Mittwoch, 27. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Kapitalerhöhung Unicredit hofft auf Hilfe aus Libyen

Von Verona bis Tripolis: Unicredits Ringen um Geldgeber
Fotos
DPA

Als erste europäische Großbank wagt sich Unicredit mit der Ausgabe neuer Aktien vor, um den neuen Kapitalvorschriften zu genügen. Dafür macht sich der HypoVereinsbank-Mutterkonzern von politischen Ränken abhängig, die von der venezianischen Provinz bis in die Wüste Libyens reichen.

Hamburg - Mit starken Worten schwört Dieter Rampl die Aktionäre ein. "Jede Kapitalerhöhung ist wie ein Pakt der Ehre, ein Pakt des Vertrauens", sagte der Unicredit-Aufsichtsratschef auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Rom am Donnerstag. Rampl weiß, dass die Bank ihren Gesellschaftern mit der in Rom beschlossenen Ausgabe neuer Aktien, die im Januar beginnen soll, einiges abverlangt.

Zum dritten Mal in drei Jahren bittet Unicredit um Milliarden an neuem Kapital, und diesmal ist der angemeldete Bedarf mit 7,5 Milliarden Euro besonders hoch - zumal der Börsenwert des Konzerns unter 15 Milliarden gesunken ist und die Anteile der Altaktionäre entsprechend verwässert werden, wenn sie nicht mitziehen. Außerdem streicht die Bank ihre Dividende und hat infolge beinahe elfstelliger Abschreibungen erstmals ein Geschäftsquartal mit Verlust abgeschlossen.

Ausgerechnet jetzt, da Anleger alles meiden, was mit Banken oder Italien zu tun hat, startet die führende italienische Bank die größte Geldsammlung ihrer Geschichte. Es gilt, Anfang 2012 die von der Europäischen Bankenaufsicht zum Ziel einer harten Kernkapitalquote von 9 Prozent festgestellte Acht-Milliarden-Lücke zu schließen.

Begleitende Banken dürften zu hohem Rabatt neigen

Die Unicredit, die als erste und bislang einzige europäische Großbank mit der Ausgabe neuer Aktien reagiert, nimmt die neue Vorgabe klaglos hin - während der italienische Bankenverband ABI mit rechtlichen Schritten droht, weil Europa die Banken "zu unnötigen Kapitalerhöhungen mit erheblichen negativen Folgen zur Unzeit" zwinge. Zu Jahresbeginn hatte Unicredit entsprechende Wünsche des damaligen italienischen Notenbankchefs Mario Draghi noch ignoriert, anders als Wettbewerber wie Intesa Sanpaolo Börsen-Chart zeigen.

Daran, dass die 7,5 Milliarden Euro zusammenkommen, hegt Analyst Christoph Bossmann von der WestLB keinen Zweifel. "Das Bankenkonsortium hat das unterschrieben." Diese Garantie könnte allerdings zum Nachteil der Altaktionäre geraten: "Es ist davon auszugehen, dass die Banken vorsichtig vorgehen und einen sehr hohen Rabatt gewähren werden", um nicht auf großen Aktienpaketen sitzenzubleiben, meint Bossmann. Bis zu 900 Millionen Euro müssten die einzelnen am Konsortium beteiligten Banken dann aus eigener Tasche zahlen. Der Deal ist so heiß, dass die US-Branchenführer Goldman Sachs und Morgan Stanley auf eine Teilnahme verzichteten, als ihnen eine mit hohen Gebühren versüßte Führungsrolle versagt wurde.

Der italienische Broker Intermonte schätzt den Ausgabekurs der neuen Aktien deshalb auf 40 Cent, während der Unicredit-Kurs Börsen-Chart zeigen aktuell um 70 Cent schwankt. Demnach müsste die Zahl der Anteilsscheine nahezu verdoppelt werden. Von großen Geldgebern wie Staatsfonds aus China oder Katar, die im November gerüchteweise ins Spiel gebracht wurden, war zuletzt nichts mehr zu hören.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH