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27.02.2013
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Sal. Oppenheim-Prozess
"Man ist ja eine Familie"

Prozessauftakt Sal. Oppenheim: Müssen die Banker in den Bunker?
Fotos
DPA

Zu Beginn des Strafprozesses gegen die ehemaligen Verantwortlichen der Privatbank Sal. Oppenheim hat die Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe erhoben. Die Bankchefs sollen dem Traditionshaus einen dreistelligen Millionenschaden verursacht und selbst davon profitiert haben.

Köln - Angeklagt sind die vier ehemals persönlich haftenden Gesellschafter: Matthias Graf von Krockow, Christopher Freiherr von Oppenheim, Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt. Zudem wird der Immobilienmanager Josef Esch beschuldigt, der eng mit der Führung der Bank zusammengearbeitet hatte.

Alle fünf beteuern - soweit sie sich bisher geäußert haben - ihre Unschuld. Das Strafmaß für Untreue im besonders schweren Fall liegt bei einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

In dem Verfahren (Az 116 KLs2/12), das sich bis ins nächste Jahr hinziehen wird, geht es um drei Immobiliengeschäfte in Köln und Frankfurt. Die Angeklagten profitierten dabei nach Darstellung der Staatsanwaltschaft vom Aus- und Umbau einer Villa und zweier Bürogebäude. Die immer weiter wachsenden Kosten seien der Bank in Rechnung gestellt worden. In die laut Anklage aufwendig renovierte und dann zu billig vermietete Villa in Köln war Christopher von Oppenheims Mutter Jeane Freifrau von Oppenheim eingezogen.

Staatsanwalt: "Kredite ohne Nachfragen genehmigt"

"Ohne Nachfragen wurden die Kredite genehmigt", sagte Oberstaatsanwalt Gunnar Greier. Hinweise von Mitarbeitern oder Sachverständigen, dass bestimmte Regelungen für die Bank doch recht unvorteilhaft seien, hätten die Chefs nicht weiter verfolgt. Oder es habe geheißen, "dass man ja eine Familie sei".

Die damals größte europäische Privatbank gehörte jedoch nicht nur der Familie Oppenheim, sondern auch anderen Gesellschaftern. Einige von ihnen haben nach eigener Darstellung durch den Beinahe-Kollaps der Bank einen Großteil ihres Vermögens verloren. Seit 2010 ist Sal. Oppenheim kein eigenständiges Unternehmen mehr, sondern eine Unterabteilung der Deutschen Bank .

In dem am Mittwoch begonnenen Verfahren, für das allein bis Ende des Jahres 78 Verhandlungstage eingeplant sind, geht es noch nicht um die gigantischen Spekulationen, die die Bank 2009 schließlich an den Rand des Ruins gebracht hatten. Diese sind Thema einer dritten Anklage, die am Dienstag veröffentlicht worden ist, aber voraussichtlich gesondert behandelt wird. In dieser neuen Anklage wird den Beschuldigten vorgeworfen, die Bank mit unzulässig riskanten Krediten um insgesamt 460 Millionen Euro geschädigt zu haben.

Unklar ist bisher, welche Rolle der Immobilienmanager Esch bei all dem gespielt hat. Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz hat Esch und die vier einstigen Privatbankiers in einem gesonderten Verfahren auf 1,9 Milliarden Euro Schadenersatz verklagt. Sie wirft ihnen vor, für den Verlust ihres Milliardenvermögens verantwortlich zu sein. Das Kölner Landgericht hat Schickedanz wenig Hoffnung auf Erfolg gemacht. Dieses Zivilverfahren ist aber unabhängig von dem am Mittwoch begonnenen Strafprozess

Aus dem Kölner Landgericht berichtet am Nachmittag manager-magazin-Reporter Sören Jensen. Er hatte die dubiose Allianz zwischen Esch und dem einstigen Nobelhaus Sal. Oppenheim um die Jahreswende 2009/2010 enthüllt.

Bankenskandal Sal. Oppenheim: Alles zum Wirtschaftsprozess des Jahres

Fotostrecke: Wer heute auf der Anklagebank sitzt

nis/dpa

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Die Vorwürfe der Staatsanwälte

  • Vorwurf 1
    2005 hatte die Bank eine Villa im Kölner Nobelviertel Marienburg gekauft und zu einem Domizil mit fast 1000 Quadratmetern Wohnfläche umbauen lassen. Dort zog Jeane Freifrau von Oppenheim ein, die Mutter des damaligen persönlich haftenden Bankgesellschafters Christopher Freiherr von Oppenheim.

    Laut Staatsanwaltschaft habe die Bankführung viel zu viel für Erwerb und Umbau aufgewandt. Die an die Bank gezahlte Miete von jährlich 350.000 Euro habe demgegenüber deutlich unter Marktniveau gelegen - angemessen wäre fast das Doppelte gewesen. Zudem habe Christopher von Oppenheim eine zugesagte Teilübernahme der Baukosten in Höhe von drei Millionen Euro nicht geleistet. Der Gesamtschaden für die Bank betrage 8,6 Millionen Euro.
  • Vorwurf 2
    Außerdem geht es um ein noch heute von der Bank genutztes Verwaltungsgebäude in Köln. Das Institut mietete es 2007 von einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, hinter der neben anderen die Bankleiter Matthias Graf von Krockow und Christopher von Oppenheim, Aufsichtsratschef Georg Baron von Ullmann und deren Immobilienpartner Josef Esch standen.

    Nach Umbauten wurde die Miete fast verdoppelt und lag weit über dem Marktüblichen, glaubt die Staatsanwaltschaft.

    Der Schaden betrage angesichts eines 30 Jahre laufenden und unkündbaren Mietvertrags etwa 59 Millionen Euro. Esch soll zudem soll als Geschäftsführer des mit dem Umbau beauftragten Unternehmens ohne Gegenleistung circa 5 Millionen Euro an eine andere Firma gezahlt haben.
  • Vorwurf 3
    Ein ähnliches Vermietungskonstrukt war offenbar für ein Bürogebäude in Frankfurt vorgesehen. Eine Grundstücksgesellschaft, an der wiederum Krockow, Christopher von Oppenheim, Ullmann und Esch beteiligt waren, hatte das Gebäude 2007 erworben. Nach Umbau und Sanierung wollten es die Eigentümer an die Investmentsparte der Bank vermieten.

    Mit der beginnenden Finanzkrise zeichnete sich ab, dass Sal. Oppenheim das Objekt nicht - und schon gar nicht allein - würde nutzen können. Pech für die Bauherren, ein Plan B musste her. Im Herbst 2008 bot die Grundstücksgesellschaft 94,9 Prozent ihrer Anteile der Bank zum Kauf an. Gegen das Votum des Oppenheim-Bereichs Beteiligungen beschloss die Bankführung den Ankauf für 123,4 Millionen Euro. Viel zu teuer, befand die Staatsanwaltschaft, die Bank sei um rund 76 Millionen Euro geschädigt worden.

    Die Angeklagten wiesen die Vorwürfe gegenüber manager magazin zurück beziehungsweise äußerten sich nicht dazu.

Justitia - Sabine Grobecker leitet den Oppenheim-Prozess

  • Lebenslang
    Die 50-jährige Sabine Grobecker ist seit 1997 Richterin auf Lebenszeit. Sie gilt als selbstbewusst und hoch qualifiziert. Am Landgericht Köln hat sie sowohl eine Zivil- als auch eine kleine Strafkammer geleitet. Grobecker interessiert sich für Kunst und ist häufig auf Ausstellungseröffnungen anzutreffen.
  • Bewährung
    Dass sie mit dem Vorsitz der 16. Großen Strafkammer und dem Oppenheim-Prozess betraut wurde, ist ebenso Auszeichnung wie Bewährungsprobe für höhere Weihen. Sie werde sich im Verfahren von vornherein Respekt verschaffen und entschieden gegen Störmanöver der Verteidiger vorgehen, glauben Kölner Juristen.







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