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13.11.2012
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Kreditwürdigkeit
Libor-Skandal bedroht Banken-Rating

Barclays-Chef Bob Diamond musste wegen des Libor-Manipulationsskandals gehen
REUTERS

Barclays-Chef Bob Diamond musste wegen des Libor-Manipulationsskandals gehen

Zahlreiche Banken hatten bei der Manipulation des Libor-Zinssatzes ihre Finger im Spiel. Die Kosten aus den Gerichtsverfahren können sie wegstecken - doch neben ihrem guten Ruf könnten sie auch ihre gute Bonität einbüßen, meint die Ratingagentur Moodys.

New York - Der Skandal um manipulierte Referenz-Zinssätze könnte die beteiligten Banken neben ihrem guten Ruf auch ihre gute Bonität kosten. Zwar dürften die Kreditinstitute etwaige Geldstrafen der Finanzaufsichtsbehörden wegstecken, schätzte die Ratingagentur Moody's heute. Doch die eigentliche Gefahr liegt nach Ansicht der Experten in möglichen Gerichtsverfahren. Es gibt bereits erste Klagen auf Schadenersatz.

Die Geldstrafen seien wahrscheinlich durch die Gewinne der Banken gedeckt, erklärte Moody's in New York. Die Verluste aus den Prozessen könnten dagegen weit größer ausfallen - und am Ende sogar negative Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit haben. Eine Abwertung der Bonität könnte das Tagesgeschäft der Banken direkt belasten, weil ihnen dann droht, dass sie schwieriger an frisches Geld herankommen.

Der Ausgang der Gerichtsverfahren sei allerdings "höchst unsicher und dadurch schwierig zu beziffern", schränkte Moody's ein. Unter anderem hatten US-Hausbesitzer gegen ein Dutzend Kreditinstitute geklagt, darunter die Deutsche Bank Chart zeigen. Die Gruppe wirft ihnen vor, durch die gemeinschaftliche Manipulation des Libor-Zinssatzes die Kosten für ihre Eigenheim-Hypotheken in die Höhe getrieben zu haben. Die Deutsche Bank verneinte bislang eine Mitverantwortung der Führungsspitze und hält die Manipulationen für das Werk einzelner Mitarbeiter, von denen einige Kreisen zufolge bereits suspendiert sind.

Der sogenannte Libor (London Interbank Offered Rate) wird täglich aus den Meldungen einzelner Banken ermittelt und stellt den durchschnittlichen Zinssatz dar, zu dem sich die Institute untereinander Geld leihen. Der Libor-Satz dient als Referenz für Geldgeschäfte in Billionenhöhe.

Auch gegen Ex-WestLB wird ermittelt

Die Hausbesitzer hatten für ihre Hypotheken variable Zinssätze gewählt, die sich am Libor orientierten. Auch institutionelle Investoren fühlen sich von den Banken geschädigt, darunter eine Fondsgesellschaft, die zur Frankfurter Privatbank Metzler gehört. Sie beteiligte sich bereits im Sommer an mehreren Sammelklagen.

Mehr als ein Dutzend Geldhäuser sind mittlerweile ins Visier der staatlichen Ermittler geraten. So ging auch beim WestLB-Nachfolger Portigon in Düsselsdorf ein Auskunftsersuchen der Staatsanwälte von New York und Connecticut ein. Die britische Barclays Chart zeigen hatte Ende Juni bereits eine Strafe von 290 Millionen Pfund (370 Mio Euro) akzeptiert, Vorstandschef Bob Diamond trat zurück.

Dass Banken selbst nach einer Strafe der Regulierer nicht aus der Schusslinie sind, zeigt das Beispiel Barclays. Denn auf das Institut rollt nun der erste Schadenersatz-Prozess in Großbritannien zu, der Signalwirkung auch für andere haben könnte. Moody's jedenfalls ist in Alarmbereitschaft. Schon in nächster Zeit - auf jeden Fall aber vor möglichen Gerichtsurteilen - könnten sich Entwicklungen ergeben, auf die reagiert werden müsse, erklärte die Ratingagentur.

Dazu zählt sie Veränderungen im Management, Änderungen an der Strategie, die Enthüllung von Mängeln im Risikomanagement oder von fehlenden internen Kontrollen. "Die größten Libor-Banken haben mehr Gewinne und Kapital, um die möglichen Verluste aufzufangen. Doch sind sie nicht weniger verletzbar als kleinere, vor allem wenn ein höheres absolutes Transaktions-Niveau zu höheren Verlusten durch Klagen führt", schrieben die Analysten. Nach Ansicht von Juristen dürfte es für Investoren allerdings schwer sein, einen Schaden durch die Zinstricksereien nachzuweisen - erst recht, wenn die Zinsen von den Banken nach unten gedrückt wurden.

wed/dpa/rtr

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