Montag, 27. April 2015

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Sal. Oppenheim-Prozess "Man ist ja eine Familie"

Prozessauftakt Sal. Oppenheim: Müssen die Banker in den Bunker?
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DPA

Zu Beginn des Strafprozesses gegen die ehemaligen Verantwortlichen der Privatbank Sal. Oppenheim hat die Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe erhoben. Die Bankchefs sollen dem Traditionshaus einen dreistelligen Millionenschaden verursacht und selbst davon profitiert haben.

Köln - Angeklagt sind die vier ehemals persönlich haftenden Gesellschafter: Matthias Graf von Krockow, Christopher Freiherr von Oppenheim, Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt. Zudem wird der Immobilienmanager Josef Esch beschuldigt, der eng mit der Führung der Bank zusammengearbeitet hatte.

Alle fünf beteuern - soweit sie sich bisher geäußert haben - ihre Unschuld. Das Strafmaß für Untreue im besonders schweren Fall liegt bei einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

In dem Verfahren (Az 116 KLs2/12), das sich bis ins nächste Jahr hinziehen wird, geht es um drei Immobiliengeschäfte in Köln und Frankfurt. Die Angeklagten profitierten dabei nach Darstellung der Staatsanwaltschaft vom Aus- und Umbau einer Villa und zweier Bürogebäude. Die immer weiter wachsenden Kosten seien der Bank in Rechnung gestellt worden. In die laut Anklage aufwendig renovierte und dann zu billig vermietete Villa in Köln war Christopher von Oppenheims Mutter Jeane Freifrau von Oppenheim eingezogen.

Staatsanwalt: "Kredite ohne Nachfragen genehmigt"

"Ohne Nachfragen wurden die Kredite genehmigt", sagte Oberstaatsanwalt Gunnar Greier. Hinweise von Mitarbeitern oder Sachverständigen, dass bestimmte Regelungen für die Bank doch recht unvorteilhaft seien, hätten die Chefs nicht weiter verfolgt. Oder es habe geheißen, "dass man ja eine Familie sei".

Die damals größte europäische Privatbank gehörte jedoch nicht nur der Familie Oppenheim, sondern auch anderen Gesellschaftern. Einige von ihnen haben nach eigener Darstellung durch den Beinahe-Kollaps der Bank einen Großteil ihres Vermögens verloren. Seit 2010 ist Sal. Oppenheim kein eigenständiges Unternehmen mehr, sondern eine Unterabteilung der Deutschen Bank .

In dem am Mittwoch begonnenen Verfahren, für das allein bis Ende des Jahres 78 Verhandlungstage eingeplant sind, geht es noch nicht um die gigantischen Spekulationen, die die Bank 2009 schließlich an den Rand des Ruins gebracht hatten. Diese sind Thema einer dritten Anklage, die am Dienstag veröffentlicht worden ist, aber voraussichtlich gesondert behandelt wird. In dieser neuen Anklage wird den Beschuldigten vorgeworfen, die Bank mit unzulässig riskanten Krediten um insgesamt 460 Millionen Euro geschädigt zu haben.

Unklar ist bisher, welche Rolle der Immobilienmanager Esch bei all dem gespielt hat. Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz hat Esch und die vier einstigen Privatbankiers in einem gesonderten Verfahren auf 1,9 Milliarden Euro Schadenersatz verklagt. Sie wirft ihnen vor, für den Verlust ihres Milliardenvermögens verantwortlich zu sein. Das Kölner Landgericht hat Schickedanz wenig Hoffnung auf Erfolg gemacht. Dieses Zivilverfahren ist aber unabhängig von dem am Mittwoch begonnenen Strafprozess

Aus dem Kölner Landgericht berichtet am Nachmittag manager-magazin-Reporter Sören Jensen. Er hatte die dubiose Allianz zwischen Esch und dem einstigen Nobelhaus Sal. Oppenheim um die Jahreswende 2009/2010 enthüllt.

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nis/dpa

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