Mittwoch, 19. Dezember 2018

Verfügung gegen Sal. Oppenheim Middelhoff fordert Millionen zurück

Bankenskandal: Aufstieg und Fall des Hauses Sal. Oppenheim
DPA

Immer mehr reiche Kunden des Bankhauses Sal. Oppenheim gehen rechtlich gegen das Institut vor. Der einstige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat einen Antrag auf einstweilige Verfügung eingereicht, der zunächst aus formellen Gründen abgewiesen wurde. Middelhoff fordert Geld aus Immobilienfonds zurück, die die Bank mit ihrem Partner Josef Esch aufgelegt hatte.

Hamburg - Immer mehr Anleger wehren sich gerichtlich gegen Sal. Oppenheim und Josef Esch. Die Kunden gehen rechtlich gegen das Bankhaus vor, das nach der Beinahepleite im Jahr 2009 der Deutschen Bank gehört. Wie das manager magazin in der Titelstory seiner heute (Freitag, 18.11.) erscheinenden Ausgabe berichtet, haben der einstige Bertelsmann- und Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und seine Ehefrau Cornelie (beide 58) beim Landgericht Köln den Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen Sal. Oppenheim eingereicht.

Die zuständige Kammer verneinte jedoch die Eilbedürftigkeit. Nun haben die Middelhoffs Beschwerde gegen den Beschluss eingereicht.

Es geht um schlecht laufende Immobilienfonds, die die Bank mit ihrem Troisdorfer Partner Josef Esch (55) initiiert hatte. manager magazin zeigt Esch auf der Titelseite als den "Paten von Köln".

Die Middelhoffs wollen laut manager magazin per Gerichtsbeschluss die Rückabwicklung ihrer Beteiligungen an acht Fonds erreichen. Zudem wollen sie die Auszahlung ihrer bei Sal. Oppenheim angelegten Festgelder in Millionenhöhe erzwingen, bei denen Sal. Oppenheim ein Pfandrecht geltend macht.

Deichmann, Pfeil, Middelhoff: Aufstand der reichen Klientel

Vor dem Verfügungsantrag der Middelhoffs hatten bereits die Schuhhändlerfamilie Deichmann und der ehemalige Deutsche-Bank-Manager Axel Pfeil (58) Klagen auf Rückabwicklung ihrer Fondsbeteiligungen beziehungsweise Schadenersatz erhoben. Auch weitere Bankkunden wie Maxdata-Gründer Holger Lampatz, die ehemalige Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz (68) sowie die Familie Kreke (Douglas, Thalia) erwägen nach Angaben von manager magazin gerichtliche Schritte gegen Oppenheim bzw. Esch.

Einige der opponierenden Klienten haben sich mit ihren Anwälten in einer lockeren Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, die sie "Return to sender" nennen - sie wollen der "kommerziellen Vereinigung" (manager magazin) Esch und Oppenheim die Fondsanteile zurückschicken.

Der Schriftsatz der Middelhoffs ist mehr als 100 Seiten stark und enthält mehr als 100 Anlagen. Ihr Anwalt Winfried Holtermüller (Kanzlei Schelling & Partner) zeichnet laut manager magazin ein detailliertes Bild des "ungeheuerlichen Systems Oppenheim/Esch": Die Bank habe mit ihrem guten Namen vertrauensselige Kunden angelockt, damit sie in die Fonds investieren. Dabei seien bis zu fast 40 Prozent der investierten Gelder als so genannte weiche Kosten abgezweigt worden, diese Summen seien größtenteils Esch und Sal. Oppenheim zugeflossen. Laut Holtermüller hätten die Fonds "ein reines Kapitalbeschaffungsinstrument der Oppenheim/Esch-Gruppe zum Schaden der Kundenseite" dargestellt.

Warenhausfonds mit Karstadt als Mieter

Im Jahre 2002 habe der damalie Bankchef Matthias Graf von Krockow (62) den Middelhoffs schriftlich drei Warenhausfonds in Leipzig, München und Karlsruhe angepriesen, ohne in dem Brief zu erwähnen, dass der Mieter jeweils Karstadt sei. Die schwierige finanzielle Lage der Warenhausfirma sei aber damals bereits in der Kreditabteilung von Sal. Oppenheim bekannt gewesen, die Bank habe Angst um ihre an die Großaktionärin Madeleine Schickedanz ausgeliehenen Millionen gehabt.

Middelhoff kam erst 2004, zunächst als Aufsichtsratschef, zum Karstadt-Mutterkonzern Arcandor. 2009 meldeten Karstadt und Arcandor Insolvenz an. Seitdem zahlt Karstadt weit weniger Miete an die Fonds als ursprünglich vereinbart.

Die Bank teilt zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen mit, sie könne sich "auch aufgrund noch anhängiger rechtlicher Verfahren nur begrenzt äußern". Eine Verantwortung gegenüber den Fondszeichnern, so das manager magazin, scheine sich die heutige Bankführung unter dem ehemaligen Deutschbanker Wilhelm Haller von Hallerstein (59) nicht bewusst zu sein. Sal. Oppenheim habe sich damit gerechtfertigt, dass die Anleger "ihr Engagement in aller Regel vorab ausführlich mit ihren Rechts- und Steuerberatern geprüft" hätten.

Es werde jedoch jeder Einzelfall untersucht, sofern "das Bankhaus mit Forderungen von Gesellschaftern der Oppenheim-Esch-Grundstücksgesellschaften konfrontiert" werde.

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