Düsseldorf - Der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat seinen Nachfolger Anshu Jain wegen dessen Rückzieher bei der Aufklärung der Affäre um Zinsmanipulationen kritisiert. Der Investmentbanker Jain stellt sich an diesem Mittwoch (28.11.) nicht selbst den Fragen des Bundestags -Finanzausschusses zum Libor-Skandal, sondern schickt den für Rechtsfragen zuständigen Vorstand Stephan Leithner.
"Es ist bekannt: Ich habe mich immer dieser Verantwortung gestellt. Ich finde nach wie vor, das ist Aufgabe eines Chefs, sich dieser Verantwortung zu stellen", sagte Ackermann am Montagabend bei einer "Handelsblatt"-Veranstaltung in Frankfurt am Main. "Als Chef nimmt man die Kritik und manchmal auch das Lob. Ich finde schon, dass der Chef hier auf die Bühne gehört", sagte Ackermann unter dem Applaus der 500 Gäste.
Allerdings gab es in der Vergangenheit durchaus Fälle, in denen Ackermann nicht persönlich Stellung nahm. So bei einer Anhörung des Finanzausschusses zum Thema Steueroasen am 25.Mai 2009. Commerzbank-Chef Martin Blessing und Ackermann waren damals persönlich eingeladen.
Zum Hintergrund der jetzigen Anhörung: Großbanken sollen die "London Interbank Offered Rate" (Libor) über Jahre manipuliert haben, um höhere Gewinne zu erzielen. Zwei Deutsche-Bank-Mitarbeiter wurden wegen der Tricksereien gefeuert. Der Libor gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Der Zins dient als Referenz für Geldgeschäfte in Billionenhöhe, auch Kredite orientieren sich daran. "Der Libor-Fall ist kriminell, absolut unentschuldbar. Jeder, der Verantwortung getragen hat, muss die Konsequenzen ziehen", betonte Ackermann gestern.
kst/dpa-afx
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