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18.11.2012
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Kirch-Prozess
Erschossen fürs Geschäft danach

Von Cornelia Knust

Der Richter maßregelte Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer: "Was Sie uns hier anbieten, ist einfach nicht plausibel"
DPA

Der Richter maßregelte Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer: "Was Sie uns hier anbieten, ist einfach nicht plausibel"

2. Teil: "Sie waren voll auf der Höhe"

Allerdings, so Kotschy, sei die Gruppe sanierungsreif gewesen und die Deutsche Bank habe an der Umstrukturierung mitverdienen wollen. Kotschy sieht Breuers umstrittenes Fernsehinterview nicht als Panne oder Fehlurteil ("Sie waren voll auf der Höhe"), sondern als Mittel zum Zweck, um ein Beratungsmandat von Kirch zu erzwingen. "Sie wollten ins Geschäft kommen", sagte Kotschy, "wenn auch auf durchaus ungewöhnliche Art".

Die Logik ging wohl so: Entweder Kirch akzeptierte das Schutzschild der Deutschen Bank oder ihm drohte der Untergang. Er wählte damals die zweite Möglichkeit. Da die Anteile an Pro Sieben/Sat 1 aufgrund der Insolvenz nur zu einem geringeren Preis verwertet werden konnten, sei ein Schaden entstanden, sagte Kotschy.

Die gegriffenen Bewertungen aus gescheiterten Verkaufsverhandlungen mit dem Disney-Konzern über Ostern 2002 oder den späteren Weiterkauf der Fernsehsender zu einem noch höheren Preis will er aber nicht als Grundlage für die Schadenersatzforderungen akzeptieren. Kotschy bezieht sich mit seiner Spanne von bis zu 1,5 Millionen Euro auf ein Gutachten der KPMG von Ende 2001. Die Kläger hatten eine Spanne von 1,36 bis 2 Milliarden Euro genannt.

Reputationsverlust der Banken

Doch nicht nur Preisspannen wurden an diesem Freitag in München verhandelt. Hier ging es auch um Grundsätzliches aus dem Erleben vieler Unternehmer und Kapitalanleger. "Warum ist die öffentliche Aufmerksamkeit so groß?", fragte Kläger-Anwalt Bub in seiner Schlussbemerkung und antworte sich gleich selbst: wegen der handelnden Personen, wegen der Funktionsweise der alten Deutschland AG und wegen des allgemeinen Reputationsverlustes der Banken.

Bub strapaziert die Opferrolle des "erfolgreichsten Medienunternehmers" zwar etwas sehr. Denn dass Leo Kirch ein Unternehmer war, der gerne Risiken einging, große Risiken, und der keinerlei Berührungsängste zur Politik hatte, um seine Ziele durchzusetzen, das ist bekannt. Doch ob er deshalb eine öffentliche Bloßstellung durch einen Banker verdient hatte, der womöglich nur aufs Geschäft aus war? Die Frage stellt sich allerdings.

CSU-Mitglied Gauweiler benutzte zur Schilderung von Kirchs Dilemma ausgerechnet den alten Sponti-Spruch: "Du hast keine Chance, also nutze sie", und schloss mit den Worten: "Ich denke, dass es irgendwann Zeit ist, dass die Beteiligten ihr Recht bekommen".

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