Freitag, 22. Februar 2019

Krisenangst Banken stutzen ihr Osteuropageschäft

RBI-Chef und Osteuropafreund Stepic: "Ungarn kostet uns viel Geld und Nerven"

Die Euro-Krise zieht ihre Kreise weiter nach Osten. Die eigene Not treibt westeuropäische Banken dazu, Kredite in Osteuropa zu verknappen. Mehrere Tochterinstitute in der Region stehen schon komplett zum Verkauf, finden aber keine Bieter. Wieder geht die Angst vor Kapitalflucht um.

Hamburg - Wenn selbst Herbert Stepic Geschäft in Osteuropa infrage stellt, läuft etwas schief. Ganz persönlich hat der Chef der Raiffeisen Bank International (RBI) die starke Wiener Finanzpräsenz im Osten von Anfang an mit aufgebaut, und ganz persönlich schenkt er schon mal für seine "H. Stepic CEE Charity" Glühwein aus, um Spenden für die Region zu sammeln. Die Ost-West-Bindung ist ihm ein Herzensanliegen. Als "Nonsens" geißelt er die Sorge der Anleger, das hohe Osteuroparisiko der Banken könne Österreichs Staatsfinanzen gefährden.

Und nun das: "Durchaus möglich, dass wir uns aus dem einen oder anderen Land zurückziehen", erklärte Stepic zur jüngsten Quartalsbilanz der RBI Börsen-Chart zeigen, nachdem die Ungarn-Tochter einen hohen Verlust schrieb und Abschreibungen der Ukraine drohen. Die RBI soll künftig ihre Gewinne einbehalten. Laut Europäischer Bankenaufsicht braucht die Raiffeisen-Gruppe 2,5 Milliarden Euro zusätzliches Kapital. Im Vergleich zu Wettbewerbern steht die Bank, die in 17 Ländern der Region vertreten ist und Mittel- und Osteuropa als ihren "Heimmarkt" betrachtet, aber noch gut da.

Die Wiener Sparkassenholding Erste Group Börsen-Chart zeigen und die Österreichische Volksbanken-AG Börsen-Chart zeigen erwarten wegen der Probleme in Osteuropa Jahresverluste in Milliardenhöhe. Einen ähnlich hohen Betrag musste jüngst die italienische Unicredit Börsen-Chart zeigen in ihrer Wiener Tochter Bank Austria abschreiben, die das größte Bankennetz in der Region verwaltet.

Mit ihrer gewaltigen Kapitalerhöhung kündigte die Unicredit eine neue Strategie an. "Unangefochtener Marktführer" im Osten will sie bleiben, "aber mit einer selektiveren Auswahl profitabler Wachstumsmöglichkeiten". Auf welche Länder der Konzern künftig setzt, hängt davon ab, inwiefern sich das Geschäft dort selbst trägt.

Die Preise für osteuropäische Banken sinken

Andere westliche Banken, meist selbst Problemfälle, haben längst den Rückzug angetreten:

  • Ende 2010 verkaufte die vom Staat gestützte irische Allied Irish Banks Börsen-Chart zeigen ihre polnische Tochter Bank Zachodni WBK für vier Milliarden Euro an Santander Börsen-Chart zeigen. Das galt noch als Muster für einen geduldigen, wertschonenden Verkauf;
  • in diesem Frühjahr gab die griechische EFG Eurobank Börsen-Chart zeigen ihre Polbank ebenfalls in Polen für 490 Millionen Euro an die RBI ab;
  • zum Jahreswechsel geht die Volksbanken International, die neben den österreichischen Volksbanken auch den deutschen und französischen Genossen gehört, mit Filialen in acht osteuropäischen Ländern an die russische Sberbank Börsen-Chart zeigen. Das mit einem hohen Anteil schwieriger Fremdwährungskredite belastete Rumäniengeschäft wollten die Russen aber nicht haben, außerdem drückten sie zuletzt noch den Kaufpreis auf den Buchwert von rund 500 Millionen Euro;
  • ebenfalls noch in diesem Jahr sucht die portugiesische BCP Börsen-Chart zeigen einen Käufer für die polnische Bank Millennium, ebenso wie die belgische KBC Börsen-Chart zeigen für die Warschauer Kredyt Bank. Spekulationen über Bieter gab es viele - die Ratingagentur Reuters zitiert jedoch Bankquellen, denen zufolge die Angebotsfristen Ende November ohne eine einzige Zusage verstrichen;
  • Polen gilt aber noch als attraktivster Zielmarkt. Für die KBC war der Kredyt-Bank-Verkauf schon als Plan B gedacht, weil die Belgier sich von den als EU-Auflage für vergangene Staatshilfe geplanten Börsengängen der Töchter SOB in Tschechien und K&H in Ungarn keine ausreichenden Erlöse mehr erhofften.

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