Dienstag, 17. Juli 2018

Nach Handelsskandal UBS-Chef Grübel gibt auf

Abgang mit Makel: Oswald Grübel hat die UBS wieder profitabel gemacht, doch auch riskante Spekulationen der Investmentsparte weiter zugelassen

Oswald Grübel tritt als Chef der Schweizer Großbank UBS zurück. Der 67 Jahre alte Bankenveteran zog am Samstag die Konsequenzen aus dem milliardenschweren Handelsskandal der vergangenen Woche. Europa-Chef Sergio Ermotti springt ein, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Zürich - Er habe den Entschluss nicht leichten Herzens gefasst, schrieb Grübel in einem internen Memo an die Mitarbeiter. Der Verlust von 2,3 Milliarden Dollar, den ein Händler in London der Bank eingebrockt hatte, habe weltweit Schockwellen ausgelöst, auch in der Politik, erklärte er.

Der UBS-Verwaltungsrat, der bis Freitag in Singapur getagt hatte, wollte Grübel noch von seinem Entschluss abbringen, erklärte UBS-Präsident Kaspar Villiger am Samstag in einer Telefonkonferenz in Zürich. Aber "Oswald Grübel betrachtet es als seine Pflicht für den kürzlichen Vorfall im Zusammenhang mit dem unautorisierten Handel die Verantwortung zu übernehmen". Der Verwaltungsrat wollte ihn mindestens bis 2012 halten.

Grübel war das wohl nicht genug. Aber er schlief noch eine Nacht darüber: Am Samstagvormittag teilte er dem Verwaltungsrat dann in einer Telefonkonferenz seinen Entschluss mit. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Europa-Chef Sergio Ermotti einspringen und die Bank vorübergehend leiten.

Kein Goldener Handschlag für Grübel

Der 51 Jahre alte Tessiner war im Frühjahr zur UBS Börsen-Chart zeigen gekommen. Davor war er die Nummer zwei bei Unicredit Börsen-Chart zeigen gewesen, wo er es nach dem Rücktritt des damaligen Vorstands-Chef Alessandro Profumo nicht an die Sitze schaffte. Ermotti sei auch ein starker Kandidat für die endgültige Grübel-Nachfolge, sagte Villiger weiter. Der Banker kennt sich in der Vermögensverwaltung wie auch im Investmentbanking aus, das er bei Merrill Lynch gelernt hat. Dort war er 18 Jahre lang, bevor er 2005 zu Unicredit wechselte.

UBS will aber auch Kandidaten von außerhalb anschauen. Dabei ist nach Villigers Worten auch der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber eingebunden, der 2012 in den UBS-Verwaltungsrat gewählt und 2013 zu dessen Präsidenten ernannt werden soll. Der immer wieder ins Gespräch gebrachte Risikovorstand der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, Hugo Bänziger, dürfte nach Ansicht gut informierter Kreise kein Interesse an dem UBS-Chefposten haben.

Eine Abgangsentschädigung erhält Grübel nicht. Er hatte bei UBS bisher auf einen Bonus verzichtet und sich mit seinem Grundgehalt von rund drei Millionen Franken begnügt, das er bei seinem Amtsantritt im Februar 2009 ausgehandelt hatte. Damals stand die Bank am Rande des Abgrunds und holte Grübel aus dem Ruhestand als Sanierer.

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