Freitag, 28. April 2017

Ergebnisse verkündet 25 Banken fallen durch EZB-Stresstest - eine deutsche, neun italienische

Frankfurter Bankentürme: 23 deutsche Institute haben den Test bestanden

Die Münchener Hyp ist als einziges deutsches Geldhaus beim EZB-Stresstest durchgefallen. Unter den insgesamt 25 Instituten, die nicht durchkamen, waren gleich neun italienische.

Frankfurt am Main - Die allermeisten Großbanken in der Euro-Zone sind für eine neue Finanzkrise gerüstet. Zu diesem Ergebnis kommt die Europäische Zentralbank (EZB), die in den vergangenen zwölf Monaten die 130 wichtigsten Geldhäuser der Region auf Herz und Nieren geprüft hat. Es war der umfassendste Stresstest des Bankensystems aller Zeiten.

Nur 25 Institute patzten, bei ihnen ergab sich ein Kapitalloch von insgesamt 25 Milliarden Euro. Doch dieses ist zum größten Teil schon gestopft. Krisenfälle gab es vor allem in den südlichen Euro-Staaten: Allein in Italien fielen neun Institute durch, in Griechenland und Zypern je drei.

In Deutschland riss wie erwartet nur die Immobilienbank Münchener Hyp die Latte, sie hat die Kapitallücke aber schon geschlossen. Die anderen 23 deutschen Teilnehmer kamen durch, darunter Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, Commerzbank Börsen-Chart zeigen und die Landesbanken.

Exakt um 12.00 Uhr mittags veröffentlichte die EZB am Sonntag die mit Spannung erwarteten Ergebnisse. Die Notenbank wollte mit dem Gesundheitscheck sicherstellen, dass keine Altlasten mehr zum Vorschein kommen, wenn sie am 4. November die Aufsicht über die wichtigsten Banken in der Euro-Zone übernimmt.

Vizepräsident Vitor Constancio zog eine positive Bilanz: "Diese bislang nicht dagewesene tiefgehende Prüfung der Bilanzen der Großbanken wird das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Bankensektor stärken." Er hofft, dass die Institute jetzt auch wieder mehr Geld in die schwächelnde Wirtschaft im Euro-Raum pumpen.

Ob diese Rechnung aufgeht, ist allerdings ungewiss. Experten weisen darauf hin, dass Unternehmen schlichtweg zu wenig Kredite nachfragen. Es sei daher "extrem unwahrscheinlich", dass hier mehr Bewegung reinkomme, sagte etwa Erik Nielsen, Chefvolkswirt der Großbank Unicredit.

Außerdem zeigte sich bei der Prüfung, dass in den Büchern der Institute noch 136 Milliarden Euro mehr faule Kredite schlummern als angenommen. Die Aufräumarbeiten sind also längst nicht vorbei, wie auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer, einräumte. Es liege noch "eine Menge Arbeit vor den europäischen Banken, um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken", erklärte er.

Auch die Chefin der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Elke König, sieht noch keinen Grund zur Entspannung für die hiesigen Institute: "Alle Teilnehmer stehen solide da - auch wenn sie sich auf ihren Lorbeeren nicht ausruhen dürfen." Weitere Finanzexperten und Politiker reagierten ähnlich.

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