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23.02.2012
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Commerzbank in der Krise

Bankchef Blessing zahlt drauf

Hat mehr Geld verloren, als er verdient hat: Commerzbank-Chef Blessing
DPA

Hat mehr Geld verloren, als er verdient hat: Commerzbank-Chef Blessing

Hohe Abschreibungen auf griechische Anleihen belasten das Geschäftsergebnis der Commerzbank im Jahr 2011. Unterm Strich verbleibt ein bescheidenes Plus. Ihre Kapitallücke will die Bank weiter aus eigener Kraft schließen. Bankchef Blessing zählt zu den Leidtragenden der Coba-Misere.

Frankfurt am Main - Einer der großen Verlierer der Krise der Commerzbank Chart zeigen der vergangenen Jahre ist offensichtlich Bankchef Martin Blessing selbst - und zwar in zweifacher Hinsicht. Nicht genug damit, dass Blessing die Probleme als Kopf des Instituts zu verantworten hat und seit Beginn der Staatshilfe im Jahr 2009 mit einem auf 500.000 Euro pro Jahr gedeckelten Einkommen Vorlieb nehmen muss. Auch in seinem privaten Depot hat der Absturz der Commerzbank-Aktien offenbar Spuren hinterlassen.

"Ich habe mal geguckt", sagte Blessing heute anlässlich der Bilanzvorlage in Frankfurt. "Die Verluste, die ich auf mein eigenes Commerzbank-Aktienportfolio gemacht habe, waren höher als mein Netto-Einkommen der letzten vier Jahre. Aber Hoffnung gibt es immer."

Hoffnung verbreitete Blessing und sein scheidender Finanzvorstand Eric Strutz denn auch in Bezug auf seine Bank. Die Commerzbank nehme Kurs auf ein Eigenkapitalpolster von mehr als 10 Prozent nach den verschärften Kriterien des neuen Regelwerks Basel III, hieß es. Die harte Kernkapitalquote (Core Tier-1) werde zum ersten Quartal 2013 bei mehr als 10 Prozent liegen, obwohl die mit Eigenkapital zu unterlegenden Risikoaktiva in der Bilanz durch Basel III um rund 20 Milliarden Euro steigen, sagte Strutz auf der Bilanzpressekonferenz.

Basel III wird im Januar 2013 eingeführt. Ende 2011 hatten die Risikopositionen der Commerzbank bei 237 Milliarden Euro gelegen - bei einer Bilanzsumme von 662 Milliarden Euro. Bis Ende Juni will Finanzchef Strutz weitere 15 Milliarden Euro an Risikokapital abgebaut werden. Damit käme die Commerzbank seinen Berechnungen zufolge dann auf eine Core-Tier-1-Quote von mehr als 11 Prozent.

Blessing stellt Zahlung an den Soffin in Aussicht

Auch dem Bund machte der Vorstand Hoffnung, nämlich auf eine Zinszahlung für die erhaltenen Rettungsmilliarden. "Es bleibt unser Ziel, die Stillen Einlagen des Soffin künftig zu bedienen und auch wieder eine Dividende zu zahlen", sagte Blessing. Er verwies jedoch zugleich auf das weiterhin herausfordernde Umfeld angesichts der anhaltenden Schuldenkrise in Europa.

Auch Anfang 2011 hatte Blessing dem Bund bereits Hoffnung gemacht: "Wir werden alles daran setzen, die Stillen Einlagen des Bundes für das Jahr 2011 zu bedienen", sagte er bei der Bilanzvorlage vor einem Jahr.

Doch daraus wurde nichts: Die für die Zinszahlung maßgeblichen Zahlen fielen 2011 erneut tiefrot aus. Nach deutschem Bilanzrecht HGB ergaben sich für das vergangene Jahr 3,6 Milliarden Euro Verlust. Damit entgehen dem Staat rund 170 Millionen Euro Zinszahlungen für die verbliebenen 1,9 Milliarden Euro Stille Einlage. Eine Dividende zahlt die Commerzbank für das vergangene Jahr ebenfalls erneut nicht.

Insgesamt fiel das Ergebnis der Bank auch 2011 bescheiden aus. Nach Milliardenverlusten mit griechischen Staatsanleihen hat die Commerzbank nur mit Hilfe von Einmaleffekten schwarze Zahlen geschrieben. Mit zwei Rückkaufaktionen für Hybridpapiere, die nicht als hartes Kernkapital anerkannt werden, rettete sich das Institut mit einem Gewinn von 638 Millionen Euro über die Nulllinie. 2010 hatte der Gewinn 1,43 Milliarden Euro betragen.

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