Samstag, 23. Mai 2015

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Betrug beim Emissionshandel Deutsche Bank wurde schon 2009 gewarnt

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Warnungen ignoriert?

Der Skandal um den Emissionshandel bei der Deutschen Bank weitet sich immer weiter aus: Die britische Steuerbehörde hat Deutschlands größtes Geldhaus offenbar schon vor drei Jahren vor kriminellen Machenschaften beim Handel mit Verschmutzungsrechten gewarnt.

München - Bereits im Herbst 2009 habe die britische Steuerbehörde HMRC führende Vertreter der Deutschen Bank in London darauf hingewiesen, dass große Teile des Emissionshandels "mit Betrugskriminalität behaftet seien". Das berichtet die "Süddeutschen Zeitung" unter Berufung auf Akten der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt.

Das Geldinstitut habe es anschließend aber versäumt, intern durchzugreifen und derartige Geschäfte in den eigenen Reihen zu unterbinden. Die Deutsche Bank wickelt zahlreiche Geschäfte über seine Niederlassung in der britischen Hauptstadt ab.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 25 Beschäftigte der Bank wegen Steuerbetrug, Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung im Zusammenhang mit millionenschwerem Handel mit Luftverschmutzungsrechten (CO2-Zertifikate) ermittelt. Das Institut war vergangene Woche von 500 Beamten durchsucht worden. Fünf Mitarbeiter wurden verhaftet, vier davon sitzen noch in Untersuchungshaft.

Fitschens Privathaus nur knapp Durchsuchung entgangen

Co-Chef Jürgen Fitschen beschwerte sich dem "Spiegel" zufolge in einem Anruf beim hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier über den massiven Einsatz. Ein Sprecher der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen bestätigte, dass Fitschen vergangene Woche mit Bouffier telefoniert hat. Zum Inhalt des Gesprächs wollte er keine Angaben machen.

Gegen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause wird ermittelt, weil sie Ende 2010 die fragliche Umsatzsteuererklärung der Bank für das Jahr 2009 unterschrieben hatten. Diese enthielt nach Erkenntnissen der Ermittler zu Unrecht erstattete Umsatzsteuer aus illegalen Handelsgeschäften mit Emissionsrechten

Die Privathäuser der beiden Manager sind offenbar nur knapp einer Razzia in entgangen. Die Ermittler waren nach Informationen der "Bild"-Zeitung entschlossen, die Privathäuser mit einem massiven Polizeiaufgebot zu durchsuchen. Die Aktion sei den Topmanagern nur erspart geblieben, weil sie in letzter Minute volle Zusammenarbeit zugesichert hätten, heißt es in dem Bericht.

mg/dpa-afx/afp

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