Samstag, 18. November 2017

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Hohe Sonderlasten Deutsche Bank halbiert Quartalsgewinn, Einnahmen steigen

Sinnreiche Spiegelung: Die Deutsche Bank hat nach hohen Sonderlasten ihren Nettogewinn im ersten Quartal halbiert, allerdings gab es milliardenschwere Altlasten

Vor ihrem radikalen Kurswechsel haben Altlasten der Deutschen Bank erneut die Bilanz verdorben. Im ersten Quartal halbierte sich der auf die Aktionäre entfallende Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 544 Millionen Euro, wie das Institut am Sonntag mitteilte. Die Bank hatte in der vergangenen Woche bereits angekündigt, weitere 1,5 Milliarden Euro für juristische Niederlagen zurückzulegen. Damit machten die Altlasten wieder einmal den Aufschwung im Tagesgeschäft zunichte.

Die Einnahmen verbesserten sich vor allem dank eines anziehenden Handelsgeschäfts um nahezu fast ein Viertel auf 10,4 Milliarden Euro und erreichten damit fast Rekordniveau. "Wir starten die nächste Phase unserer Strategie aus einer Position der Stärke", erklärten die beiden Vorstandschef Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Die Ergebnisse zeigten, dass das Institut deutlich stärker als zu ihrem Amtsantritt 2012 sei.

Allerdings hinterließen die hohen Kosten für Altlasten erneut tiefe Spuren in der Bilanz. Wegen ihrer Verwicklungen in den Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze hatten britische und amerikanische Behörden die Bank am Donnerstag zu einer Zahlung von 2,5 Milliarden Dollar verdonnert. Es war die bislang höchste Strafe gegen ein internationales Geldhaus in diesem Fall und mehr als zuletzt angenommen.

Für Rechtsrisiken von 3,2 Milliarden Euro noch keine Rücklagen gebildet

Deshalb musste die Bank die Rückstellungen für juristische Niederlagen auf 4,8 Milliarden Euro erhöhen. Hinzu kommen weitere Risiken von 3,2 Milliarden Euro, für die noch keine Rücklagen gebildet wurden. Größter noch offener Sorgenfall sind noch windige Geschäfte mit verbrieften Immobilienkredite in den USA aus der Zeit der Finanzkrise.

Wie viele Konkurrenten profitierte die Deutsche Bank zu Jahresbeginn vom kräftig anziehenden Handelsgeschehen an den Finanzmärkten. Angesichts neuer Unsicherheiten etwa durch die sich abzeichnende Zinswende in den USA und die geldpolitische Offensive im Euroraum schichteten Anleger ihr Geld stärker um. Daran verdienen Banken mit starker Handelsausrichtung wie die Deutsche Bank.

Dass die Sonderlasten am Ende dennoch halbwegs zu verschmerzen waren, lag auch am starken Geschäft im Investmentbanking. Die Kapitalmarktsparte lieferte vor Steuern einen Gewinn von 643 Millionen Euro ab, obwohl sie sie Kosten für die Milliardenstrafe maßgeblich zu tragen hatte.

Investmentbanking und Privatkundengeschäft operativ mit soliden Zahlen

Aber auch in den anderen Geschäftsbereichen lief es gut. So steigerte das Privatkundengeschäft, das die Bank mit der Trennung von der Postbank stark schrumpfen will, ihren Vorsteuergewinn trotz der historisch niedrigen Zinsen um fast 13 Prozent auf 536 Millionen Euro. Fast verdoppeln konnte die Vermögensverwaltung ihr Ergebnis und auch im Transaktionsgeschäft gab es Zuwächse. "Dies verdeutlicht unsere Leistungsfähigkeit über alle Kerngeschäftsbereiche hinweg", sagten Jain und Fitschen.

Dass sie nun trotzdem harte Einschnitte bei der Bank planen, liegt an den immer strengeren Vorgaben der Aufsichtsbehörden in aller Welt. Dies belastet insbesondere Institute mit einer hohen Bilanzsumme wie die Deutsche Bank. Im ersten Quartal kletterte die Summe aller Vermögenswerte des Geldhauses wieder auf fast zwei Billionen Euro. Das sind 250 Milliarden Euro mehr als Ende 2014. Grund war neben Wechselkurseffekten auch das ausgeweitete Geschäft angesichts des regen Handelsgeschehens an den Finanzmärkten.

Für die Bank ist eine hohe Bilanzsumme allerdings eine schwere Bürde. Denn sie muss die Anlagen mit immer mehr Eigenkapital unterlegen - und das kostet viel Geld. So verschlechterte sich im ersten Quartal die sogenannte Verschuldungsquote von 3,5 auf 3,4 Prozent. Das heißt, hundert Euro in der Bilanz waren mit 3,40 Euro eigenem Geld abgesichert. Das ist auch nach einer milliardenschweren der Kapitalerhöhung vor einem Jahr im internationalen Vergleich noch ein eher schwacher Wert. Finanzaufseher wollen künftig stärker auf diese Quote schauen und ihre Vorgaben weiter verschärfen. Deshalb will die Bank sich künftig verschlanken.

Weitere Details will Deutschlands größtes Geldhaus an diesem Montag (gegen 10.30 Uhr) nennen. Dann werden die Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain sowie Strategievorstand Stefan Krause in einer Pressekonferenz in Frankfurt Rede und Antwort stehen. manager magazin online wird sie dazu mit einem Liveticker auf dem Laufenden halten.

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rei/dpa/reuters

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