Sonntag, 23. Juli 2017

Gribkowsky-Prozess CVC-Chef wusste nichts von Zahlungen

Weiß, dass manche Verträge das Papier nicht wert sind: Bernie Ecclestone

Der Finanzinvestor CVC verwaltet Gelder von 30 Milliarden Euro. Sein Chef Donald Mackenzie gibt sich entsprechend seriös. Er wusste angeblich nicht, dass Bernie Ecclestone beim Formel1-Deal Geld von der BayernLB bekommen hat. Doch verteidigt er es im Nachhinein als gebräuchliche Übung.

München - Gerhard Gribkowsky hat Weihnachten und Sylvester im Gefängnis verbracht, wo er nun schon ein Jahr einsitzt. Am ersten Prozesstag im neuen Jahr darf der ehemalige Risikovorstand der BayernLB sich wieder einmal anhören, was für ein gerissener Bursche er ist und wie gefragt sie waren - seine profunden Kenntnisse über den Bertrieb der Formel1.

Es spricht Donald Mackenzie, Chef des britischen Finanzinvestors CVC Capital Partners. Der hat 2005 der BayernLB die knapp 50 Prozent der Formel1-Anteile abgekauft, die ihr nach der Kirch-Pleite zugefallen waren. Als Zeuge im laufenden Verfahren gegen Gribkowsky wegen Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vor dem Landgericht München I, referiert er zwei Stunden über die Historie der Treffen und Verhandlungen, mit denen CVC zwischen August und November 2005 zum Eigentümer der Formel1 wurde.

Mackenzie berichtet über Treffen mit Formel1-Chef Ecclestone als Drahtzieher des Deals und mit den beiden wichtigsten Figuren im Gesellschafterkreis: dem Sprecher von Ecclestones Familienholding Bambino, Stephen Mullens, und mit BayernLB-Vorstand Gribkowsky. Ein Pokerspiel, in dem alle so gleichgültig und abgebrüht wie möglich auftraten, obwohl Mackenzie längst klar war, dass vor allem die BayernLB geradezu verzweifelt nach einem Verkauf der lästigen Anteile trachtete, wie er vor Gericht aussagt.

So gleichgültig wie möglich

"Mein Job war, drei Leute zum Jasagen zu bewegen", sagt Zeuge Mackenzie. Außerdem musste er für die Übernahme eine höchst riskante Kreditfinanzierung von 1 Milliarde Dollar mit der Royal Bank of Scotland eintüten und das ganze Geschäft intern den Aufsichtsgremien von CVC schmackhaft machen.

Das damals wohl größte Risiko, dass die Formel1-Teams der Autohersteller wie angedroht aus der Ecclestone-Veranstaltung aussteigen und sie damit wertlos machen würde, habe er, Mackenzie, als "eigentlich überschaubar" eingeschätzt.

Außerdem habe er von Ecclestone Garantien verlangt und mit einer persönlichen Haftung in Höhe von 100 Millionen Dollar verknüpft, sagt der CVC-Chef. Dafür habe man Ecclestone dann im Zuge der Übernahme aber auch zu 5 Prozent am Formel1-Unternehmen beteiligt. Gribkowsky dagegen habe man unbedingt im Board der Formel1-Gesellschaft haben wollen, zumindest ab dem zweiten Angebotsentwurf im September 2005: "Seine Sachkenntnis war für uns von großer Bedeutung".

Vertragsbruch- auf den ersten Blick

Was wusste Mackenzie von den Zahlungen der BayernLB an Ecclestone und Bambino (zusammen 66 Millionen Dollar), die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Verkauf der Formel1-Anteile flossen? Was wusste er von den 44 Millionen Dollar, die Gribkowsky in der Folge von Ecclestone und Bambino erhielt? Nichts habe er davon gewusst, bis er es im Februar 2011 der Presse entnommen habe, sagt der Zeuge.

Die Zahlung der BayernLB an Ecclestone sei nicht mit CVC abgesprochen gewesen und hätte laut Kaufvertrag sofort offengelegt werden müssen, bestätigt Mackenzie. Er sagt auch, dass "der Mann, der für die Firma arbeitet, die uns gehört" damit Vertragsbruch begangen habe - "auf den ersten Blick", wie er abmildert. Ecclestone habe die Zahlung als private Angelegenheit zwischen ihm und den Gesellschaftern bezeichnet.

Offenbar war das für Mackenzie aber kein Grund, gegen Ecclestone vorzugehen. Obwohl der Vorsitzende Richter Peter Noll gar nicht danach fragt, beeilt sich Mackenzie zu Protokoll zu geben, dass solche Übereinkünfte wie zwischen der BayernLB und Ecclestone geschäftliche Praxis, ja an der Tagesordnung seien. "Ein Anreiz für die Geschäftsleitung ist bei solchen Übernahmen üblich. Weder der Inhalt noch die Konditionen hätten mich überrascht".

Und die Zahlungen an Gribkowsky, hat er sich bei Ecclestone nach ihnen erkundigt? Ja, aber Ecclestone habe sich zunächst nicht erinnern können. Dann habe Ecclestone ihn am 2. Februar 2011 in sein Büro gebeten und gesagt, die Zahlung hänge mit dem Wissen Gribkowskys über bestimmte steuerliche Probleme Ecclestones zusammen, das er in seiner Rolle als Gesellschafter der Formel1 erlangt habe. Auch damit gab sich Mackenzie wohl zufrieden. Gribkowsky macht es wie schon seit dem 24. Oktober 2011, als sein Prozess begann: Er lächelt und schweigt.

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