Deutsche Bankmanager magazin RSS  - Deutsche Bank

Alle Artikel und Hintergründe


18.11.2012
Twitter GooglePlus Facebook

Kirch-Prozess
Erschossen fürs Geschäft danach

Von Cornelia Knust

Der Richter maßregelte Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer: "Was Sie uns hier anbieten, ist einfach nicht plausibel"
DPA

Der Richter maßregelte Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer: "Was Sie uns hier anbieten, ist einfach nicht plausibel"

Das Schadenersatzurteil im Kirch-Prozess erscheint für die Deutsche Bank kaum mehr abwendbar. Ex-Vorstandschef Rolf Breuer steht als gieriger Banker da: Das Interview, das Kirch den Rest gab, habe der Geschäftsanbahnung gedient, meinte der Richter.

München - Rolf Breuer will nicht als Lügner in die Geschichte eingehen. Der Manager, bis 2002 Vorstandssprecher und bis 2006 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, will auch nicht als der Mann erinnert werden, der für sein Haus eine Schadenersatzsumme von mehreren hundert Millionen Euro verursacht hat. Und doch wird es wohl darauf hinauslaufen im Zivilprozess vor dem Oberlandesgericht München, in dem die Causa Leo Kirch verhandelt wird.

Breuer hatte die strauchelnde Mediengruppe im Februar 2002 in einem Fernsehinterview mit Aussagen zu ihrer Kreditwürdigkeit unter Druck gesetzt. Ein Notverkauf von Aktiva misslang; im April meldete Leo Kirch Insolvenz an. "Erschossen hat mich der Rolf", gab der Unternehmer im Prozess zu Protokoll und führte einen heiligen Kampf gegen die Machenschaften der Bank - bis zu seinem Tod 2011 und über seine Erben bis heute.

Sein Gegner Rolf Breuer, 75, gab vorgestern vor Gericht eine persönliche Erklärung ab, in der er seine Arglosigkeit beteuerte und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als "ungeheuerlich und ehrenrührig" bezeichnete. Seine Worte verfehlten aber ihre Wirkung, wohl nicht nur weil er sie vom Blatt ablas. Die Indizien sprechen einfach gegen ihn und - der Richter glaubt ihm nicht: "Was Sie uns hier anbieten, ist einfach nicht plausibel".

Der Rechtsstreit ist einigermaßen unübersichtlich. 17 Nachfolgefirmen des Medienunternehmers Leo Kirch bezichtigen die Deutsche Bank und Breuer der sittenwidrigen Schädigung und der Verletzung von Geheimhaltungspflichten. Der Zivilprozess ist einer von vielen, mit denen die Kirch-Seite die Deutsche Bank seit Jahren überzieht und betrifft in diesem Fall nur die damalige Beteiligung von Kirch an Pro Sieben/Sat 1. Zunächst 2009 vom Landgericht München abgebügelt, entwickelte sich der Prozess in zweiter Instanz zum "Show down" und strebt jetzt dem Ende zu. Vorgestern gaben beide Parteien ihre abschließenden Ausführungen zum Besten. Der Vorsitzende Richter Guido Kotschy fällte zwar noch kein Urteil, lieferte aber eine vorläufige Einschätzung der Beweisaufnahme.

Sittenwidrige, vorsätzliche Schädigung

Danach hat die Deutsche Bank gegenüber der Kirch-Media wahrscheinlich nicht nur Vereinbarungen zur Vertraulichkeit verletzt, sondern auch vorsätzlich einen Schaden herbeigeführt: gemäß § 826 BGB. Kotschy bezifferte den möglichen Schaden auf 120 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro. Am 14. Dezember ist der nächste Verhandlungstermin. Neue Angebote für einen Vergleich, die der Richter abfragte, wurden vorerst von beiden Parteien verneint. Sollte ein Urteil ergehen, bleibt der Deutsche Bank noch der Weg zum Bundesgerichtshof.

Strittig ist im laufenden Verfahren noch die angebliche "missbräuliche Verlagerung des Prozesskostenrisikos" auf Seiten Kirchs. Die Kläger in Person des Kirch-Nachlassverwalters Hans Erl hatten auf einem Sonderkonto hinterlegte Gelder für die Deckung der Prozesskosten zwischenzeitig offenbar wieder abgezogen. Erl versicherte jedoch, über ein verwertbares Grundstück in Bad Wiessee zu verfügen, aus dem er jederzeit 1,5 bis 2,5 Millionen Euro ziehen könne. Die Beweislast, dass diese Regelung nicht sauber ist, liegt jetzt allerdings bei der Deutschen Bank.

Die klare Stellungnahme des Richters setzt die Bank aber vor allem unter Druck, das Problem endlich durch einen Vergleich aus der Welt zu räumen, was nicht zuletzt aus Angst vor Aktionärsklagen mehrfach scheiterte. Dennoch ist das kein Sieg auf ganzer Linie für die prominenten Kirch-Anwälte Wolf-Rüdiger Bub und Peter Gauweiler. Denn ihrer Verschwörungstheorie, wonach Bertelsmann, die WAZ-Gruppe und Ex-Kanzler Gerhard Schröder im Verein mit der Deutschen Bank den Medienmagnaten bewusst zu Fall gebracht hätten, folgte Richter Kotschy nicht. Auch nicht der These, Kirch sei erst von der Deutschen Bank insolvenzreif geschossen worden. Diese hatte schon Deutsche Bank-Anwalt Markus Meier ins Reich der Fabel verwiesen.

Zur Startseite
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • deli.cio.us
  • Pinterest

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH





Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarifvergleich:
Finden Sie den passenden Tarif
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Tablet Tarifvergleich:
Surfen Sie günstiger