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30.10.2012
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Universalbankmodell
Die unzertrennlichen Zwei

Von Arvid Kaiser

Deutsche-Bank-Chefs Fitschen und Jain: "Vorreiter des Kulturwandels"
dapd

Deutsche-Bank-Chefs Fitschen und Jain: "Vorreiter des Kulturwandels"

Investment- und Geschäftsbank schieben den Gewinn der Deutschen Bank erneut vereint über die Milliardenschwelle. Zugleich wächst der Druck von allen Seiten, die Sparten zu trennen. Die Bankchefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain kämpfen für ihr Modell gegen den Rest der Welt.

Hamburg/Düsseldorf/Frankfurt am Main - Stefan Krause seufzt. "Wir hoffen, dass die Vernunft siegen wird", sagt der Finanzvorstand der Deutschen Bank in der Telefonkonferenz mit Analysten. Eine Trennung des Kapitalmarkthandels vom klassischen Geschäft mit Privat- und Firmenkunden, wie von der Liikanen-Kommission der EU gefordert, dürfe nicht kommen: Das würde Europas Wirtschaft schaden.

Pläne für den Fall, dass es doch so kommt, habe die Deutsche Bank keine, sagt Krause - aber intern geschätzt und festgestellt, dass alle Ziele des Konzerns hinfällig wären.

Im abgelaufenen Sommerquartal, dem ersten unter der neuen Doppelspitze aus Jürgen Fitschen und Anshu Jain, trug die von ihrem Vorgänger Josef Ackermann verordnete Zwei-Säulen-Strategie erneut Früchte. Vor allem im Investmentbanking lief das Geschäft besser, aber auch im Privatkundengeschäft rund um die Postbank verdiente die Bank mehr - insgesamt vor Steuern 1,1 Milliarden Euro.

Die Sparten ergänzen sich - und falls eine mal schwächelt, kann die andere den Konzern stützen. Die Strategie versinnbildlicht die Identität der Deutschen Bank Chart zeigen: Die Zentrale hat zwei gleich hohe Türme, und jetzt auch zwei gleichberechtigte Chefs.

Doch so erfolgreich das Modell aus Sicht der Bank erscheinen mag - von außen wird es immer stärker unter Beschuss genommen. Just an diesem Dienstagmorgen verkündete UBS-Chef Sergio Ermotti in Zürich eine grundlegende Neuausrichtung mit Konzentration auf die Vermögensverwaltung und radikalem Rückbau des Investmentbankings. Besonders der Anleihehandel, in dem die Deutsche Bank sich als Marktführer sieht, werfe zu wenig ab.

Analysten fordern Abschied vom Investmentbanking

"Das wird eine weitere Restrukturierung in der ganzen Branche einleiten", prophezeien die Analysten der Citigroup. Dieter Hein vom Analysehaus Fairesearch fordert die Deutsche Bank auf, dem Beispiel der UBS Chart zeigen zu folgen. Seine neue Studie trägt den Titel "Investmentbank schließen und reich werden!" Das Geschäft sei zu kapitalintensiv und bringe daher den Eignern der Bank im Verhältnis zum eingesetzten Geld eine nur leicht mehr als halb so hohe Rendite wie die klassische Geschäftsbank. Es solle über die Jahre zurückgefahren werden.

"Die Bank rechnet ihr Investmentbanking schön, indem sie dort 60 Prozent der risikogewichteten Aktiva verbucht, aber nur 50 Prozent des Eigenkapitals", sagt Hein gegenüber manager magazin online mit Blick auf die aktuellen Zahlen.

Dass solche Stimmen vom Finanzmarkt selbst kommen, ist neu. Sie konterkarieren das Selbstbild der Bank, eine neue Bescheidenheit zu pflegen und "Vorreiterin des Kulturwandels" zu sein. Doch das auf 12 Prozent Nachsteuerrendite gesenkte Ziel bedeute einen Vorsteuergewinn von elf Milliarden Euro, rechnen die Experten vom Rollenvorbild JPMorgan Chase Chart zeigenvor. Das hat die Deutsche Bank noch nie erreicht - in Wahrheit also ein ambitioniertes Ziel. Auch der aktuelle Milliardengewinn entspricht gerade mal 5 Prozent Eigenkapitalrendite.

Nach einer Schätzung von Barclays hat die Deutsche Bank den größten Risikoabbau aller europäischen Banken vor sich, um das strengere Regelwerk "Basel III" zu erfüllen: Sie müsse ihre risikogewichteten Aktiva um mehr als 130 Milliarden Euro reduzieren, wenn sie eine Kapitalerhöhung vermeiden wolle, und habe im Unterschied zu etwa den Schweizer oder französischen Banken noch nichts von dieser Aufgabe bewältigt.

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