Bankenmanager magazin RSS  - Banken

Alle Artikel und Hintergründe


05.12.2012
Twitter GooglePlus Facebook

Finanzaufsicht
Wie Banken die neuen Regeln torpedieren

Von Arvid Kaiser, Frankfurt am Main

EZB-Präsident Draghi auf dem Europäischem Bankenkongress: "Der 1. Januar wäre ideal"
DPA

EZB-Präsident Draghi auf dem Europäischem Bankenkongress: "Der 1. Januar wäre ideal"

Der 1. Januar sollte der Stichtag für eine neue Epoche der Finanzwelt sein: Zum Jahreswechsel ist offiziell geplant, mit strengerer Bankenaufsicht und schärferen Kapitalregeln die Lehren aus der Krise zu ziehen. Doch aus beiden Vorhaben wird wohl erst einmal nichts.

Frankfurt am Main - Zwei Fragen, erklärte Martin Blessing, seien vordringlich zu klären. Der Commerzbank-Chef gab zur Eröffnung des Europäischen Bankenkongresses Ende November die Agenda vor: höhere Kapitalpuffer für die Banken, wie sie das internationale Regelwerk Basel III vorsieht, "besser früher als später", und eine einheitliche europäische Bankenaufsicht.

Risiko raus, Vernunft und Augenmaß rein.

Während draußen ein einsamer Rufer aus dem "Occupy"-Lager die "Selbstbeweihräucherung" der Banker beklagte, sah es in der Frankfurter Alten Oper so aus, als sei die Branche zum Umdenken bereit. Die prominenten Gäste diskutierten über Kulturwandel, über Wege zu einem kleineren Bankensystem mit weniger Profiten, über demokratische Legitimation. Sogar in diesem Kreis brachte eine Saalabstimmung 40 Prozent für eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken. Man trägt jetzt Demut, Selbstkritik gehört zum guten Ton.

Doch keine zwei Wochen nach dem Treffen zeichnet sich deutlich ab, dass es auf Blessings dringende Fragen so bald keine Antwort geben wird. Nachdem die USA Abstand davon genommen haben, Basel III zum Jahreswechsel einzuführen, wie vor zwei Jahren im Kreis der G20-Staaten vereinbart, laufen nun auch Europas Banken dagegen Sturm. Und die Finanzminister konnten sich an diesem Dienstag immer noch nicht auf ein Konzept für die europäische Bankenaufsicht einigen, für die ebenfalls der 1. Januar als Stichtag vorgesehen ist. Offiziell gilt der Zeitplan für beide Vorhaben weiter, aber kaum jemand glaubt noch daran.

In beiden Fällen haben sich Banken und ihre Aufsichtsbehörden entlang nationaler Linien gegeneinander in Stellung gebracht, um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern - genau das, was die europäische Bankenunion verhindern soll.

Der Euro ist ohne Bankenunion nicht zu verteidigen

Mario Draghi, dessen Europäische Zentralbank für die Rolle der neuen Über-Aufsicht vorgesehen ist, leitete in Frankfurt her, warum der Euro und der gemeinsame Markt ohne diese Union nicht zu verteidigen seien. "Die gemeinsame Währung braucht ein gemeinsames Finanzsystem, das nicht mehr national zersplittert ist", sagte Draghi.

Sonst könne auch die Geldpolitik nicht wirken, wenn wie jetzt die Finanzierungskosten von Privatleuten und Unternehmen vom Standort der Bank abhängen. Der EZB-Präsident räumte ein, dass noch viele Fragen offen seien. Aber "idealerweise am 1. Januar" müsse zumindest die rechtliche Basis her, damit die Zentralbank mit den Vorbereitungen beginnen könne.

Ebenfalls auf dem Bankenkongress sprachen Bundesbankpräsident Jens Weidmann und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zum selben Thema. Vordergründig waren sich alle einig, dass die gemeinsame Aufsicht kommen soll, Weidmann schob jedoch sogleich ein Grummeln über "kurzfristigen Nutzen zu Lasten langfristiger Stabilität", eine "Überlastung der Geldpolitik" und "Interessenkonflikte" nach.

Zur Startseite
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • deli.cio.us
  • Pinterest

Weitere Artikel zu Diesem Thema

Milliardenrückzahlung
Bayern verdient prächtig an maroder BayernLB
Geld und Manager weg
Credit Suisse beglückt Hedgefonds-Manager mit Millionen-Fehlbuchung
Kauf von ABS-Papieren
EZB sucht Hilfe bei der Deutschen Bank
Rechtsvorstand Christian Sewing
Ein Mann für zehn (plus x) Großbaustellen

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH





Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?