Samstag, 5. September 2015

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Kirch-Prozess Erneut Razzia bei der Deutschen Bank

Deutsche Bank: Nach den Fahndern aus Frankfurt fuhren die Ermittler aus München vor der Konzernzentrale vor

Erst kamen die Fahnder aus Frankfurt, dann folgten Ermittler aus München: Eine Woche nach der Frankfurter Staatsanwaltschaft haben nun Münchener Strafverfolger die Zentrale des größten deutschen Geldhauses durchsucht. Anlass ist diesmal der Kirch-Prozess. Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe.

Frankfurt am Main - Bei der Razzia der Münchener Staatsanwaltschaft geht es um den bereits seit mehr als einem Jahr bekannten Vorwurf des Prozessbetrugs gegen ehemalige Vorstände - im Rahmen des Rechtsstreits mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch.

Die Beamten hätten Materialien beschlagnahmt, aber keine Personen festgenommen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen bestätigte die Durchsuchungsaktion. Sie wies den Vorwurf, der sich unter anderem gegen die Ex-Chefs Rolf Breuer und Josef Ackermann richtet, erneut zurück.

Beobachtern zufolge war die Durchsuchung am Mittwoch deutlich kleiner als vor einer Woche, als rund 500 schwer bewaffnete Polizisten Gebäude der Bank filzten. Da ging es um den Vorwurf des Steuerbetrugs im Zusammenhang mit dem Handel von CO2-Verschmutzungsrechten. Dabei wurden fünf Mitarbeiter festgenommen, wovon drei noch in Haft sind. Zudem wird in dem Zusammenhang gegen Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen und Finanzchef Stefan Krause wegen Steuerhinterziehung ermittelt.

Schwarzer Dezember für Deutschlands größtes Geldhaus

Dieses Mal ging es um den seit zehn Jahren laufenden Prozess der Kirch-Familie gegen die Deutsche Bank. Die Staatsanwaltschaft wirft vier ehemaligen Vorständen der Bank vor, in dem Prozess die Unwahrheit gesagt zu haben. In den vergangenen Tagen seien neue Erkenntnisse aufgetaucht, die zu der Durchsuchung geführt hätten, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Offenbar hat die Razzia vor einer Woche zu den neuen Erkenntnissen geführt.

Für die Deutsche Bank setzen sich damit die schwarzen Tage im Advent fort: Das Oberlandesgericht München hatte die Bank Ende vergangener Woche im Kirch-Verfahren grundsätzlich zu Schadenersatz verurteilt. Die Höhe soll in einem Gutachten ermittelt werden. Die Kirch-Erben werfen dem Institut vor, für den Zusammenbruch des Medienimperiums vor zehn Jahren verantwortlich zu sein. Ex-Chef Breuer hatte damals in einem Interview Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs geäußert. Seither überzieht die Familie die Bank mit Klagen

Daneben muss sich das Institut weltweit mit weiteren Rechtsstreitigkeiten auseinandersetzen, unter anderem wegen Falschberatung bei Hypothekengeschäften in den USA. Experten erwarten angesichts der vielen Klagen in den kommenden Jahren Sonderlasten in Milliardenhöhe.

Deutsche Bank wegen Zinswetten in Italien verurteilt

Vorläufig entschieden wurde am Mittwoch der Prozess wegen riskanter Zinswetten gegen Kommunen in Italien: Hier sprach ein Gericht in Mailand die Bank zusammen mit der Schweizer UBS, der deutsch-irischen Depfa und JP Morgan aus den USA des schweren Betrugs für schuldig. Es geht um komplexe Zinsgeschäfte der Bank mit der Stadt Mailand.

Teurer kann für das Institut der Streit um Manipulationen des weltweiten Referenzzinssatzes Libor werden. Die Bank ist eines von mehr als einem Dutzend Geldhäuser, gegen das ermittelt wird. Die Schweizer UBS musste in dieser Woche deswegen mehr als 1,1 Milliarden Euro zahlen. Experten rechnen auch bei anderen Instituten mit satten Strafen.

Die Regulierer griffen härter durch als vor der Finanzkrise, urteilt die Ratingagentur Moody's in einer Kurzstudie. Die Deutsche Bank unter der neuen Führung von Anshu Jain und Jürgen Fitschen hat sich einen Kulturwandel verordnet - weg von Bonus- hin zu Kundenorientierung. Experten sind sich sicher: Dies glaubwürdig zu vertreten, wird bei den Negativschlagzeilen nicht leichter.

cr/reuters

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