Donnerstag, 8. Dezember 2016

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Quirin Bank Die stille Revolution

Klein und fein: Das Hauptquartier der Quirin-Bank in Berlin

Das Geschäftsmodell der Quirin Bank wurde zuerst belächelt, dann kritisiert. Nach fünf Jahren kann Gründer Karl Matthäus Schmidt den Aktionären erstmals über schwarze Zahlen berichten - und still triumphieren.

Berlin - "Diese Hauptversammlung steht unter einem guten Stern", sagt Karl Matthäus Schmidt. "Wir haben unser Versprechen gehalten: Die Quirin Bank schreibt schwarze Zahlen." Damit habe das Geldinstitut bewiesen, dass sich Honorarberatung rechne.

Immerhin 547.000 Euro hat die Quirin Bank im Jahr 2010 verdient. 2009 stand demgegenüber noch ein Fehlbetrag von 7,4 Millionen Euro in den Büchern. Die Anlaufverluste hatten sich seit 2006 auf rund 25 Millionen Euro summiert.

Neben der Honorarberatung für Privatkunden ruht das Geschäftsmodell der Bank auf zwei weiteren Säulen: dem Investmentbankgeschäft für den Mittelstand und das Mandantengeschäft für Finanzdienstleister. So betreute die Quirin Bank beispielsweise die in Wismar ansässige German Pellets GmbH, einen der größten Holzpelletshersteller Europas, bei der Platzierung einer Unternehmensanleihe. Für die Abwicklung und Regulierung von Wertpapiergeschäften und bei der Wertpapierverwaltung hat die Quirin Bank zum Beispiel die Privatbank Julius Bär Deutschland als Kunden.

Auf der Hauptversammlung beschränkt sich Schmidt in seinem Jahresresümee aber im Wesentlichen um das prominenteste Geschäft der Bank: die Honorarberatung. "Wir haben die Gründungs- und Start-up-Phase hinter uns gebracht", sagt Schmidt. Nun beginne die Phase zwei, die "Excellence-Phase". Bis Ende 2014 sollen 20.000 Kunden gewonnen werden. Gut 8000 sind es derzeit.

Die Krawatte bleibt wieder im Schrank

Der Unternehmer verkündet an diesem Tag selbstbewußt den "Durchbruch der Honorarberatung" in Deutschland - woran zumindest die Aktionärsschützer im späteren Verlaufe der Hauptversammlung mit Blick auf den geringen Marktanteil der Bank Zweifel anmelden.

Dennoch. Es soll die zweite Revolution im Bankenwesen sein, die mit dem Namen Karl Matthäus Schmidt verbunden ist. Die zweite Revolution, für die er seit seinem 37. Lebensjahr kämpft, ist stiller als die erste, die er im Alter von 24 Jahren los trat. Damals, als Vorstandsvorsitzender von Consors, ließen er und seine Kollegen sich für den Geschäftsbericht schon mal mit freiem Oberkörper ablichten.

Schmidt hat sich angepasst - zumindest ein bisschen. Einst wurde er von der Wirtschaftspresse als "Turnschuhbanker" oder als "Banker ohne Krawatte" bezeichnet. Turnschuhe, sagt er, habe er aber nie getragen. Und mit dem Schlips hat er es nach der Gründung der Quirin Bank zumindest probiert. Als aber die "Börsenzeitung" einmal schrieb, "mit viel zu engem, wohl erstmals gebundenem Schlipsknoten, erläuterte der neu gebackene Private Banker die Strategie seines Hauses", blieb die Krawatte doch wieder im Schrank.

Doch auch ohne Schlips ist heute vieles anders als in jenen Jahren, in denen er das erste Mal den Aufstand gegen das deutsche Bankwesen probte.

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