Freitag, 16. November 2018

Teure Risikovorsorge Santanders Gewinn halbiert sich

Filiale in Barcelona: Auch der geringe Anteil des spanischen Heimatmarkts hilft nicht mehr viel

Die Zeit als Branchenprimus ist vorbei: Die spanische Großbank Santander musste im vergangenen Jahr mehr als zwölf Milliarden Euro für faule Kredite zurücklegen. Neben dem Heimatmarkt bereiten nun auch die wichtigen Filialen in Brasilien und Großbritannien Probleme.

Madrid - Der Überschuss brach 2012 vor allem wegen massiver Rücklagen für Immobilien und faule Kredite um mehr als die Hälfte auf 2,2 Milliarden Euro ein, wie das Institut am Donnerstag in Madrid mitteilte. Trotz einer leichten Verbesserung gegenüber den Vorquartalen konnte Santander auch zum Jahresende die Markterwartungen nicht erfüllen: Im vierten Quartal verdiente die Bank 401 Millionen Euro und damit nur rund die Hälfte dessen, was Analysten erwartet hatten. Die Aktie sackte nach Veröffentlichung der Zahlen um rund 3 Prozent ab.

In den Vorjahren hatte Santander Börsen-Chart zeigen stets zu den profitabelsten Großbanken Europas gezählt. Im Vergleich zur Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, die im abgelaufenen Jahr nur noch 665 Millionen Euro verdiente, stehen die Spanier aber immer noch gut da. Die meisten anderen Institute haben noch keine abschließenden Zahlen veröffentlicht.

Für mögliche Ausfälle bei Krediten legte Santander im Gesamtjahr 2012 konzernweit 12,7 Milliarden Euro zurück, das waren fast 30 Prozent mehr als für das Jahr 2011. Zusätzlich musste Santander noch 6,1 Milliarden Euro auf ihren Bestand an Immobilienkrediten abschreiben, um die gesetzlichen Vorgaben der Regierung zu erfüllen. Die Banken in Spanien leiden neben der Rezession vor allem unter der Krise am Immobilienmarkt im eigenen Land.

Bankpräsident Emilio Botin sagte, der Großteil der notwendigen Belastungen aus dem Immobilienbereich sei aber mittlerweile verbucht. Für 2013 kündigte er ein "starkes Ergebniswachstum" an. Das Immobilienengagement in Spanien sei auf 12,5 Milliarden Euro halbiert worden.

EZB-Milliarden zum Großteil zurückgezahlt

In den Vorjahren konnte Santander die Verluste auf dem Heimatmarkt durch das starke Geschäfte im Ausland einigermaßen wettmachen. Der rezessionsgeplagte Heimatmarkt steht nur noch für 15 Prozent des Gewinns, Lateinamerika für die Hälfte. Doch auch in den wichtigen Märkten in Großbritannien und Brasilien gingen die Gewinne im abgelaufenen Jahr prozentual zweistellig zurück. Den Aktionären will das Institut für 2012 trotz des Gewinneinbruchs eine unveränderte Dividende von 60 Cent je Aktie zahlen.

Santander hatte neben der zweiten spanischen Großbank BBVA Börsen-Chart zeigen und der katalanischen Großsparkasse La Caixa in allen spanischen Stresstests gut abgeschnitten, gehört also nicht zu den Instituten, die als Kandidaten für Kapitalhilfe des Europäischen Stabilitätsmechanismus gelten oder bereits vom Staat übernommen wurden.

Die Kapitalsituation der Bank besserte sich trotz der Probleme im Heimatmarkt. Die spanische Bank konnte daher einen Teil der Notfallkredite der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückgeben. Die im Rahmen des ersten langfristigen Refinanzierungsgeschäfts (LTRO) der EZB ins Haus geholten 24 Milliarden Euro seien zurückgezahlt worden. Die 11 Milliarden Euro aus dem zweiten Geschäft dieser Art will das Institut zunächst als "Liquiditätsversicherung" behalten. Die EZB hatte den Banken in der Krise Kredite zu besonders günstigen Konditionen bereitgestellt.

ak/dpa-afx/rtr

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