Montag, 17. Dezember 2018

Finanzvorstand Ermisch verlässt kriselnde BayernLB

Verlässt die Bayerische Landesbank: Finanzvorstand Stefan Ermisch

Wie groß der Unfrieden bei der Bayerischen Landesbank ist, zeigt der Abgang des Finanzvorstands Stefan Ermisch. Offenbar wollte er sich dem Vorstandsvorsitzenden Gerd Häusler nicht unterordnen. Aber auch die Zukunft der Bank wirkt bedrückend.

München - Stefan Ermisch, 44, wird die Bayerische Landesbank Ende April verlassen. Das gab er heute bei der Jahrespressekonferenz bekannt. Er scheide in bestem Einvernehmen. Vorstandschef Gerd Häusler würdigte Ermischs Anteil im Sanierungsprozess der Bank und dankte ihm.

Einen neuen Finanzvorstand benannte der Verwaltungsrat nicht - vielleicht auch mangels Kandidaten. Das Vorstandsmitglied Stephan Winkelmeier, seit Mitte 2010 bei der BayernLB und für die hausinterne "Bad Bank" zuständig, übernimmt Ermischs Aufgaben zusätzlich.

Schon im Herbst kursierten Gerüchte, Ermisch habe sich mit Vorstandschef Gerd Häusler überworfen. Als dieser seit dem Sommer die Fusion mit der Düsseldorfer WestLB verfolgte, soll Ermisch sich massiv dagegen gewandt haben. Wo die Fronten im Vorstand genau verliefen, ist nicht ganz klar. Jedenfalls blies Häusler die Fusion Anfang November ab - zum Erstaunen der gesamten Branche, wenn nicht zu ihrer Bestürzung.

Ermisch hatte kurz danach signalisiert, die Bank stehe ganz gut da, habe Zeit, sich in Ruhe zu restrukturieren und sei ohnehin "ein starker Spieler im deutschen Bankenmarkt". Man werde beim Thema Konsolidierung "nicht morgen was Neues machen". Nur eine Woche später erklärte der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon, in dieser Funktion Verwaltungsratsvorsitzender der BayernLB, genau das Gegenteil: Er wolle bald mit der Landesbank Baden-Württemberg und der Landesbank Hessen-Thüringen ins Gespräch kommen.

Spätestens seit Herbst auf dem Absprung

Daraus ist bisher nichts geworden, und jetzt stehen die Zeichen eher wieder auf einen ewigen Verbleib der BayernLB beim Freistaat Bayern: als bescheidener Behüter des bayerischen Mittelstands, geknechtet von noch unbekannten Auflagen der EU-Kommission.

Ermisch als Insider kann diese Auflagen wahrscheinlich halbwegs einschätzen. Der agile Banker mit seinem kantigen Kinn und dem strengen Zug um die Mundwinkel dürfte sich seinen zukünftigen Arbeitgeber anders vorstellen.

Schon im Herbst soll er Headhunter beauftragt haben, einen neuen Posten für ihn zu suchen. Wo er jetzt fündig geworden ist, wollte er heute nicht sagen. Ermutigend für die Zurückbleibenden ist sein Weggang nicht.

Ermisch genießt einen guten fachlichen Ruf in der Bilanzierung und Steuerung von Banken und hat eine steile Karriere hingelegt. Er begann als Analyst bei verschiedenen Banken, unter anderem bei der WestLB, wechselte dann 1998 zur frisch fusionierten HypoVereinsbank (HVB) in München, war zunächst Leiter Kapitalmarktkommunikation, dann Konzernstratege, später Finanzvorstand der HVB-Tochter Bank Austria, darauf COO des Investmentbanking. 2008 wechselte er als Finanzvorstand zur BayernLB und wurde Stellvertreter des damaligen Vorstandsvorsitzenden Michael Kemmer.

Als dieser im Dezember 2009 zurücktreten musste, leitete Ermisch kommissarisch die Bank. Doch schon im Januar wurde klar, dass ihm das 14 Jahre ältere Verwaltungsratsmitglied Gerd Häusler als neue Dauerlösung vor die Nase gesetzt werden würde, was dann im April 2010 auch geschah. Häusler, der zuletzt für den belgischen Finanzinvestor RHJ tätig war, gilt als sehr autokratischer Managertyp, der nicht viel Zeit darauf verwendet, seine Truppen hinter sich zu sammeln. Ein Branchenkenner meint: "Vielleicht sind hier zwei Alphatiere aneinandergerauscht".

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