Sonntag, 26. Juni 2016

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Klage wegen fehlender Unterschrift Formfehler im Sukuk-Geschäft könnte BNP Millionen kosten

Baustelle Riad: Für BNP Paribas könnte das Engagement in islamischen Finanzprodukten ein teures Nachspiel haben

Es ist nur wenige Jahre her, da galten islamische Finanzprodukte als das Wachstumsfeld schlechthin. Jeder wollte daran mitverdienen. Allen voran die großen Banken.

Ein Megadeal aus dem Jahr 2007 könnte BNP Paribas nun allerdings teuer zu stehen kommen. Denn offenbar ist der französischen Großbank bei der Herausgabe eines 650 Millionen Dollar schweren islamischen Finanzproduktes ein Formfehler unterlaufen, der sich für den damaligen Konsortialführer acht Jahre später noch rächen könnte.

Weil auf dem sogenannten Sukuk, einer Art Unternehmensanleihe nach islamischem Recht, offenbar eine eigenhändige Unterschrift des verantwortlichen saudischen Geschäftsmannes Maan al-Sanea fehlte, hat der Treuhänder des Sukuk die Bank nun vor Gericht gezerrt, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet.

Der Vorwurf: BNP habe als Arrangeur, Manager und alleiniger so genannter "Bookrunner" fahrlässig gehandelt und Vertragsbruch begangen, indem die Bank versäumte, die nötige eigenhändige Unterschrift einzuholen. Ohne sie, so der Vorwurf, sei das Geschäft wertlos und die Aussicht für die Investoren, in Saudi Arabien zu ihrem Recht zu kommen, wenig aussichtsreich.

Rückzahlung der Anleihe sollte durch Unterschrift garantiert sein

Doch genau das ist für die Investoren enorm wichtig. War der 650 Millionen schwere Sukuk doch das bislang wertvollste islamische Investmentvehikel, das in der Finanzkrise 2009 notleidend wurde, nach dem die herausgebende Saad Gruppe Kredite in Höhe von mehreren Milliarden Dollar nicht mehr bedienen konnte. Aktuell notiert der Kurs laut Bloomberg bei vier Cent pro Dollar Nennwert.

Ursprünglich sollte Golden Belt 1 bis 2012 laufen und die Halter halbjährlich - wie bei islamischen Finanzprodukten üblich - anstelle von Zinsen halbjährliche Zahlungen aus Mieteinnahmen der mit dem Geld finanzierten Immobilien erhalten. Die Rückzahlung der Anleihe sollte durch die Unterschrift Saad-Chef Maan Al-Sanea garantiert sein.

Wieviel genau die Golden-Belt-Treuhänder von BNP erklagen wollen, war zunächst nicht bekannt. Ebenso wenig ob die Klage überhaupt Aussicht auf Erfolg hat. Bloomberg berichtete lediglich über eine Forderung an BNP Paribas, "die Verluste auszugleichen". Um wen es sich bei den Investoren von Golden Belt handelt, wurde nicht erwähnt. BNP Paribas kündigte an, sich gegen die Anwürfe wehren zu wollen.

Al-Sanea (Saad) und die mit ihm familiär verbundene saudische Familie Gosaibi (Ahmad Hamad Algosaibi & Brothers ) standen im Zentrum einer der spektakulärsten Pleiten im Nahen Osten. Der Zusammenbruch der beiden miteinander verbundenen Firmenkonglomerate im Zuge der Finanzkrise 2009 kostete mehr als 100 Banken mehrere Milliarden Dollar. Seitdem bekämpfen sich die beiden Firmen in einer nicht enden wollenden Prozessflut.

Die Klage gegen BNP Paribas ist vor dem High Court of Justice in London anhängig.

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