Freitag, 16. November 2018

Fall Kirch Staatsanwalt ermittelt auch gegen Deutsche-Bank-Vorstand Leithner

Zentrale der Deutschen Bank: Nun wird nicht nur gegen Jürgen Fitschen, sondern auch gegen Vorstand Stephan Leithner ermittelt

Der Fall Kirch setzt der Deutschen Bank immer stärker zu: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht nur gegen Co-Chef Jürgen Fitschen wegen möglichen Prozessbetruges, sondern auch gegen einen seiner Kronprinzen: Deutsche-Bank-Vorstand Stephan Leithner.

München - Die Staatsanwaltschaft München hatte das Ermittlungsverfahren gegen Leithner Anfang März eingeleitet. Auslöser waren neue Erkenntnisse, die sich aus dem bereits laufenden Verfahren gegen Ackermann, Fitschen und andere Bankmanager ergeben haben. Bisher hatte Leithner nur als Zeuge ausgesagt.

Bereits im Februar hatte manager magazin aus Dokumenten zitiert, die nahelegen, dass der Rechtsvorstand näher dran war an "Projekt Barolo" als es bis dato den Anschein hatte.

Inhalt von "Projekt Barolo" waren die Zerschlagungspläne, die die Investmentbanker der Deutschen Bank ab Herbst 2001 durchgespielt hatten angesichts der Schieflage ihres Kreditkunden Kirch.

Erneute Razzia in Frankfurt

Die Ermittler haben am Dienstag erneut Büros der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigendurchsucht. Seit 2011 laufen Verfahren unter anderem gegen Co-Bank-Chef Jürgen Fitschen und seine Vorgänger Rolf Breuer und Josef Ackermann wegen des Verdachts des versuchten Prozessbetrugs. Mit Vorstand Stephan Leithner rückt nun noch ein aktiver Vorstand in den Fokus der Ermittler.

Für Leithner ist die Entwicklung doppelt bitter: Er wird von seiner Vergangenheit als Chef des deutschen Investmentbankings des Konzerns eingeholt und gefährdet zudem seine Stellung als Kronprinz von Vorstandschef Jürgen Fitschen, gegen den ebenfalls ermittelt wird. Immerhin ist der Tiroler Leithner unter den vielen Angelsachsen im Führungszirkel einer der wenigen deutschsprachigen Topbanker.

Um sich warmzulaufen, hat die Bank ihn seit Monaten systematisch aufgebaut und zu einem der Protagonisten des "Kulturwandels" gemacht, mit dem sie die dunkle Seite ihrer Vergangenheit bewältigen will. Als Rechts- und Personalvorstand soll er die juristischen Streitigkeiten abarbeiten, die die Bank lähmen und Milliarden kosten - obwohl er nicht Jurist ist.

Bereits mehrere Razzien wegen angeblicher Falschaussagen

Im Verlauf der Ermittlungen hatte es bereits einige Durchsuchungen bei der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen gegeben, zuletzt waren am 18. März Räume einer Kanzlei von Anwälten der Bank durchsucht worden. Wann und gegen welche Personen Anklage erhoben wird, ist noch offen.

Der Fall Kirch lässt die Deutschen Bank damit auch nach dem Vergleich mit den Kirch-Erben keine Ruhe. Nach Informationen des "Spiegel" schlug Fitschen das Angebot der Anklagebehörde aus, das Ermittlungsverfahren gegen Zahlung einer Geldbuße einzustellen. Der Ausgang ist offen.

Den Vergleich mit den Kirch-Erben hatte die Deutsche Bank am 20. Februar geschlossen: Gegen Zahlung von rund 925 Millionen Euro einigte sie sich mit den Kirch-Erben auf ein gütliches Ende der Dauerfehde um eine Verantwortung der Bank für die Pleite des Kirch-Medienimperiums 2002. Doch diese Einigung bedeutet noch nicht den Schlussstrich unter den laufenden Ermittlungen.

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