Sonntag, 31. Juli 2016

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Nötige Geldbeschaffung Commerzbank bereitet Kapitalerhöhung vor

Commerzbank in Frankfurt am Main: Kapitalerhöhung in Vorbereitung

Paukenschlag in der Banken-City Frankfurt: Die Commerzbank plant nach Informationen von manager magazin online eine Kapitalerhöhung. Die Banken, die das Geschäft abwickeln sollen, sind bereits mandatiert. Der Coup könnte der Commerzbank mehrere Hundert Millionen Euro frisches Kapital einbringen.

Frankfurt am Main - Die Commerzbank bereitet eine Kapitalerhöhung vor. Wie manager magazin online aus Finanzkreisen erfuhr, hat das Institut die Konkurrenten Deutsche Bank und UBS mit der Vorbereitung beauftragt. Unklar ist noch, welches Volumen die Aktienplatzierung haben soll. Im Umfeld der Bank gilt eine Erhöhung von maximal 10 Prozent als wahrscheinlich, die aktuell laut Insidern 700 bis 800 Millionen Euro einbringen könnte.

In diesem Fall müsste die Bank den Altaktionären kein Bezugsrecht einräumen. Der Schritt könnte mit Unterstützung institutioneller Investoren praktisch über Nacht erfolgen. "Eine solche Kapitalerhöhung wäre am Markt problemlos und schnell durchsetzbar", sagte eine mit den Plänen vertraute Person. Commerzbank Börsen-Chart zeigen, Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und UBS Börsen-Chart zeigen wollten die Informationen nicht kommentieren.

Die Commerzbank erfüllt zwar nach aktuellem Stand die zu erwartenden Eigenkapitalvorschriften nach Basel III. Analysten kritisieren jedoch, dass die nach den neuen Regeln angestrebte Kernkapitalquote ("Core Tier 1") von 7,5 Prozent deutlich unter dem Branchendurchschnitt von 10 Prozent liege.

Auf der Bank lasten hohe Risiken aus der Schiffs- und Immobilienfinanzierung. In den vergangenen zwei Jahren nahm Bankchef Martin Blessing wiederholt am Markt frische Mittel auf: Bei der größten Kapitalerhöhung der deutschen Unternehmensgeschichte hat die Commerzbank 2011 in zwei Schritten elf Milliarden Euro eingesammelt, um Staatshilfen zurückzuzahlen. Im Jahr darauf stärkte die Bank ihr Eigenkapital mit einer Minikapitalerhöhung und durch den Umtausch von Nachranganleihen in Aktien um rund eine Milliarde Euro.

Die Meldung hat an der Börse schnell die Runde gemacht. Commerzbank-Aktien schlossen an der Börse in Frankfurt am Main nach einer Achterbahnfahrt mit einem Minus von 3,12 Prozent bei 1,39 Euro.

Weitere Kapitalspritze

Auch an einer anderer Stelle scheint sich die Commerzbank eine Kapitalspritze besorgen zu wollen. nach Informationen der "Financial Times" will sich eine Gruppe von US-Finanzinvestoren in Großbritannien ein über fünf Milliarden Pfund (rund 5,7 Milliarden Euro) schweres Immobilienfinanzierungspaket der Commerzbank einverleiben. Sollte der Commerzbank der Verkauf dieses Immobilienportfolios gelingen, wäre die teilverstaatlichte zweitgrößte Bank Deutschlands auf einen Schlag große Teile oder sogar das gesamte Geschäft der Eurohypo in Großbritannien los.

Einen Buchgewinn kann die Commerzbank bei dem Verkauf in Großbritannien allerdings wohl nicht erwarten, schreibt die "Financial Times". Die Finanzinvestoren um Blackstone, Lone Star und Starwood Capital wollten nur den Nominalwert für das Paket bezahlen, schrieb das Blatt.

kst/dpa-afx/rtr

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