Dienstag, 26. März 2019

Bosnische Gruppe zettelt Machtkampf bei Grammer an Krawall-Zulieferer Prevent mischt Autobranche erneut auf

Sesseltest, auch im Aufsichtsrat: Beim Autozulieferer Grammer will ein bosnischer Investor fünf Kontrolleure absetzen
DPA / Grammer
Sesseltest, auch im Aufsichtsrat: Beim Autozulieferer Grammer will ein bosnischer Investor fünf Kontrolleure absetzen

Im Reich von Francisco Javier Garcia Sanz, dem Einkaufschef des Volkswagen-Konzerns, haben wohl längst die roten Lichter aufgeleuchtet. Bei seinen Kollegen von Daimler Börsen-Chart zeigen und BMW Börsen-Chart zeigen wohl ebenso. Auch die IG Metall ist in Aufruhr.

Der Grund dafür ist auf den ersten Blick eher klein: Bei dem Autozulieferer Grammer, einem Spezialisten für Fahrzeugsitze und Innenausstattung, bahnt sich ein Machtkampf an. Zwei Investorengruppen wollen fünf der sechs Aufsichtsräte der Aktionärsseite durch ihre eigenen Vertrauensleute ersetzen. Zudem wollen sie Grammer-Chef Hartmut Müller ablösen.

Solche Streitigkeiten, so unschön sie auch sein mögen, sind im deutschen Mittelstand nichts Außergewöhnliches. Für branchenweite Alarmstimmung sorgen jedoch die Hintermänner jener beiden Investorengruppen, die nun den Grammer-Vorstand attackieren: Denn hinter der Cascade International Investment GmbH und der Halog GmbH, die je 10 Prozent der Grammer-Stimmrechte halten, stecken die Brüder die Brüder Kenan und Damir Hastor, die Söhne des bosnischen Geschäftsmanns Ninjaz Hastor.

Prevent greift nach der Macht bei dreimal größerem Gegner

Und die Hastors, denen die Unternehmensgruppe Prevent gehört, haben erst im vergangenen Sommer gezeigt, dass sie nicht mit sich spaßen lassen. Im Streit um Geld für ein abgeblasenes Projekt stoppten zwei deutsche Prevent-Töchter im August 2016 die Lieferung von Getriebeteilen und Sitzbezügen an Volkswagen. Da Volkswagen sich bei diesen beiden Bestandteilen nur auf je einen Zulieferer verlassen hatte, waren die Folgen dramatisch: In Wolfsburg konnte der Golf, in Emden der Passat nicht mehr gebaut werden, 28 000 Mitarbeiter mussten pausieren. Der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hatte von "Erpressung" gesprochen.

Nach tagelanger Blockade einigte sich Prevent schließlich mit dem Volkswagen-Konzern. Doch Ausfall kostete VW nicht nur viele Millionen, er kratzte auch den Ruf der deutschen Autoindustrie an. Im Ausland war man erstaunt über den Auto-Riesen Volkswagen, der sich vom Zulieferer-Zwerg Prevent in Geiselhaft nehmen ließ.

Volkswagen kündigte damals Konsequenzen beim Einkauf an. Nun greift die Prevent-Eigentümerfamilie Hastor nach der Macht bei einem weiteren deutschen Zulieferer, der jedoch in einer anderen Liga spielt als die bisherigen deutschen Prevent-Autozulieferertöchter.

Grammer baut Armaturenbretter und Sitze für Autos, Lastwagen, Traktoren, Busse und Züge. Die größten Auto-Kunden: Der Volkswagen-Konzern, BMW und Daimler . Mit seinen 12.000 Mitarbeitern und 1,5 Milliarden Euro Umsatz ist Grammer fast dreimal so groß wie die Prevent-Gruppe, die jährlich rund 500 Millionen Euro umsetzt.

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