Sonntag, 19. August 2018

Nach Kirch-Einigung Deutsche Bank vor weiterem Vergleich

Im Visier von Anwälten und Gerichten: Vor allem in den USA sieht sich die Deutsche Bank zahlreichen Forderungen ausgesetzt

Rund 800 Millionen Euro kostet die Deutsche Bank die Einigung mit den Kirch-Erben, was im Aufsichtsrat für erheblichen Ärger sorgt. Jetzt will Deutschlands größtes Geldhaus offenbar auch im Fall der Loreley-Fonds reinen Tisch machen.

Frankfurt am Main /Berlin - Die Deutsche Bank steht neben der erwarteten Einigung mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch laut einem Pressebericht kurz vor der Beilegung eines weiteren Rechtsstreits. Das Institut wolle sich mit den Loreley-Fonds vergleichen, berichtet die Zeitung "Die Welt" unter Berufung auf Finanzkreise.

Die inzwischen zur staatlichen Förderbank KfW gehörenden elf Gesellschaften hatten im Oktober in New York eine Schadenersatzklage über 440 Millionen US-Dollar (335 Millionen Euro) eingereicht, weil sie sich von der Deutschen Bank beim Verkauf von Wertpapieren betrogen fühlten.

Die Papiere wären bewusst so gestaltet, dass sie Verluste produzieren mussten, heißt es in der Klageschrift. Über die Höhe der Vergleichssumme schwiegen sich die beteiligten Parteien bislang aus, schreibt die Zeitung.

Die auf der britischen Kanalinsel Jersey beheimateten Fonds wurden einst von der Mittelstandsbank IKB gegründet. Als diese in der Finanzkrise in Schieflage geriet, wurde sie von der KfW aufgefangen. Die IKB hatte sich kräftig mit Wertpapieren verspekuliert. Einen Teil ihres Portfolios hatte sie in den Jahren 2005 bis 2007 von der Deutschen Bank gekauft.

Millionen-Vergleich mit Kirch-Erben sorgt für Ärger im Aufsichtsrat

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte auf seiner letzten Bilanz-Pressekonferenz Anfang Februar angekündigt, er wolle bis zu seinem Abschied Ende Mai noch einige Rechtsstreitigkeiten lösen. Es stünden einige Vergleiche an. Dafür legte er im vierten Quartal des vergangenen Jahres eine Summe von 380 Millionen Euro zurück. Ein Teil davon dürfte für die Loreley-Streitigkeiten reserviert worden sein. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte den Bericht nicht kommentieren.

Indes sorgt der geplante 800-Millionen-Euro-Vergleich der Bank mit Erben des Medienunternehmers Leo Kirch offenbar im Aufsichtsrat des Geldhauses für Ärger. Die Arbeitnehmervertreter fühlen sich durch den Vorstoß brüskiert, berichtet der "DER SPIEGEL" am Freitag vorab. "Wir wurden bisher in keiner Weise informiert", zitiert das Blatt ein Mitglied des Gremiums.

Der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann und der Aufsichtsratschef Clemens Börsig hätten stets gesagt, ein Vergleich komme nicht in Frage. Sie müssten erklären, warum es nun zu einer neuen Rechtseinschätzung gekommen sei.

Auch Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz verlangt dem Bericht zufolge eine stichhaltige Begründung für den Vergleich und eine Erklärung, "warum dafür zehn Jahre lang Bataillone von Anwälten beschäftigt wurden". In Anwaltskreisen werden die Kosten des Rechtsstreits für die Bank auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt.

rei/dpa/dapd

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