Sonntag, 19. August 2018

Abgasskandal: Ex-VW-Chef muss in den USA vor Gericht "Die volle Härte des Gesetzes" - USA klagen Winterkorn an

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Bild: REUTERS

Noch am Morgen hatte der neue Volkswagen-Chef Herbert Diess auf der Hauptversammlung eine von Ehrlichkeit und Transparenz durchwirkte neue Unternehmenskultur beschworen - am Nachmittag holte den Autokonzern dann die trübe Gegenwart ein: Das US-Justizministerium beschuldigt Volkswagens ehemaligen Konzernchef Martin Winterkorn der Mittäterschaft im Abgasskandal. Das geht aus einer erweiterten Anklageschrift hervor, die am Donnerstag vom zuständigen Gericht in Detroit, Michigan, veröffentlicht wurde.

"Wer versucht, die USA zu betrügen, wird dafür einen hohen Preis bezahlen", sagte Generalstaatsanwalt Jeff Sessions. Nach seinen Erkenntnissen habe Volkswagen ein betrügerisches System unterhalten, das "bis in die Spitze des Konzerns gereicht hat". Man werde die "volle Härte des Gesetzes" anwenden.

Winterkorn wird in insgesamt vier Anklagepunkten vorgeworfen, Teil einer Verschwörung zum Verstoß gegen US-Umweltgesetze gewesen zu sein. Der Top-Manager war im September 2015 von seinem Amt zurückgetreten, kurz nachdem US-Behörden Abgasmanipulationen von zahlreichen Dieselautos bei VW aufgedeckt hatten. Winterkorn hatte trotz der Vorwürfe betont, sich keines Fehlverhaltens bewusst zu sein.

Der Autobauer hat seine Kooperationsbereitschaft mit dem US-Justizministerium in dem Fall betont. Volkswagen kooperiere weiterhin vollumfänglich mit dem US-Justizministerium, teilte das Unternehmen mit. Allerdings sei es nicht angemessen, zu individuellen Verfahren Stellung zu nehmen.

VW musste wegen des Skandals in den USA Milliarden an Strafen zahlen. Durch die Affäre wurde auch das Image des Diesel schwer beschädigt. Diese Krise hält bis heute an.

Die US-Justizbehörden hatten zuvor bereits Strafanzeigen gegen acht amtierende und frühere Mitarbeiter des VW-Konzerns gestellt. Zwei von ihnen wurden bereits zu mehrjährigen Haftstrafen und hohen Geldbußen verurteilt.

Gegen Winterkorn und andere Manager wird auch in Deutschland ermittelt. Zum einen wegen des Anfangsverdachts des Betruges, zum anderen wegen Marktmanipulation. Anleger klagen deswegen auf Schadenersatz in Milliardenhöhe, weil die VW-Aktie nach Bekanntwerden des Skandals auf Talfahrt ging.

Die Manager sollen die Finanzmärkte im Herbst 2015 zu spät über den Abgasskandal informiert haben. Der Konzern betont stets, dies rechtzeitig getan zu haben.

soc, dpa, Reuters

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