Mittwoch, 28. September 2016

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Online-Payment Banken planen Großangriff auf Paypal

Bankenviertel in Frankfurt: Die Geldhäuser rüsten zum Schlag gegen Paypal, um ihre Versäumnisse in Sachen Online-Payment wettzumachen

Seit Jahren verlieren die Banken im Zahlungsverkehr an Boden, vor allem im Online-Payment haben sie gegen smarte Techfirmen kaum eine Chance. Trotzdem rüsten Deutschlands Geldhäuser nun zum Schlag gegen Paypal. Kann das gutgehen?

Hamburg - Kein Kommentar, heißt es beim privaten Bankenverband. Kein Kommentar, teilen die Sparkassen mit. Kein Kommentar, antwortet der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken. Bloß nichts ankündigen. Bloß nichts versprechen. Bloß nichts zerreden. Zahlungsverkehr ist vermintes Gelände. Bei diesem Thema hat die Branche hat in den letzten Jahren genügend Erfahrungen gemacht mit Initiativen, die verheißungsvoll klangen - und letztlich mehr oder minder scheiterten.

Diesmal soll alles anders werden. Seit Monaten arbeiten Deutschlands Banken im Verborgenen an einem Großprojekt, mit dem sie ein strategisches Versäumnis aus dem zurückliegenden Jahrzehnt wettmachen wollen: Sträflich hat die Branche den Wachstumsmarkt Online-Payment vernachlässigt.

Dominiert wird das gebührenträchtige Geschäft von Paypal, jenem Technologie-Startup, das nur wenige Jahre brauchte, um vom Nobody zum Marktführer aufzusteigen. Bei 24 Prozent lag der Marktanteil von Paypal 2012 laut einer Umfrage des E-Commerce-Center Köln, eine Verdopplung binnen drei Jahren.

Der Bankenanbieter Giropay kommt in solchen Befragungen nur auf niedrige einstellige Prozentwerte - selbst ein kleiner Wettbewerber wie die umtriebige, in Bayern beheimatete Sofort AG ("Sofortüberweisung") hat mehr. Viele in den Bankenbranche empfinden das als Schmach.

Kampfansage an die Ebay-Tochter

Mit aller Macht, so scheint es, will die Kreditindustrie deshalb nun die Ebay-Tochter Paypal und all die anderen Techfirmen herausfordern. Anders als bei Giropay unterstützen nicht nur einzelne Institute das Projekt - sondern die gesamte Branche.

Die Initiative ging Informationen von manager magazin online zufolge von den im privaten Bankenverband versammelten Großbanken aus. Inzwischen sind aber auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken im Boot. Das technische Knowhow soll die Beraterfirma Bain liefern, die sich in einem Ausschreibungsverfahren gegen Mitbewerber durchsetzte.

Auch der Handel ist über sein EHI Retail Institut indirekt involviert. Über die Kosten des Projekts schweigen sich Teilnehmer aus. In der Payment-Branche heißt es, wenn die Banken die Sache wirklich durchzögen, müssten sie bereit sein, einen dreistelligen Millionenbetrag zu investieren.

In welche Richtung das Projekt geht, plauderte Matthias Hönisch, Zahlungsverkehrsexperte beim genossenschaftlichen BVR, kürzlich erstaunlich ungezwungen bei einer Veranstaltung der Deutschen Kreditwirtschaft aus. Im Mittelpunkt der Planungen steht demnach die EC-Karte. Mit der bezahlen Millionen Deutsche zwar Tag für Tag an der Supermarktkasse. Als Onlinekunde kann man bislang aber wenig mit ihr anfangen. Was die Authentifizierung angehe, führte Hönisch weiter aus, sei eine hardwarebasierte Lösung am wahrscheinlichsten - etwa über ein Kartenlesegerät, wie es viele Bankkunden vom Onlinebanking kennen. Mit dieser Vorfestlegung zog sich Hönisch aber gleich mal den Unmut anderer Beteiligter zu. Wenn man ein Verfahren wähle, das für den Kunden unbequem sei, dann - so fürchten viele Banker - habe die Idee beim Verbraucher von vornherein kaum eine Chance.

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