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04.01.2013
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Bank Wegelin
Der lange Abschied der ältesten Schweizer Bank

Bank Wegelin: "Weil ein solches Verhalten in der Schweizer Bankbranche üblich war"
DPA

Bank Wegelin: "Weil ein solches Verhalten in der Schweizer Bankbranche üblich war"

Nach einem Schuldeingeständnis vor einem New Yorker Gericht schließt die mehr als 270 Jahre alte Bank Wegelin ihre Tore. Die Verwicklung in einen milliardenschweren Steuerskandal ist der Schweizer Bank zum Verhängnis geworden. Es ist ein Weckruf für die Branche, weitere Vergleiche dürften folgen.

Zürich/New York - Die St. Galler Privatbank Wegelin hatte reichen Amerikanern geholfen, mindestens 1,2 Milliarden Dollar am Fiskus vorbeizuschleusen. Teilhaber Otto Bruderer gab vor Richter Jed Rakoff zu, dass die Bank US-Bürger von 2002 bis 2010 dabei unterstützte, ihr Geld vor der Steuerbehörde zu verstecken.

"Wegelin war bewusst, dass dieses Verhalten falsch war", sagte Bruderer am Donnerstagabend in einer Anhörung vor dem Bezirksgericht Manhattan. Die Bank ging nach seinen Worten jedoch davon aus, dass sie dafür in den Vereinigten Staaten nicht belangt werden kann - weil sie dort keine Niederlassung gehabt und sich an Schweizer Recht gehalten habe. "Und weil ein solches Verhalten in der Schweizer Bankbranche üblich war."

Wegelin einigte sich mit den US-Behörden auf die Zahlung von knapp 58 Millionen Dollar. Der Betrag beinhaltet eine Strafe, Wiedergutmachung für mutmaßlich entgangene Steuereinahmen sowie mit US-Kunden erzielte Gewinne. Außerdem verpflichtete sich die Bank, amerikanische Kunden- und Bankdaten aufzubewahren und diese herauszugeben, sollten die Schweizer Behörden das anordnen.

Bereits im April hatte das Gericht zudem gut 16 Millionen Dollar eingezogen, die auf einem Konto der Wegelin-Korrespondenzbank UBS Chart zeigen im US-Bundesstaat Connecticut lagen.

Weckruf für die Branche

Die amerikanischen Behörden hatten Wegelin im Januar 2012 verklagt und damit den zwischen den USA und der Schweiz schwelenden Steuerstreit eskaliert. Kurz zuvor hatte das Traditionshaus in einem Notverkauf den größten Teil seines Geschäfts an die Raiffeisen Bank veräußert, die es unter dem Namen Notenstein weiterführt.

Zurück blieb lediglich das Geschäft mit US-Kunden. Das soll nun liquidiert werden, sobald das formelle Urteil von Richter Rakoff vorliegt - was im März der Fall sein dürfte. Dann endet die Geschichte der 1741 gegründeten Bank.

Wegelins Schuldeingeständnis ist nach Ansicht des US-Steueranwalts William Sharp ein Weckruf für die Branche, bei ihren amerikanischen Kunden auf die Einhaltung von US-Recht zu achten. Neben Wegelin sind weitere rund zehn Schweizer Banken im Visier der Amerikaner, darunter die Credit Suisse Chart zeigen und Julius Bär sowie die Kantonalbanken von Zürich und Basel.

UBS zahlte 780 Millionen Dollar - und gab Kundendaten heraus

Der Feldzug gegen Schweizer Banken begann 2007 mit einer Untersuchung gegen die UBS. Dieses Verfahren endete damit, dass die UBS Chart zeigen 780 Millionen Dollar Strafe zahlte und mit dem Segen der Schweizer Behörden die Namen von 4450 US-Kunden herausgab. Andere Schweizer Banken, darunter auch Wegelin, übernahmen dann von UBS amerikanische Kunden.

Mit Wegelin verklagten die USA aber erstmals überhaupt eine Bank aus Übersee wegen Steuerhinterziehung. Die meisten Beobachter sind sich einig, dass die Bank viel Angriffsfläche bot: Mit rund 20 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen war das Institut im internationalen Maßstab vergleichsweise klein und nicht systemrelevant. Zudem warf Wegelin-Chef Konrad Hummler den USA eine "atemberaubende Doppelmoral" vor. Das Land mache Jagd auf ausländische Steuerschlupflöcher, während in Florida, Delaware und anderen Bundesstaaten Steueroasen unterhalten würden. Zudem rechtfertigte er Steuerhinterziehung öffentlich mit Sätzen wie: "Kapitalflucht geschieht in Notwehr."

In acht Jahren erzielte Wegelin mit US-Kunden lediglich 15,8 Millionen Dollar Gewinn. Dafür zerstörte Hummler, der die einstige Mini-Bank in zwei Jahrzehnten zu einem Geldhaus mit 700 Mitarbeitern machte, sein Lebenswerk.

Experten gehen davon aus, dass auch die meisten anderen betroffenen Banken zur Kasse gebeten werden. Das wichtigste für die Institute sei aber, dass sie den Streit mit den US-Behörden so schnell wie möglich aus der Welt schaffen könnten, sagten Banker und Anwälte.

Weitere Vergleiche zwischen Schweizer Banken und USA dürften folgen

In der Schweizer Bankenbranche machte sich am Freitag Erleichterung breit: Die Einigung im Fall Wegelin sei schneller zu Stande gekommen und die Zahlung geringer ausgefallen als erwartet, hieß es in Banken- und Anwaltskreisen. "Ich stufe diesen Schritt sehr positiv ein, weil er zeigt, dass der gordische Knoten gelöst werden kann", erklärte KPMG-Bankenexperte Daniel Senn. Unsicherheit sei das Schlimmste für Banken.

Möglicherweise könnten sich andere Banken nun am Vorgehen Wegelins orientieren. Ein Schweizer Banker rechnet damit, dass weitere Institute einen Vergleich suchen dürften. Dies setze ein Schuldeingeständnis voraus. "Ich gehe davon aus, dass Wegelin ein halbherziges Schuldeingeständnis gemacht hat, um das Problem zu lösen. Das ist hässlich. Aber sie mussten diese Kröte schlucken."

la/reuters

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