Donnerstag, 16. August 2018

Vergleich Deutsche Bank einigt sich mit Kirch-Erben

Deutsche Bank: Teurer Schlussstrich unter das Kapitel Kirch

Die Deutsche Bank hat sich mit den Erben von Leo Kirch auf einen Vergleich geeinigt. Die Bank zahlt 775 Millionen Euro plus Zinsen, um einen fast zwölfjährigen Rechtsstreit zu beenden. Die Bankchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen kündigen "weitere Fortschritte in diese Richtung" an.

München - Mit dem Vergleich beendet das Geldhaus einen juristischen Streit um eine Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Kirch-Medienkonzerns 2002. Damit werde ein langjähriger Rechtsstreit beigelegt, teilte die Deutsche Bank am Donnerstag in Frankfurt mit. Die Einigung war erwartet worden, da das Landesgericht bereits am Vortag einen für heute angesetzten Verhandlungstermin abgesagt hatte.

Durch den Vergleich entsteht der Bank eine zusätzliche Ergebnisbelastung von 350 Millionen Euro nach Steuern, die sie im Ergebnis für 2013 verbucht. Somit sinkt das Ende Januar gemeldete vorläufige Nettoergebnis von knapp 1,1 Milliarden Euro auf rund 732 Millionen Euro.

"Mit der heutigen Vereinbarung legen wir einen altbekannten und langjährigen Rechtsstreit bei. Nach unserer Einschätzung liegt dies im besten Interesse unserer Stakeholder", sagten die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen. "Wir wollen im Laufe des Jahres 2014 weitere Fortschritte in diese Richtung erzielen."

Kirch trat Prozesslawine gegen die Deutsche Bank los

Der 2011 gestorbene Medienunternehmer Leo Kirch hatte die Bank und ihren damaligen Chef Rolf Breuer zeitlebens für den Zusammenbruch seines weit verzweigten Medienkonzerns (ProSieben, SAT.1, N24) verantwortlich gemacht. Breuer hatte in einem Fernsehinterview Anfang Februar 2002 die Kreditwürdigkeit Kirchs in Zweifel gezogen - wenige Wochen vor der Kirch-Insolvenz.

Kirch trat eine Prozesslawine gegen Breuer und die Bank los, seine Erben setzten die juristische Dauerfehde fort. Kurz vor Weihnachten 2012 errang die Kirch-Seite vor dem Oberlandesgericht (OLG) München einen bedeutenden Sieg: Die Richter verurteilten die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen zu Schadenersatz und warfen etlichen ehemaligen und amtierenden Vorständen zahlreiche Verfehlungen vor.

Die Höhe des Schadenersatzes sollten Gutachter bestimmen. Gefordert hatte die Kirch-Seite in diesem Prozess rund zwei Milliarden Euro

Schon bei einem Vergleichsversuch vor zwei Jahren war es um eine Summe von 800 Millionen Euro gegangen. Damals hatte der Vorstand den ausgehandelten Vorschlag abgelehnt - aus Angst, dass ein so teurer Vergleich den Klagen von Aktionären nicht standhalten könnte. Das Problem sei inzwischen gelöst, sagten Insider.

Fitschens Kollege Jain steht wegen der zahlreichen Affären in seinem ehemaligen Bereich, dem Investmentbanking, ebenfalls unter Beschuss. Bisher haben die Bankenaufseher ihm allerdings keine Mitwisserschaft von Manipulationen nachweisen können.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat sich nach Informationen von manager magazin bereits für den Notfall mit einem möglichen Ersatz für Jain beschäftigt. Aufsichtsratsmitglied John Cryan wurde als möglichen Nachfolger ins Spiel gebracht. Cryan war von 2008 bis 2011 Finanzvorstand beim Rivalen UBS und ist seit zwei Jahren Europa-Chef des singapurischen Staatsfonds Temasek.

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