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06.02.2013
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Libor-Skandal
Deutsche Bank suspendiert fünf Händler

Zentrale der Deutschen Bank: Auch Händler in Frankfurt im Visier
DPA

Zentrale der Deutschen Bank: Auch Händler in Frankfurt im Visier

Der Bankenskandal um Zinsmanipulationen zieht weitere Kreise. Die Deutsche Bank beurlaubte wegen der Affäre Finanzkreisen zufolge erstmals auch Händler in Frankfurt. Insgesamt sind sieben Händler im Visier. In E-Mails machten sich am Betrug beteiligte Händler der UBS zudem über laxe Kontrollen lustig.

Frankfurt - Insgesamt seien fünf Mitarbeiter aus dem Geldmarktteam suspendiert worden, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. "Grund war ein mögliches Fehlverhalten dieser Händler." Sie waren unter anderem an der Festsetzung des in Europa wichtigen Referenzsatzes Euribor beteiligt.

Damit hat das größte deutsche Geldhaus im Skandal um die Manipulation von Zinsen nun insgesamt sieben Händler im Verdacht. Zwei waren zuvor bereits entlassen worden im Zusammenhang mit Manipulationen des internationalen Satzes Libor.

Die Royal Bank of Scotland (RBS) muss unterdessen wegen der Affäre 615 Millionen Dollar zahlen, wie das Institut bekannt gab. Bei dem Geldhaus sind mehr als 20 Händler im Visier der Ermittler.

UBS-Händler machten sich in E-Mails lustig

Weltweit wird in dem Skandal gegen mehr als ein Dutzend Banken ermittelt. Mehrere Ringe von Händlern sollen in der Finanzkrise Referenzzinsen zu ihren Gunsten manipuliert haben, um Handelsgewinne einzustreichen. In E-Mails, die am Mittwoch ebenfalls veröffentlicht wurden, machten sich beteiligte Händler lustig, wie leicht es sei, mit Manipulationen von Sätzen wie dem Euribor oder Libor reich zu werden.

"Es ist einfach verblüffend, wie die Libor-Festsetzung einem soviel Geld einbringen kann. Es ist jetzt ein Kartell hier in London", schrieb einer der RBS-Händler in den Mails. Bei der Deutschen Bank Chart zeigen war die Beurlaubung der Mitarbeiter, die keine führenden Positionen hatten, Ergebnis der noch laufenden internen Untersuchung.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin sei informiert worden, sagte ein weiterer Insider. Die Aufseher hatten vergangenes Jahr wegen des Skandals Sonderprüfer in die Zwillingstürme der Deutschen Bank geschickt. Unter anderem musste auch Co-Vorstandschef Anshu Jain aussagen. Er war während der Finanzkrise Investmentbanking-Chef. Der Bericht der BaFin wird in den nächsten Wochen erwartet. Die Deutsche Bank hat für den Skandal bereits Rückstellungen gebildet.

Zahlreiche Banker im Visier der Ermittler

Ein Sprecher der Deutschen Bank nannte keine Namen der betroffenen Händler. Er bekräftigte lediglich, dass das Institut schon früher Mitarbeiter suspendiert oder entlassen habe, sobald ein Fehlverhalten bekannt geworden sei. Zudem seien noch ausstehende Boni gestrichen worden. Das werde auch künftig passieren bis die interne Untersuchung abgeschlossen sei.

Der Sprecher verwies zudem auf die Erklärung des Aufsichtsrats von vergangenem Sommer, in der dieser festgestellt hatte, dass kein Vorstandsmitglied Kenntnisse von Manipulationen gehabt habe. Die Bank hat sich einen Kulturwandel auf die Fahnen geschrieben, um verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen. Der Skandal macht diese Aufgabe nicht einfacher: In der deutschen Industrie fordern einige eine schnelle und lückenlose Aufklärung.

Zahlreiche Mitarbeiter bei Barclays und UBS involviert

Zahlreiche Großbanken haben wegen des Skandals auch schon Händler vor die Tür gesetzt. Bei der britischen Großbank Barclays Chart zeigen sind nach Behördenangaben mehr als 20 Mitarbeiter involviert, bei der Schweizer UBS Chart zeigen mehr als ein Dutzend.

Die Referenzzinsen werden einmal am Tag ermittelt und beruhen auf freiwilligen Angaben der Geldhäuser zu ihren Refinanzierungskosten. Sätze wie Euribor oder Libor sind die Basis für Finanztransaktionen rund um den Globus im Volumen von mehreren Hundert Billionen Dollar. Die teilverstaatlichte RBS ist das dritte Institut, das die Vorwürfe gegen hohe Geldbußen beilegt.

Barclays musste bereits knapp eine halbe Milliarde Dollar zahlen, die UBS sogar mehr als 1,5 Milliarden Dollar. Bei der Deutschen Bank sind Vergleichsverhandlungen im Moment noch kein Thema. "Das ist ein trauriger Tag für RBS, aber auch ein wichtiger, um die Fehler der Vergangenheit richtigzustellen", sagte RBS-Chairman Philip Hampton. Es habe gewichtige Defizite im System und der Kontrolle gegeben. Die RBS werde 300 Millionen Pfund für die Zahlung der Strafen verwenden, die eigentlich als Boni für die Handelssparte vorgesehen gewesen seien.

"Was bei der RBS und anderen Banken geschehen ist, ist inakzeptabel", sagte der britische Finanzminister George Osborne. "Ich habe darauf bestanden, dass die Banker und nicht die Steuerzahler die Rechnung zahlen werden. Die Leute, die Falsches getan haben, werden die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen." Der Chef der Handelssparte, John Hourican, übernahm die politische Verantwortung für Fehler des Managements. Er werde die RBS Ende April verlassen, erklärte das Institut. Hourican schrieb in einem internen Memo, die Affäre habe "Schande über die Bank gebracht".

la/reuters

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