Samstag, 18. April 2015

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Libor-Skandal Deutsche Bank prüft Klage gegen Ex-Händler

Zentrale der Deutschen Bank: "Wir prüfen alle Optionen, auch rechtliche Schritte"

Boni in Höhe von 80 Millionen Euro hat ein Händler der Deutschen Bank mit Zinsmanipulationen angehäuft - in einem Jahr. Jetzt will sich das Institut laut einem Bericht das Geld vom dem mittlerweile gefeuerten Mitarbeiter zurückholen.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank will sich im Skandal um Zinsmanipulationen möglicherweise per Klage Millionen-Boni von Händlern zurückholen. "Im Zuge unserer internen Untersuchung prüfen wir alle Optionen, um Maßnahmen gegen Personen zu ergreifen, wenn deren Fehlverhalten erwiesen ist. Dazu können auch rechtliche Schritte gehören", sagte ein Sprecher des Konzerns.

Im "Handelsblatt" verweisen Insider auf mögliche Hürden: Die Verträge der betroffenen Händler seien "absolut marktüblich" gewesen. Die Bank habe das an Boni eingefroren, was sie mit arbeitsrechtlichen Mitteln einbehalten konnte.

Die Spitze des Eisbergs ist nach Informationen mehrerer Medien der Fall eines inzwischen gefeuerten Zinsspekulanten: 80 Millionen Euro Bonusansprüche häufte der Investmentbanker demnach für das Jahr 2008 an. Mittlerweile wird gegen den Mann wegen der Manipulation des Referenzzinses Libor ermittelt. Die Bank behielt daraufhin Medienberichten zufolge 40 Millionen Euro der Rekordsumme ein.

Bafin-Bericht in den kommeden Wochen erwartet

Die "London Interbank Offered Rate" (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken Geld leihen. Der Zins dient als Maßstab für Geldgeschäfte in Billionenhöhe. Großbanken sollen den Libor über Jahre manipuliert haben, um höhere Gewinne einzustreichen. Bei der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen läuft in der Affäre eine interne Prüfung und eine Prüfung der Finanzaufsicht Bafin. Unter anderem musste auch Co-Vorstandschef Anshu Jain aussagen. Er war während der Finanzkrise Investmentbanking-Chef. Der Bericht der Bafin wird in den nächsten Wochen erwartet.

Die Deutsche Bank hat für den Skandal und für andere Rechtsstreitigkeiten bereits Rückstellungen gebildet. Diese Rückstellungen waren einer der Hauptgründe für den Milliardenverlust im Schlussquartal 2012. Bisher hat die Bank im Zusammenhang mit den Tricksereien sieben Mitarbeiter entlassen oder suspendiert.

Zahlreiche Großbanken haben wegen des Skandals auch schon Händler vor die Tür gesetzt. Bei der britischen Großbank Barclays Börsen-Chart zeigen sind nach Behördenangaben mehr als 20 Mitarbeiter involviert, bei der Schweizer UBS Börsen-Chart zeigen mehr als ein Dutzend.

mahi/dpa/rtr

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