Sonntag, 25. Februar 2018

Eigenkapital Finanzakrobaten haben's künftig schwerer

Weniger Lust am Risiko: Dieses Ziel verfolgen Aufseher, indem sie globalen Banken höhere Eigenkapitalanforderungen auferlegen werden

Systemrelevante Großbanken müssen künftig ihre Risiken mit 9,5 Prozent echtem Eigenkapital unterlegen - das ist fünfmal so viel wie bislang. Die Aufseher wollen damit eine weitere von Banken ausgelöste Finanzkrise verhindern. Die Deutsche Bank wird wohl zu den Instituten mit den schärfsten Auflagen zählen.

Basel/Frankfurt am Main - Die wichtigsten Banken der Welt sollen sich mit großen Kapitalpuffern künftig besser vor dem eigenen Zusammenbruch schützen. Die Bankenaufseher und Notenbanker aus 27 Ländern, die den Baseler Ausschuss führen, beschlossen am Samstag, dass Großbanken ihre Risiken mit bis zu 9,5 Prozent echtem Eigenkapital unterlegen müssen, das ist fast fünf Mal so viel wie bisher. Die Auflagen müssen allerdings erst bis Ende 2018 voll erfüllt werden. Davon betroffen ist auch die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, die die künftige Hürde mit 9,6 Prozent derzeit nur knapp überspringt.

Die internationalen Aufseher wollen mit den Zuschlägen für die sogenannten "global systemrelevanten Banken" verhindern, dass diese wie vor der Finanzkrise je wieder so große Risiken eingehen, dass sie die ganze Wirtschaft ins Wanken bringen und von den Steuerzahlern mit Milliarden gerettet werden müssen.

"Diese Maßnahmen werden die Widerstandskraft (der Großbanken) stärken und ein starker Anreiz dafür sein, dass sie mit der Zeit ihre Systemrelevanz abbauen", erklärte der Baseler Ausschuss, in dem die weltweit wichtigsten Bankenaufseher vereinigt sind. Denn wenn sich eine der Großbanken nach ihrer Auffassung noch stärker aufbläht als bisher, kann gegen sie sogar eine Kapitalauflage von einem weiteren Prozent verhängt werden.

Der Zuschlag für die Großbanken von 1,0 bis 2,5 Prozent auf den Kapitalpuffer von 7,0 Prozent, den alle Institute nach dem "Basel III"-Regelwerk von 2013 bis 2019 aufbauen müssen, wird gestaffelt. Die fünf Kriterien dafür sind die schiere Größe einer Bank, aber auch ihre Vernetzung im weltweiten Bankensystem und ihre Bedeutung dafür, ihre Komplexität sowie die globale Ausdehnung. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erklärte, die Vereinbarungen trügen dazu bei, die "negativen externen Effekte und die Versuchungen anzugehen, die von global systemrelevanten Banken ausgehen". Trichet führt den Gouverneursrat des Baseler Ausschusses.

Deutsche Bank muss mit den schärfsten Puffern rechnen

Wie viele Banken von den verschärften Regeln betroffen sein sollen, blieb offen. Das soll der Finanzstabilitätsrat FSB unter Führung des designierten EZB-Präsidenten Mario Draghi Mitte Juli festlegen. Das letzte Wort haben im November die Politiker der G20-Staaten. Im Vorfeld war von 25 bis 30 Instituten die Rede, Frankreich drängt auf eine möglichst hohe Zahl. Wenn die Liste 30 Namen umfasst, wäre laut Finanz- und Aufsichtskreisen aus Deutschland auch die Commerzbank dabei. Die Deutsche Bank dürfte sogar zu den Instituten gehören, die den höchsten Puffer auferlegt bekommen, reine Investmentbanken rangieren eine Stufe darunter.

Insgesamt haben die Aufseher Kreisen zufolge mehr als 70 Banken im Visier, die als global systemrelevant in Frage kämen. Ob sie die Kriterien erfüllen und damit die verschärften Anforderungen einhalten müssen, soll jedes Jahr von Neuem geprüft werden.

Pflichtwandelanleihen als Kapitalpuffer nicht zugelassen

Der Kapitalpuffer der Großbanken soll nach dem Willen der Aufseher ausschließlich aus hartem Kernkapital bestehen, also Aktien und Gewinnrücklagen. Davon müssen sie bisher gerade 2 Prozent vorhalten, einschließlich einiger Mischformen von Eigen- und Fremdkapital sind es 4 Prozent. Der Ausschuss sprach sich dagegen aus, dass die Großbanken die Kapitalanforderungen wie erhofft auch mit Hilfe von Pflichtwandelanleihen (CoCo-Bonds) erfüllen können, die sich in einer Krise in Aktien verwandeln. Auch die Forderung, nationale Bankenabgaben auf die Zuschläge anzurechnen, verhallte ungehört. Das sei "bedauerlich", sagte Dirk Jäger, Geschäftsführer Bankenaufsicht beim Bankenverband BdB. "Insgesamt haben uns die Beschlüsse wenig überrascht."

Verwendet werden können die CoCo-Bonds nur dafür, Auflagen der nationalen Aufseher zu erfüllen, die über die international geltenden Mindeststandards noch hinausgehen. Die Schweiz hat für ihre Spitzeninstitute Credit Suisse und UBS noch höhere Kapitalpuffer eingeführt, dafür aber auch CoCo-Bonds erlaubt.

rei/reuters

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