Frage, ob die Banker die Politiker und Bankenaufseher Irlands nur aktiv belogen - oder sich mit ihnen gar zusammentaten, um den Immobilienmarkt des Landes so lange wie nur irgend möglich künstlich auf Trab zu halten. Denn Irlands Staatshaushalt war auch deshalb jahrelang dick in den schwarzen Zahlen, weil die Steuererträge aus diesen Geschäften das Land - scheinbar - an die Spitze der Wirtschaftsentwicklung vieler europäischer Staaten getragen hatte. Dann platzte die Blase, in der die Anglo Irish Bank das Tempo mit voran getrieben hatte. Irland war pleite, das Land brauchte das Geld der Europäer, um zu überleben. Irland war somit das erste Land, das unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfte.

Einer der Gründe: Der ehemalige irische Staatschef Brian Cowen hatte der Bank schließlich eine Art Blankogarantie ausgestellt, die von vielen europäischen Regierungschefs als dumm bezeichnet worden war. Die Hilfsaktion, die allen sechs irischen Retail-Banken zugute kam, kostete den irischen Staat schließlich 64 Milliarden Euro. Die Hilfskredite waren nach undokumentierten Verhandlungen des ehemaligen irischen Staatschefs Cowen mit den Bankmanagern im September 2008 zustande gekommen. Cowen zeigte sich zuletzt "sehr überrascht" über die Inhalt der aufgenommenen Telefongespräche der Bankmanager - und sagte, sein Kabinett habe nichts von deren Existenz gewusst.

Der ehemalige Bankchef David Drumm floh im Jahr 2010 in die USA, erklärte seinen persönlichen Bankrott und weigerte sich so, seine privaten Schulden bei der Anglo-Irish-Bank in Höhe von 8,5 Millionen Euro zurückzuzahlen.

kst

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