Dienstag, 20. November 2018

Geldhäuser Deutschlands größte Bankenkrisen

3. Teil: 1974: Herstatt - größte Bankenpleite der deutschen Nachkriegsgeschichte

Der Ex-Bankier Iwan D. Herstatt (Archivbild von 1987) - auf dem Weg zum Verhandlungssaal im Kölner Landgericht. Sein Name steht für die größte Bankenpleite der deutschen Nachkriegsgeschichte.

1974: Herstatt

Deutschlands Fußballnationalelf bestritt Ende Juni 1974 gerade ihr WM-Spiel gegen Jugoslawien, als Iwan Herstatt erfuhr, dass es für seine Bank keine Rettung mehr geben würde. Nur zwei Jahrzehnte hatte der Spross einer Bankiersfamilie gebraucht, um aus einer kleinen Kölner Privatbank einen Riesen zu formen: Aus fünf Millionen D-Mark Bilanzsumme 1955 machte Herstatt bis 1973 zwei Milliarden. Sein Institut war eines der ersten, das die Chancen im globalen Devisenhandel erkannte, seit 1971 die Wechselkurse der europäischen Währungen zum US-Dollar frei schwanken durften.

Aber bald liefen die Geschäfte auf der "Raumstation Orion", wie der Devisenhandelsraum bei Herstatt intern genannt wurde, aus dem Ruder. Auch weil Herstatts Handelschef Dany Dattel lange seine Verluste durch Tricksereien vertuschte, war Herstatt so gut wie am Ende, als alles aufflog. Am 10. Juni 1974 war dem Bankier klar: Seinem Institut droht ein Verlust von fast einer halben Milliarde D-Mark. Hektische Verhandlungen mit Deutscher Bank, Dresdner Bank und Commerzbank schlugen fehl, weil die Institute für ein Engagement Sicherheiten von Herstatts prominentem Finanzier Hans Gerling verlangen.

Dem Kölner Versicherungsmogul gehörten 80 Prozent des Bankhauses. Gerling weigerte sich schließlich, und Herstatt war am Ende. 1987 wurde Herstatt wegen Untreue zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Zocker Dattel kam aus gesundheitlichen Gründen ungeschoren davon. Ein Gutes hatte die Herstatt-Pleite: Als Lehre wurde der Einlagensicherungsfonds im deutschen Bankwesen erheblich erweitert.

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