Sonntag, 16. Dezember 2018

Gribkowsky-Prozess Spätes Geständnis eines Tricksers

Späte Einsicht: Ex-Bayern-LB-Vorstand Gerhard Gribkowsky (links), mit seinem Anwalt Rainer Brüssow

Kehrtwende: Nach acht Monaten hartnäckigen Schweigens bestätigt Ex-Bayern-LB-Vorstand Gerhard Gribkowsky fast alle Punkte der Anklage. Er belastet damit auch Formel-1-Chef Bernie Ecclestone.

München - "Es stimmt im Wesentlichen". Dieser erste Satz des Angeklagten Gerhard Gribkowsky zur Sache - nach mehr als 40 Verhandlungstagen im Landgericht München I und nach anderthalb Jahren Untersuchungshaft - verblüffte.

Der Sinneswandel bei Gribkowsky, die späte Einsicht kam jedoch nicht von allein. Der Richter Peter Noll hatte längst signalisiert, dass er von der Schuld des Angeklagten überzeugt ist. Gespräche zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft waren immer wieder gescheitert. Heute teilte Noll mit, dass er das Strafmaß auf die Bandbreite 7 Jahre 10 Monate bis zu 9 Jahre eingrenze, sofern der Angeklagte eine Einlassung mache, und dann schlicht gefragt: "Stimmt es, was in der Anklage steht?".

In der Anklage wird Gribkowsky Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vorgeworfen, weil er als Risikovorstand der Bayerischen Landesbank 44 Millionen Dollar von Formel-1-Chef Bernard Ecclestone und dessen Familienstiftung Bambino angenommen habe. Gribkowsky sollte damals die Formel-1-Anteile verkaufen, die der Bank nach der Kirch-Pleite als Kreditsicherheit zugefallen waren.

Gribkowsky begann etwas umständlich mit der Vorgeschichte dieser Kirch-Erwerbung und den diversen juristischen Auseinandersetzungen mit Ecclestone, aus denen die BayernLB ja zunächst siegreich hervorgegangen war.

Doch dann kam der Angeklagte auf den Punkt. Ecclestone habe ihm im Mai 2005 klargemacht, dass er alle Fäden in der Hand halte, die Werthaltigkeit der Formel-1-Anteile zu vernichten oder zu kreieren. Die Formel-1, so Gribkowsky, sei ja nichts weiter als zwei Aktenschränke voller Verträge. Doch alles stehe und falle nun mal mit Ecclestone. Sogar die externe Formel-1-Vermarktungsgesellschaft, die "Allsports Management" in Genf, werde von ihm kontrolliert. So hätte er leicht außerhalb der Holding, an der die BayernLB beteiligt war, eine neue Rennserie eröffnen können.

Ecclestones Job-Angebot: "Ich erkläre Dir jetzt, wie das Leben ist"

"Ich erkläre Dir jetzt, wie das Leben ist", habe Ecclestone ihm damals in seinem Londoner Büro gesagt. "Wenn Du mir weiter ins Handwerk pfuscht, werde ich diesen Weg gehen". Und dann habe er Gribkowsky ein Angebot gemacht: "Wenn Du mir hilfst, die Formel-1 zu verkaufen, beschäftige ich Dich als Berater".

Im Oktober 2005 habe Bambino-Chef Stephen Mullens dann den Inhalt dieser Beratertätigkeit näher definiert: Gribkowsky habe versuchen sollen, einen mysteriösen Kredit ("FEB Slec Loan") über 300 Millionen Dollar zu versilbern, den der Erwerber der Formel-1-Anteile, der Finanzinvestor CVC, ärgerlicherweise vom Kaufpreis abgezogen haben wollte. Als Honorar für diese Tätigkeit habe Mullens ihm eine Summe von 500.000 Dollar bis 50 Millionen Dollar in Aussicht gestellt.

Gribkowsky schlug ein, nach eigener Schilderung einerseits frustriert, jahrelang umsonst für die Interessen der BayernLB gekämpft zu haben, aber auch angezogen von der Dynamik der Formel-1, die so ganz anders war als die verstaubte Bank in München. Vor allem das Geschäft mit den Sponsoren habe ihn interessiert.

Dass er sich damit als Vorstandsmitglied der BayernLB "zwischen alle Stühle setzt", das sei ihm erst mit der Zeit bewusst geworden, das habe er auch immer wieder ausgeblendet: "Mir wurde klar, dass ich auf relativ dünnen Eis wandelte".

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