Mittwoch, 4. März 2015

Schickedanz-Prozess Nachsitzen, bitte

Verhaltene Freude: Die Vertreter von Beklagten im Schickedanz-Oppenheim-Prozess im Landgericht Köln

Fast zwei Milliarden Euro fordert Madeleine Schickedanz von ihrer Ex-Bank Sal. Oppenheim und ihrem Ex-Vermögensverwalter Josef Esch. Nach dem ersten Prozesstag ist klar: Die Quelle-Erbin hat einen schweren Stand - was die Deutsche Bank erfreuen dürfte.

Köln - Madeleine Schickedanz (69) hat in den vergangenen drei Jahren wohl einige schlechte Tage erleben müssen. Große Teile des Milliardenvermögens, das sie von ihrem Vater Gustav Schickedanz geerbt hatte, dem Gründer des Versandkonzerns Quelle, sind verloren, seit 2009 der Handelskonzern Arcandor pleite ging.

Das setzte ihr so zu, dass sie wegen Herzproblemen auf der Intensivstation behandelt werden musste, wie ihr Ehemann Leo Herl vor drei Jahren klagte. Die Milliardenerbin behauptete gar, sie müsse nun bei Aldi einkaufen. Mag sein.

Sicherer ist: Heute kam für Schickedanz vor dem Landgericht Köln ein weiterer schlechter Tag hinzu.

Schickedanz hofft, sich das verlorene Vermögen per Klage zurückzuholen. Sie fordert von ihrer Ex-Bank Sal. Oppenheim, deren ehemaligen Chefs und ihrem Ex-Vermögensverwalter Josef Esch insgesamt 1,9 Milliarden Euro. Ihre Rechnung sieht so aus: 1,3 Milliarden Euro will sie durch die Entwertung ihrer Arcandor-Aktien verloren haben. Und Darlehen von Sal. Oppenheim in Höhe von beinahe 600 Millionen Euro, die sie größtenteils zum Kauf von Arcandor-Aktien eingesetzt hatte und bis heute schuldig blieb, möchte sie erlassen bekommen.

Richter hegt einige Zweifel

Ihre Begründung: Die Bankiers und Esch hätte sie zu immer neuen Investments in den taumelnden Handelskonzern gedrängt, weil sie es auf dessen stille Reserven - die Immobilien - abgesehen gehabt hätten. Über die wahren Risiken sei sie nie aufgeklärt worden, behauptet Schickedanz. Sie sei ein Opfer der Oppenheim-Esch-Clique geworden, der sie viel zu lange vorbehaltlos vertraut habe.

Mag sein. Der Vorsitzende Richter Stefan Singbartl hegt da allerdings noch einige Zweifel. Um 11 Uhr eröffnet er den ersten Verfahrenstag. 25 Anwälte sitzen ihm in Saal 112 gegenüber, dem größten, den das Gericht zu bieten hat. Schickedanz, die persönlich im Gericht nicht erschien, lässt sich von fünf Juristen vertreten. Auch die 14 Beklagten haben meist jeder zwei Vertreter entsandt. Das Verfahren könnte eines der größten in der deutschen Wirtschaftsgeschichte werden - wenn es denn je so richtig ins Laufen kommt.

20 Minuten später ist das nicht mehr so sicher. So lange braucht Richter Singbartl, um die Klage von Schickedanz zu erschüttern. Als er einzelne Vorwürfe der Quelle-Erbin erläutert, sagt er Sätze wie "bisher überzeugt uns der Vortrag noch nicht" oder "das sehen wir eher nicht". In der Sprache der Juristen heißt das so viel wie: Note fünf, nachsitzen, bitte.

Für "schwerlich plausibel" hält Singbartl gar, dass Schickedanz nie einen Widerspruch erhob, als sie auf Geheiß von Esch und den damaligen Oppenheim-Bankern Matthias Graf von Krockow und Christopher von Oppenheim immer mehr Arcandor-Aktien auf Kredit kaufte und dafür am Schluss große Teile ihres Vermögens verpfändete. Schließlich sei ja auch ihr Ehemann Leo Herl als ihr Generalbevollmächtigter an vielen Entscheidungen beteiligt gewesen.

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