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18.09.2012
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Sal. Oppenheim
Beginn eines Spießrutenlaufs

Von Christoph Neßhöver

Debüt als Zeuge: Christopher Freiherr von Oppenheim muss bald auch als Angeklagter vor Gericht aussagen
DPA

Debüt als Zeuge: Christopher Freiherr von Oppenheim muss bald auch als Angeklagter vor Gericht aussagen

Vor dem Landgericht Köln musste Ex-Bankier Christopher von Oppenheim erstmals als Zeuge aussagen. Seine Glaubwürdigkeit hat der Auftritt nicht gestärkt.

Köln - Christopher von Oppenheim sitzt vor einem Richter. Es ist das erste Mal, seit das traditionsreiche Bankhaus, das seinen Namen trägt, beinahe Pleite ging und 2010 von der Deutschen Bank übernommen wurde. Nach über zwei Stunden im Gerichtsaal am Landgericht Köln seufzt der Freiherr, seine Hände umfassen die Lehnen des Stuhls, er legt kurz den Kopf zurück, blickt gen Decke und macht eine lange Pause, ehe er auf die Frage des Richters antwortet.

"Nein", sagt der Ex-Bankier. Dass ein ehemaliger leitender Mitarbeiter von Sal. Oppenheim nichts von den Verflechtungen der Bank mit dem Immobilienentwickler Josef Esch gewusst habe, wie dieser ausgesagt habe, halte er für "schlichtweg unmöglich".

Von Oppenheim ist nur Zeuge, kein Angeklagter. Dieses Mal. Der gestrige Auftritt des ehemaligen Miteigentümers des Bankhauses Sal. Oppenheim dürfte wohl nur der erste in einer ganzen Reihe gewesen sein.

Wenn Christopher von Oppenheim gestern in Köln seine Glaubwürdigkeit für die folgenden, weit schwerwiegenderen Verfahren stärken wollte, dann gelang ihm das nicht gerade überzeugend.

Dabei braucht er eigentlich jedes gute Argument, dem er habhaft werden kann. Dem Freiherrn droht ein juristischer Spießrutenlauf. Nicht nur klagen derzeit mindestens 20 Ex-Kunden gegen die Bank und ihren Ex-Partner Josef Esch, weil sie sich bei Investitionen in geschlossene Immobilienfonds über die wahren Kosten und Risiken getäuscht fühlen - was die Beklagten abstreiten. Auch in diesen Verfahren könnte von Oppenheim als Zeuge geladen werden. Und in einem Dutzend Klagen gehört er sogar selbst zu den Beschuldigten.

Axel Pfeils Millioneninvestment seit Karstadt-Pleite unter Wasser

Noch unangenehmer sind für den Freiherrn aber wohl die Anklagen der Kölner Staatsanwaltschaft gegen ihn und seine ehemaligen Mit-Bankchefs. Bei drei Immobiliengeschäften sollen die geschäftsführenden Gesellschafter Christopher von Oppenheim und Matthias Graf von Krockow gemeinsam mit einigen anderen Topmanagern die eigene Bank - und damit die gut 40 Miteigentümer - um hohe zweistellige Millionensummen gebracht haben. "Untreue in besonders schwerem Fall" vermuten die Staatsanwälte, die seit fast zwei Jahren mit einer Sonderkommission die Vorgänge um den Niedergang des Bankhauses Sal. Oppenheim, das im Jahr 2010 in letzter Minute von der Deutschen Bank Chart zeigen übernommen wurde, durchleuchten. Die Verfahren dürften bald beginnen - mit von Oppenheim als Angeklagtem statt Zeugen.

Als Zeuge debütieren muss nun von Oppenheim wegen eines vergrätzten Ex-Geschäftspartners. Den Kölner Prozess hat der ehemalige Deutsche-Bank-Manager Axel Pfeil angestrengt. Er hat Sal. Oppenheim verklagt, weil ihn die Bank bei seinem Investment in eine Immobiliengesellschaft, die in Potsdam ein Warenhaus für Karstadt einrichten sollte, weder über die Risiken noch die wahren Kosten noch die Verflechtungen des Bankhauses mit dem Fondsentwickler Esch aufgeklärt haben soll. Seit Karstadt, zwischenzeitlich umgetauft in Arcandor, 2009 pleite ging, ist sein Millioneninvestment unter Wasser.

Das Heikle daran für Christopher von Oppenheim: Er persönlich hatte Pfeil in einem Beratungsgespräch das Investment angepriesen. Und so geht es vor Gericht nun darum, welche Unterlagen von Oppenheim im Beratungsgespräch im Jahr 2001 vorlegte und was genau er zu Kosten, Risiken und der Kooperation mit der Esch-Gruppe ausführte.

Unterschiedliche Erinnerung an die Details

Auf die Details kommt es an. So muss von Oppenheim auf Geheiß von Pfeils Anwalt Sven Achenbach handschriftliche Notizen des Klägers auf einem Exposé entziffern, soll sich erinnern, zu welcher Tageszeit das Beratungsgespräch stattfand oder wie viele Kopien er von einem bestimmten Schriftstück dabei hatte. Das muss eine penible Übung sein für einen, der sich noch vor wenigen Jahren zu den Wohlhabendsten der Republik zählen durfte.

Knifflig für von Oppenheim ist, dass zwei Zeugen - ein Ex-Mitarbeiter der Bank und ein weiterer Fondszeichner -, die bei dem fraglichen Beratungsgespräch dabei waren, sich an einige entscheidende Details ganz anders erinnern als der Freiherr.

Die Dokumente? Es habe nur ein vierseitiges Exposé vorgelegen, sagen die Zeugen und der Kläger. Nein, er habe auch den Gesellschaftsvertrag der Fondsgesellschaft dabei gehabt, sagt von Oppenheim.

Die Kosten? Seien nur sehr oberflächlich erörtert worden, sagen die Zeugen und der Kläger. Nein, sagt von Oppenheim, diese habe er detailliert erläutert - auch dass 8,2 Millionen D-Mark vom Fonds an den späteren Mieter Karstadt fließen sollten.

Streit um die Esch-Connection

Die Verflechtungen mit Esch? Seien nicht offen gelegt worden, sagen die Zeugen und der Kläger. Doch, sagt von Oppenheim, seien sie sehr wohl. Außerdem hätte Kläger Pfeil die Konstruktion der Oppenheim-Esch-Kooperation kennen müssen, schließlich habe er ein knappes Jahr zuvor bereits in einen anderen Oppenheim-Esch-Fonds investiert, der nach dem gleichen Muster funktionierte.

Es steht also Aussage gegen Aussage. Dass Christopher von Oppenheim sich an manches nicht mehr erinnern kann, oft um Worte rang und sich einige Male um klare Antworten herum zu winden schien, hinterließ allerdings nicht den Eindruck, er sei sich seiner Sache sonderlich sicher.

Völlig sicher gab sich von Oppenheim allerdings in einem Punkt. Sein Ankläger Pfeil sagt, er habe den Postdam-Fonds erst gezeichnet, als ihm der Freiherr am Ende des Beratungsgesprächs zugesagt habe, die Bank werde sein Ausfallrisiko voll übernehmen, ihm also die Fondsanteile abkaufen, falls das Investment nicht wie vorgesehen rentiere.

Da wird Christopher von Oppenheims Stimme hart: "Das habe ich so nicht gesagt." Da sei er sich "hundertprozentig sicher".

Axel Pfeil schüttelt sanft den Kopf.

Nach gut sechs Stunden vertagte sich das Gericht. Diesem Richter wird Christopher von Oppenheim noch einmal gegenübertreten müssen. Und nicht nur diesem.

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